Vorschau Eco: Darum diskutieren plötzlich tausende Spieler den Klimawandel

von Emily Schuhmann (10. März 2018)

Globale Erwärmung, Artensterben, alternative Energiequellen - viel relevanter können die Themen eines Spiels kaum sein. Wie kann eine Gesellschaft wachsen und gleichzeitig den Planeten erhalten? Ebenfalls nicht zu unterschätzen: der Meteorit am Himmel. Kein Stress also.

Überleben ist eine einsame Angelegenheit: Nahrung sammeln, Schutz suchen und Gefahren vermeiden. Der Preis des Scheiterns? Der Tod. Sobald mehrere Spieler zusammen in einer Welt landen, konkurrieren sie um die Ressourcen der Natur, und jeder Anthropologe kann euch versichern, dass das die Dinge verkompliziert. Überleben ist der Grundgedanke von Eco, einem Spiel des in Seattle ansässigen Studios Strange Loop, das am 6. Februar in die "Early Access"-Phase eintrat und sehr schnell die Steam-Charts eroberte. Darin geht es jedoch nicht um euer Überleben, sondern das des ganzen Planeten. Ein sehr aktuelles Thema, das viele Spieler neugierig macht. Gekoppelt mit hübscher Grafik und den schier unendlichen gegebenen Möglichkeiten ist es kein Wunder, dass Eco gerade so erfolgreich ist.

Ein brennender Feuerball am Himmel verheißt meist nichts Gutes und euch bleiben nur 30 Tage - echte Tage - um ihn aufzuhalten. Dabei seid ihr nicht auf euch allein gestellt. Je nach Server kämpfen kleinere oder größere Spielergruppen gegen die Bedrohung. Zu viele Köche verderben allerdings auch schnell mal den Brei und so ist Eco im Kern auch ein Gesellschaftssimulator. Ihr könnt auch ganz allein spielen, das zerstört allerdings den ganz eigenen Reiz des Spiels.

Ihr landet in einem vollständig simulierten Ökosystem mit zahlreichen wachsenden Pflanzen und Tieren, die einfach nur ihr Leben leben. Um selbst zu überleben, müsst ihr die gegebenen Ressourcen nutzen, aber - und das ist der Twist in diesem Spiel - die Umwelt ist empfindlich und reagiert auf alles. Holzt ihr einen Wald ab, steigen die Temperaturen. Jagt ihr zu viele Exemplare derselben Tierart, landet sie auf der roten Liste. Es ist eure Aufgabe, gemeinsam eine Lösung für das Problem zu finden, ohne selbst zum Grund für das Ende der Welt zu werden.

Zum Wohl der Allgemeinheit

Optisch erinnert das Spiel ein wenig an Minecraft, aber es ist nicht ganz so kantig. Es handelt sich ebenfalls um ein Sandkastenspiel in dem ihr tun und lassen könnt, was ihr wollt, aber hier habt ihr ein Ziel. Es gibt keinen mysteriösen Drachen, den es in einer anderen Welt zu erlegen gilt, sondern es geht um die Rettung des Planeten.

Es erwarten euch keine Monster oder gar Zombies, eure Gegner sind Korruption, Gier, Ignoranz und Ausbeutung, ausgeübt von den Spielern, mit denen ihr die Welt teilt.

Eco verfügt über ein Politik- und Wirtschaftssystem, das es euch erlaubt als Gemeinschaft Gesetze einzusetzen, an die sich bisher alle halten müssen. Zwar schaffen es einige Server vereint gegen die Bedrohung anzugehen, aber auf anderen geht es ganz schön heiß her und der Chat im Spiel wird von Debatten und Diskussionen über das richtige Vorgehen dominiert.

Gesetze hindern Jäger beispielsweise daran zu viele Exemplare einer Spezies zu erlegen und die Tierart auszurotten.Gesetze hindern Jäger beispielsweise daran zu viele Exemplare einer Spezies zu erlegen und die Tierart auszurotten.

