Metal Gear Survive: Nicht bei allen unbeliebt

(Special)

von Micky Auer (06. März 2018)

Es war irgendwie schon seit seiner Ankündigung zum Scheitern verurteilt. Die Rede ist von Metal Gear Survive, das ohne den Namen Hideo Kojima auskommen muss. Doch nicht jedem scheint das Spiel zu missfallen.

Schon seit Metal Gear Survive zum ersten Mal ins Rampenlicht trat, prasselten von allen Seiten Kritik und negative Bewertungen sowie entsprechend unschmeichelhafte User-Rezensionen darauf ein. Rezensionen, wohlgemerkt, von Leuten, die das Spiel natürlich ein Dreivierteljahr vor seiner Veröffentlichung unmöglich spielen konnten, jedoch dennoch schon eine abschließende Meinung dazu hatten.

Der Grundtenor lautete: "Entwickler Hideo Kojima ist nicht mehr bei Konami. Er hat nichts mit der Produktion zu tun, der Name 'Metal Gear' wird in den Schmutz gezogen."

Wir selbst haben natürlich erstmal abgewartet, was denn nun tatsächlich in der Produktion steckt. Bei einem Anspieltermin bei Konami konnten wir so zum Beispiel feststellen, dass das "Survive" im Titel nicht umsonst vorhanden ist. In knapp fünf Stunden Anspielzeit durften wir die Survival-Mechaniken ausprobieren und kamen zu dem Schluss, dass das Spiel rein inhaltlich und spielerisch erstmal die Schelte nicht verdient hat. Lediglich Schwächen in der Spielbalance waren auszumachen, die konnten jedoch vor der Veröffentlichung natürlich nicht endgültig bewertet werden.

Etwas anders sah die Situation dann im Zuge des Tests aus, denn die Mängel in der Balance waren immer noch vorhanden, gepaart mit umfangreichen Mikrotransaktionsmöglichkeiten. Den Eindruck, dass das Spiel absichtlich unfair ausbalanciert ist, um die Spieler zur Investition in Ingame-Käufe zu animieren, haben wir im Test: "Metal Gear Survive - Überleben ist nun mal nicht leicht" auch entsprechend festgehalten.

In der großen, weiten Welt des Internet da draußen häufen sich derweil die Aussagen darüber, dass Metal Gear Survive unglaublich schlecht ist, den Namen "Metal Gear" verhunzt und überhaupt das konzentrierte Böse ist. Dennoch gibt es auch Spieler, die sich hinstellen und behaupten, sie hätten jede Menge Spaß mit dem Spiel. Ein Unterhaltungswert, der sich vielen anderen nicht erschließen will.

Leichte Unterstützung durch die Steam-Community

Am 28. Februar stellt Steam-User Conejo die Frage: "Wie konnte dieses Spiel 'hauptsächlich positive' Bewertungen erhalten?" Seitdem ist eine Woche ins Land gezogen, und zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels hat sich nichts an dieser Tendenz geändert. Die Steam-Bewertungen stehen zurzeit bei insgesamt 2.413 Reviews, davon 70 Prozent positiv. Allerdings sei auch bemerkt, dass davon nur 1.745 User das Spiel auf Steam gekauft haben.

Die Antworten auf diese Frage fallen zumeist trocken, aber zumindest direkt aus. Zum Beispiel: "Weil es eigentlich ziemlich gut ist", oder: "Weil Leute, die das Spiel gespielt haben, es auch gut fanden." Durch die meisten Kommentare zieht sich übrigens genau diese Ansicht. Viele Konsumenten kritisieren den Umstand, dass das Spiel von allen Seiten niedergemacht wird, durchaus auch durch Leute, die es vermutlich gar nicht gespielt haben.

Diejenigen, die sich der Spielmechanik intensiv widmen und sich allen Herausforderungen stellen, empfinden das Spielerlebnis als durchaus befriedigend und spannend, wie der User im obenstehenden Screenshot es nach dem Abschluss einer schwierigen Aufgabe beschreibt.

Natürlich finden sich in den Kommentaren auch viele Beleidigungen und unsachliche Vorwürfe. So wird Usern, die das Spiel nicht gut finden vorgeworfen, sie seien Lügner (nebst anderen Beleidigungen). Das ist natürlich auch nicht zielführend. Vernünftigere Stimmen geben an, dass Meinungen und Geschmäcker nun mal unterschiedlich sein können. Jedoch gäbe es keinen Grund, irgendjemandem das Spiel madig zu machen.

Wir sehen das genau so. Natürlich stehen wir zu unserer im Test geäußerten Meinung, jedoch wollen wir niemandem, der Spaß an Metal Gear Survive hat, diesen Spaß nehmen. Die Bewertungen auf Steam können sich natürlich sehr schnell ändern. Doch gibt es wohl eine kleine, jedoch nicht zu unterschätzende Gruppe von Spielern, die sich durchaus durch die knallharten Herausforderungen gut unterhalten fühlt.

Es gibt auch Aussagen darüber, dass die Mikrotransaktionen nicht zwingend erforderlich seien. Allen voran natürlich zusätzliche Speicherplätze, die ihr euch durch Echtgeld erkaufen sollt. Im Spiel kann man eine Spielwährung verdienen, mit der alle wichtigen Funktionen freischaltbar sind. Dass sich dadurch die teils unfair anmutende Spielumgebung natürlich noch ein Stück schwieriger gestaltet, liegt auf der Hand. Doch die Unterstützer sind bereit, dies durch Geduld und Geschick zu überkommen.

