Cyberpunk 2077: Das soll bitte anders sein als in The Witcher 3

(Kolumne)

von René Wiesenthal (05. März 2018)

Cyberpunk 2077 wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hit. Sofern es denn irgendwann einmal erscheint. Doch auch, wenn ich mich auf das Spiel freue: Meine Zuversicht, dass es fantastisch wird, ist eingeschränkt. Und das liegt ausgerechnet an The Witcher 3.

Meine Vorfreude auf Cyberpunk 2077 ist enorm. Dass das Spiel aus dem Hause CD Projekt Red stammt, den Machern von The Witcher 3 – Wild Hunt, ist für viele Hexer-Fans sicher eines der stärksten Argumente für die Qualität des kommenden Sci-Fi-Spektakels. Für mich hingegen bedeutet es zu hoffen, dass es nicht alle Elemente aus dem Rollenspiel-Hit in das angekündigte Spiel schaffen. Es gibt da nämlich ein bisschen was, das mich an The Witcher 3 gestört hat.

Der Protagonist

Geralt ist schon 'ne coole Socke. Aber er ist auch eine weitestgehend fertig geschriebene Figur. Wer sich nicht mit dem eher mürrischen und steifen Protagonisten anfreunden kann, hat von Beginn an Pech gehabt. Geralts Art ist natürlich durch das Wesen des Hexers begründet, aber eben nicht jedermanns Geschmack. Seine Persönlichkeit lässt sich nur sehr eingeschränkt frei mitgestalten. Zwar stehen euch verschiedene Dialogoptionen frei, die unterschiedlichen Gesinnungen entsprechen, aber der Hexer verändert sich dadurch nicht grundlegend. Außerdem gibt er all seine Zeilen eher leidenschaftslos zum Besten.

Wird die Hauptfigur in Cyberpunk 2077 frei zu gestalten sein?Wird die Hauptfigur in Cyberpunk 2077 frei zu gestalten sein?

Hier wünsche ich mir mehr Freiheit in Cyberpunk 2077. Vielleicht wählt CD Projekt Red ja einen Ansatz, bei dem ich durch individuelle Entscheidungen die Persönlichkeit meiner Figur stärker mitbestimmen kann. Die Identifikation wäre mir durch ein frei erstellbares Äußeres zusätzlich erleichtert. Richtig zufrieden wäre ich dann mit der Wahlmöglichkeit zwischen männlicher und weiblicher Hauptfigur samt fähiger Sprecher oben drauf. Denn sonst muss ich eben Glück haben, dass der Charakter, den ich steuere, mir mehr zusagt als Geralt von Riva.

Halbgare Mechaniken

The Witcher 3 wurde zurecht dafür gerühmt, dass auch Nebenquests bedeutsam erscheinen. Es gibt zahlreiche optionale Missionen, die euch kreuz und quer über die Weltkarte schicken und spannende Geschichten erleben lassen. Und dann gibt es da noch die Missionen, in denen der Hexersinn zum Einsatz kommt. Da laufen zu viele nach dem immer gleichen Schema ab: Jemand hat ein Problem, ihr aktiviert den Hexersinn und sucht nach leuchtenden Stellen in der Umgebung. Lauft sie ab, klickt euch durch und am Ende wartet ein Monster oder ein menschlicher NPC auf euch.

Wem oder was ist Geralt da wieder auf der Spur?Wem oder was ist Geralt da wieder auf der Spur?

Solche Quests strecken die Spielzeit ungemein, ohne dabei über diesen Selbstzweck hinauszuwachsen. Ein so gutes Spiel wie The Witcher 3 hätte die eigentlich nicht nötig gehabt. Und so ist hoffentlich auch Cyberpunk 2077 etwas stärker entschlackt, was Nebentätigkeiten angeht. Lieber verzichte ich auf 30 Prozent des Inhalts, wenn die übrigen 70 Prozent durchweg stark sind. Natürlich kann nicht jede Side Quest ein Brenner sein, aber ich möchte nicht so schnell wie in The Witcher 3 den Eindruck bekommen, immer das Gleiche zu tun. Was mich zu einem weiteren, einem diesem übergeordneten Punkt bringt.

Die Weltkarte

"So geht Open World" – ist ein Fazit, das oftmals im Zusammenhang mit The Witcher 3 ausgesprochen wurde. Aber warum eigentlich? Nichts gegen die Spielwelt von The Witcher 3, die ist wunderschön und sehr lebendig gestaltet. Aber werft ihr einen Blick auf die Weltkarte, kommen Déjà-Vus auf: Das ist doch die gleiche schematische Gestaltung wie sie anderen "Open World"-Reihen seit Jahren vorgeworfen wird. Überall sind Fragezeichen verstreut, hinter denen sich sehr schnell wiederholende Betätigungs-Typen verbergen. Hier liegt ein Monsternest, das ihr sprengen müsst, dort ist ein Ort der Macht, der von Geistern bewacht wird. Lager, Schätze ... der Ablauf ist im Grunde immer gleich: Klappert Fragezeichen ab, haut was tot, sammelt Beute ein.

