Vorschau A Way Out: Zwang zum Zweitspieler - aber auch doppelter Spaß?

von Olaf Bleich (13. März 2018)

Entfacht A Way Out eine kleine Koop-Revolution? Das Abenteuerspiel verzichtet komplett auf eine Solo-Kampagne und setzt dafür auf die Interaktion zweier Koop-Partner sowie massig unterschiedliche Spielelemente. Aber reicht das aus, um im Jahr 2018 zu beeindrucken?

Die Hazelight Studios erarbeiteten sich unter der Führung von Filmregisseur Josef Fares einen guten Ruf. Ihr Erstlingswerk Brothers - A Tale of Two Sons erntete im Jahr 2013 nicht nur im Test Höchstwertungen, sondern gehörte auch zu den emotionalsten Spielerlebnissen der jüngeren Vergangenheit. Mit A Way Out möchte das Team an diesen Erfolg anknüpfen.

Das war es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Denn wie schon in Brothers - A Tale of Two Sons geht Hazelight auch bei A Way Out keine Kompromisse ein. So verzichtet man auf eine Solo-Kampagne und setzt stattdessen voll auf die Dynamik des Koop-Modus - wahlweise lokal mit geteiltem Bildschirm oder per Online-Verbindung.

In Köln gesellte sich Josef Fares persönlich zu uns auf die Zockercouch und führte uns durch etliche Kapitel der Kampagne. Fest steht: A Way Out wird eine emotionale Achterbahnfahrt, die gerade Filmfans mit ihrer knackigen Inszenierung begeistern dürfte.

Am Ende wartet die Entscheidung

A Way Out bedient sich freizügig am Genre des interaktiven Films, überlässt euch aber deutlich mehr Kontrolle als etwa die beliebten Telltale-Abenteuer. Gemeinsam mit eurem Koop-Freund übernehmt ihr die beiden Sträflinge Leo und Vincent. Vor jedem Kapitel könnt ihr theoretisch die Spielfiguren tauschen, doch laut Josef Fares wird diese Option von den meisten gar nicht genutzt. Denn in A Way Out dreht sich alles um die Geschichte und um das Zusammenspiel der Charaktere und der Spieler.

A Way Out erzählt die Geschichte zweier höchst unterschiedlicher Charaktere

Leo und Vincent mögen sich anfangs nicht sonderlich, finden aber schnell heraus, dass sie sich für den Ausbruch aus dem Gefängnis brauchen. Dieses Unterfangen erstreckt sich etwa über die ersten zwei Spielstunden. Danach finden sich die beiden außerhalb der Anlage wieder und müssen sich aus dem Staub machen. In dieser Passage schleicht ihr euch durch das Unterholz wie Bayek in Assassin's Creed - Origins. Ihr schaltet Polizisten aus dem Hinterhalt aus und koordiniert eure überraschenden Angriffe mit eurem Koop-Kumpanen.

Dieser Abschnitt ist streng linear, endet jedoch mit einer Entscheidung: Flüchten Leo und Vincent mit einem gestohlenen Polizeiwagen oder schleichen sie sich unter der Brücke entlang? Beide Spieler müssen ihr Einverständnis zu dieser Entscheidung geben, entsprechend kommt es an diesen Schlüsselstellen immer wieder zu Diskussionen. Genau diese Interaktion möchte A Way Out fördern und so für Emotionen vor dem Bildschirm sorgen.

Koop Marke Hollywood

Doch dieses Kapitel steht keinesfalls exemplarisch für A Way Out. Vielmehr präsentiert sich das Spiel in jedem der gezeigten Kapitel anders. Kurz nach der Flucht mit dem Auto folgt eine ruhigere Passage, in der Leo und Vincent Fische fangen und ihr Lager aufschlagen. Später steht dann die bereits aus früheren Anspielrunden bekannte Tankstellenszene an. Diesmal geht es für Vincent und Leo allerdings in ein Krankenhaus. Hier demonstriert A Way Out die Vielfalt seiner Dialogoptionen.

Leo und Vincent gehen verschieden auf andere Menschen ein und reagieren unterschiedlich auf bestimmte Dinge. Als Leo etwa eine Zeitung mit seinem Bild darin sieht, wirft er sie rasch in den Mülleimer. Vincent dagegen verdeckt das Käseblatt lediglich. Als ein Wachmann die beiden später im Aufzug erkennt, habt ihr die Wahl zwischen der brutalen Lösung des einen oder einem kleinen Ablenkungsmanöver des anderen Charakters. Mehr möchten wir an dieser Stelle nicht verraten.

Plötzlich ein Prügler

Die Proberunde mit A Way Out endet schließlich in einer außergewöhnlichen Action-Sequenz. Das Spiel bricht aus dem geteilten Bildschirm aus und ihr kontrolliert Leo und Vincent unabhängig von eurem Koop-Partner. Die Kamera springt dann wie in einem Hollywood-Streifen hin und her und ihr erlebt die parallel verlaufenden Geschehnisse gemeinsam, aber doch jeder für sich.

Aus der Seitenansicht nehmt ihr es mit Polizisten auf.Aus der Seitenansicht nehmt ihr es mit Polizisten auf.

Besonders beeindruckend: In einer Sequenz verwandelt sich A Way Out sogar in einen 2D-Prügler. Aus der Seitenansicht verhaut Vincent dann einen Polizeitrupp und macht sich anschließend aus dem Staub.

Wer sich jetzt für A Way Out interessiert, aber Angst hat, keinen passenden Koop-Partner zu finden, der sei beruhigt: Auch zum gemeinsamen Online-Zocken benötigt ihr lediglich eine Vollversion, könnt also einfach einen weiteren Spieler zu eurer Session einladen. Sehr fair, wie wir finden.

Meinung von Olaf Bleich

Ich liebte seinerzeit Brothers - A Tale of Two Sons und bin entsprechend heiß auf A Way Out. Obwohl beide Spiele kaum etwas gemein haben, so spürt man doch die leitende Hand von Josef Fares. Die Konsequenz, mit der das Team sein Koop-Abenteuer umsetzt, ist ungemein beeindruckend. Der Verzicht auf eine klassische Solo-Kampagne setzt das Spiel deutlich von der Mainstream-Konkurrenz an. Das Koop-Prinzip wiederum besteht nicht nur aus einer Ansammlung von Minispielen und Geschicklichkeitsübungen. Vielmehr versucht A Way Out, die Partner aktiv zusammen zu bringen.

Die Interaktion der beiden Spielfiguren erscheint direkt und natürlich. Die Kontrollen kommen ohne komplexe Tastenkombinationen oder Fingerakrobatik aus. Stattdessen stehen das gemeinsame Erleben des Spiels und natürlich das Kennenlernen der Charaktere im Mittelpunkt. A Way Out zog mich sehr schnell in seinen Bann und ich hoffe, dieses Kunststück gelingt dem kompletten Spiel auch nach seinem Erscheinen am 23. März 2018.

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Tags: Koop-Modus  

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