Ys: Warum ich es mag, wenn Spiele nicht mehr sein wollen, als sie sind

(Kolumne)

von Daniel Kirschey (28. Februar 2018)

Könnt ihr euch an früher erinnern? Wenn ihr ein Rollen- oder Actionspiel für euch entdeckt habt - als die Grenzen der Genres noch fließender waren. Secret of Mana oder Terranigma beispielsweise. Das Modul in den Schacht gestopft und nach einer kurzen Einführung ging's schon los. Kein großes Aufhebens, keine epische Einführung - vor dem Dorf in dem alles beginnt, warten die ersten Monster auf euch und die Reise beginnt.

Heutzutage werden Spiele immer komplizierter. Lange Tutorials erklären mir jeden noch so eigentlich bekannten Aspekt einer Spielmechanik. Andere Spiele werfen mich in die Welt, in der ich mir alles erarbeiten muss, weil das Spiel die Schnauze hält. Beides kann Spaß machen. Die Dritte Variante, die einfache, überzeugt mich im Moment aber mehr. Statt für jeden etwas ins Spiel zu stopfen, eher auf den Spielfluss achten. Keine "filmreife Handlung", tausende Aufgaben und Collectibles. Ich mag es, wenn ein Spiel nicht mehr sein will, als es bieten kann.

Ys Seven hat einfach einen fantastischen Soundtrack - hört mal rein:

Was machen, wenn man krank im Bett liegt? Mal wieder die PS Vita rauskramen und im PSN-Store das PSP-Spiel Ys Seven kaufen und runterladen. Ys ist so eine Serie, die seit Jahren immer wieder ihren Weg auf eine meiner Konsolen oder auf den PC findet. Der siebte Teil der Reihe führt mir gerade vor Augen, was ich an moderneren Spielen ab und zu vermisse: Es weiß was es kann, aber auch, was nicht. Ys beginnt rasch. Nach einem kurzen Geplänkel in der Stadt Altago City geht's in die Umgebung voller Monster. Das schnelle und spaßige Kampfsystem mit der großartigen Musik treiben stetig weiter.

Das Tolle am Spiel ist die Leichtigkeit, die Einfachheit, von Allem. Die Geschichte dreht sich um fünf Stämme und fünf mythologische Drachen. Sie wird ohne großes Brimborium erzählt. Sie ist Motivation, das Spiel durchzuspielen, trumpft aber nicht mit einer riesigen Tiefe auf. Hauptaugenmerk ist das Gameplay. Es gibt mehrere spielbare Charaktere, alle Spielen sich einen Ticken anders, haben andere Fähigkeiten und ich kann sie während des Kampfes mit einem Knopfdruck wechseln. Die Welt ist aus Level-Abschnitten aufgebaut und die - nennen wir sie Dungeons - sind nicht groß, aber durchdacht. Alle haben einen Clue und in jedem wartet ein neuer Gegenstand, den ich brauche, um ihn zu bewältigen - wie in The Legend of Zelda.

Alle Teile dieser Komposition sind eher konzentriert als ausufernd, dafür umso besser aufeinander abgestimmt. Es trifft genau das Spielgefühl, das "Fallenlassen", das ich von früher kenne. Von Früher als die Spiele noch ein Stückchen einfacher waren. Das liegt nicht am Schwierigkeitsgrad, sondern bezeiht sich eher auf eine gewisse "Schnörkellösigkeit". Ys Seven will nicht mehr sein, als es ist. Aber was es ist, macht es verdammt gut. In einer Zeit, in der jeder Entwickler und Publisher aus seinem Spiel immer die ganz besondere Erfahrung machen will, in der jedes Spiel noch mehr will, empfinde ich diese konzentrierte Geradlinigkeit durchaus als angenehm.

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