Weitläufig und schön, aber nicht frei von Füllwerk: Die Welt von The Witcher 3.Weitläufig und schön, aber nicht frei von Füllwerk: Die Welt von The Witcher 3.

Hier wünsche ich mir weniger offensichtliche Muster und mehr Abwechslung von Cyberpunk 2077. Warum nicht beispielsweise einfach die Markierungen auslassen? Ist es nicht viel spaßiger, überrascht zu werden, wenn die wunderschöne Spielwelt ohnehin zum Entdecken einlädt? Da muss ich doch nicht zusätzlich von einem Werbesymbol über den Wegesrand hinausgelockt werden.

Es fühlt sich ohnehin immer eher wie Arbeit als vergnüglich an, die abzugrasen. Ich möchte nicht unverrichteter Dinge weiterziehen, indem ich Symbole auf der Karte offenlasse. Schnell bin ich dann aber mit dem Abgehen überfordert und verliere die Lust. In Cyberpunk 2077 möchte ich eine ebenso lebendige und schöne Welt wie in The Witcher 3, die mich aber von sich aus davon überzeugt, ihr auf den Grund zu gehen und nicht mit austauschbaren Betätigungen übersät ist, die auf der Weltkarte markiert sind.

Der Look

An diesem Punkt bin ich guter Dinge, dass meine Wünsche erfüllt werden. The Witcher 3 sah toll aus, hatte aber einen recht austauschbaren Fantasy-Mittelalter-Look ohne große Ecken und Kanten. Das mag dem Szenario geschuldet sein. Deswegen hoffe ich, dass CD Projekt Red in ihrer Cyberpunk-Welt einige eigene Akzente setzen werden und sich die Spielwelt deutlich von anderen Universen in diesem Look abheben kann.

Cyberpunk 2077 macht schon in der Vorschau eine gute Figur

Das Cyberpunk-Design wurde in Film und Fernsehen schon oft genutzt, lässt aber vermutlich mehr kreativen Spielraum, als die Fantasy-Welt von The Witcher 3. Diesen Spielraum wissen CD Projekt Red hoffentlich zu nutzen.

Das Kampfsystem

An diesem Punkt sind sich viele Spieler sicher einig: Das Kampfsystem von The Witcher 3 ist schlichtweg nicht besonders gut. Geralt soll beschwingt und tänzerisch im Kampf wirken, ständig in Bewegung sein – so wie er im Buch beschrieben wird. So erklären CD Projekt Red den Ansatz für das Kampfsystem. Das läuft aber die meiste Zeit darauf hinaus, dass ihr hektisch zwischen aufdringlichen Gegnern hin und her hüpft, versucht, nicht getroffen zu werden und sobald sich eine Lücke auftut, wie blöd auf den Schlagknopf haut. Da geht nicht nur schnell die Übersicht verloren, sondern auch jegliche taktische Raffinesse.

In Kämpfen wird The Witcher 3 schnell chaotisch.In Kämpfen wird The Witcher 3 schnell chaotisch.

Und deshalb, liebes "CD Projekt Red"-Team: Nehmt ein wenig die Geschwindigkeit heraus aus den Kämpfen oder gebt mir mehr Handlungsspielraum und Variation. Wie wäre es mit einem System, in dem ich die actionlastigen Kämpfe pausieren und Sonderfähigkeiten über ein Ringmenü auswählen kann? Oder ein anständiges Deckungssystem? Kämpfe machen in Rollenspielen viel vom Spielspaß aus, das muss also passen.

Ich weiß, das sind alles Verbesserungswünsche auf sehr hohem Niveau. Selbst wenn The Witcher 3 nicht meinem Geschmack entspricht, kann ich dem Spiel nicht seine Güte absprechen. Da ich aber gern auch ein Stück vom "CD Projekt Red"-Kuchen haben und von deren Talent profitieren möchte, wünsche ich mir diese Veränderungen für deren aktuelle Entwicklung.

Wie seht ihr das, gebt ihr mir Recht? Oder habt ihr an The Witcher 3 überhaupt nichts auszusetzen und seid guter Dinge, dass da nichts schiefgehen kann? Lasst mich eure Meinung in den Kommentaren wissen!

Tags: Open World   Singleplayer   Fantasy   Science-Fiction  

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