Nur wenig Gegenliebe auf Metacritic

Ein Metascore von 54 ist natürlich keine große Auszeichnung für ein Spiel. Regelrecht vernichtend ist jedoch der User-Score von 1,2 von 10 bei 180 Bewertungen (Stand: jeweils 6. März 2018, 15 Uhr). Die User-Reviews spiegeln dieses Verhältnis in etwa wieder. So gibt es nur fünf positive Reviews, dafür aber 34 negative.

Von diesen fünf positiven Bewertungen mag eine vielleicht ein wenig zu überbordend erscheinen, die anderen jedoch stellen einen Aspekt in den Mittelpunkt, der ihnen wohl gut gefallen hat: Es geht ums Überleben. Sie stellen heraus, dass ihnen klar ist, dass es sich bei Metal Gear Survive um ein Spin-Off handelt. Daher ergibt sich wohl als Fan kein moralisches Dilemma, die Verwendung des Namens gut oder schlecht finden zu müssen.

Abgesehen davon gefällt ihnen die herausfordernde Spielmechanik, die auf dem MG-Universum basiert und gerade deswegen für Fans ein Grund sein sollte, dem Spiel eine Chance zu geben. Nun, viele Fans sehen das gänzlich anders, aber der Gedanke ist grundsätzlich verständlich und nachvollziehbar.

Auch hier betont ein User, dass die Mikrotransaktionen nicht nötig seien, um im Spiel Fortschritte zu erzielen. Doch wiederum gilt: Ja, wer sich die Zeit nimmt und das Spiel intensiv spielt, der wird es vermutlich nicht nötig haben, auf die Investition von Echtgeld zurückzugreifen. Viele Spieler wollen aber vielleicht ein eher zugängliches Spielprinzip genießen, das nicht so viel Engagement ihrerseits bedarf.

Beide Gruppen haben natürlich das Recht auf ihre jeweiligen Vorlieben. Nur scheint die Gruppe der Spieler, die eben nicht so viel Energie und Zeit in das Spiel investieren wollen, wesentlich größer zu sein. Das ist für Publisher Konami durchaus ein Problem, denn was nützt einem Hersteller von Videospielen die Unterstützung von Wenigen, wenn das Spiel von Vielen nicht gekauft wird?

Teils positive Worte in der Presse

Über Wertungen kann man streiten, sprechen, diskutieren. Meist jedoch hält sich die Durchschnittsbewertung eines Spiels bei der internationalen Presse in einem ähnlichen Zahlenbereich auf. Ausreißer nach oben und unten wird es häufig geben, das lässt sich kaum vermeiden. Das heißt nicht automatisch, dass diese Ausreißer-Wertungen falsch sind. Das jeweilige Spiel hat dann beim entsprechenden Tester die richtigen Knöpfe gedrückt. Auch von einigen Spieleseiten gibt es daher positive Wertungen. Zum Beispiel von diesen:

PlayStation Lifestyle:

In der Testwertung von PlayStation Lifestyle erhält Metal Gear Survive 8,5 von 10. Der Tester hebt hervor, dass die Survival-Mechanik fesselnd ist, die Spielerfahrung unglaublich fordernd, dafür aber auch entsprechend befriedigend sei. Auch geht aus dem Test hervor, dass im Spiel noch immer genug "Metal Gear"-Essenz vorhanden sei, um es selbst als Spin-Off noch nahe genug am Gesamtkanon zu behalten.

Quelle: PlayStation LifestyleQuelle: PlayStation Lifestyle

Game Revolution:

Bei den Kollegen von Game Revolution kommt Metal Gear Survive mit ordentlichen 4 von 5 weg. Die positiven Punkte in der Bewertung rekrutieren sich aus dem Preis-/Leistungsverhältnis: Für knapp 40 Euro ist die Kampagne erstaunlich umfangreich. Dazu gibt es viele verschiedene Waffen, Ausrüstungsgegenstände und weitere Spiel-Items. Auch werden die Aufbauelemente des Spiels gelobt, wie auch der Koop-Modus, wenngleich er dazu neigt, schnell repetitiv zu werden.

Insgesamt ist der Autor der Meinung, dass das Spiel international besser angekommen wäre, hätte Konami darauf verzichtet, es als Teil der Marke "Metal Gear" zu vermarkten. Wäre es als eigenständige und neue Marke erschienen, hätte es von Anfang an nicht mit der Welle an Kritik existieren müssen.

Quelle: Game RevolutionQuelle: Game Revolution

IGN Japan:

In Konamis Heimat Japan bewerten die dort ansässigen Kollegen von IGN das Spiel mit 7,9 von 10 und vergeben damit das Attribut: GUT. Als Begründung dafür nennt IGN Japan, dass das Spiel eine relativ offene Herangehensweise seitens der Spieler unterstützen, also kreative Lösungsansätze ermöglichen würde. Gelobt werden auch die Stealth-Elemente sowie die Verbindung zum "Metal Gear"-Universum. Gleichzeitig betont die Review aber auch, dass der Koop-Teil unnötig sei. In typisch höflicher japanischer Manier wird zu den Mikrotransaktionen geäußert: "Die Mikrotransaktionen machen das Spiel nicht zunichte, sollten aber auch nicht gelobt werden."

Quelle: IGN JapanQuelle: IGN Japan

Wie steht ihr zu Metal Gear Survive? Gebt ihr dem Spiel eine Chance? Oder verdammt ihr es in alle Ewigkeiten? Oder aber es ist euch egal und ihr sagt: "Soll doch damit Spaß haben wer will." Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!

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Tags: Science-Fiction  

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