Das Spiel ist allerdings nicht nur ein Sandkasten, sondern auch eine Simulation, die auf euer Verhalten reagiert. Wollt ihr als Teil der Regierung agieren, könnt ihr mit Daten und Statistiken, die das Spiel bereitstellt, beispielsweise zum Thema Klimawandel argumentieren. Ihr könnt euch aber auch aus der Politik heraushalten und euch stattdessen in der Wirtschaft als Händler gefragter Ressourcen einen Namen machen, eine Farm errichten oder Maschinen bauen, die ihr gegen eine Gebühr verleiht. Ihr entscheidet: Steuert ihr großzügig etwas zum großen Ganzen bei oder konzentriert ihr euch auf euren persönlichen Erfolg?

Was kommt heute auf den Tisch?

Alle Ressourcen könnt ihr zwar theoretisch selbst abbauen, allerdings habt ihr schlicht und ergreifend nicht die Zeit, um alle Disziplinen zu meistern. Es ist effektiver sich für einen Beruf zu entscheiden. Tag für Tag, sogar wenn ihr nicht eingeloggt seid, verbessert sich eure Fähigkeiten in Geschwindigkeit und Effizienz. Als Holzfäller könnt ihr Bäume so immer schneller fällen und mehr und mehr Holz erhalten. Ein Maximallevel gibt es nicht, allerdings solltet ihr immer eure Nahrungsreserven im Auge behalten, denn ohne die richtige Ernährung erreicht ihr gar nichts.

Mit der Spitzhacke in der Hand und einem vollen Magen, könnt ihr dem Boden nicht nur Stein und Erde, sondern auch wertvolle Erze entlocken.Mit der Spitzhacke in der Hand und einem vollen Magen, könnt ihr dem Boden nicht nur Stein und Erde, sondern auch wertvolle Erze entlocken.

In den meisten Spielen ist Essen Nebensache. In The Elder Scrolls 5 – Skyrim hat sich vermutlich jeder Spieler schon mal rohe Ziegenkeulen oder Kartoffeln zwischen die Kiemen geschoben, um Lebenspunkte zurückzugewinnen, aber hier läuft das etwas anders. Zwar verhungert ihr in Eco nicht wie in anderen Überlebenssimulationen, allerdings sind eure Fähigkeiten an die Nahrungsaufnahme gebunden. Nur gut genährt verbessern sie sich optimal und ihr könnt auch nicht einfach irgendetwas in euch reinstopfen. Eure Ernährung muss euch, wie eigentlich auch im echten Leben, mit den richtigen Nährstoffen versorgen.

Wir können etwas ändern

Im Jahr 2009 gründete John Krajewski das Studio Strange Loop, um Spiele mit Bildungsanspruch zu entwickeln. Frühere Spiele des Studios, wie etwa Vessel, erhielten viel Lob für ihre innovativen Mechaniken, die auf echter Wissenschaft basieren. Die Entwickler ließen sich bei Eco von selbstregulierten Online-Communities wie in Eve Online sowie von Sandbox-Survival-Spielen à la Minecraft inspirieren. Finanziert wurde Eco durch einen Zuschuss vom US-Bildungsministerium und Kickstarter.

Krajewski hofft vor allem die Jugend mit diesem Spiel dazu zu ermutigen, Gesetze und Umwelt zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden. "Ich mag die Idee einer digitalen Exkursion: In jedem Klassenzimmer kann eine digitale Welt entstehen, in der Schüler das anwenden können, was sie lernen."

Grün und voller Leben - so sieht die Welt von Eco am Anfang einer Partie aus:

Hier kommt auch der Grund für den sehr realen Zeitrahmen ins Spiel. Diejenigen, die sich auf Eco einlassen, sollten die Auswirkungen ihres Handelns direkt miterleben. In der echten Welt zeigt sich der Effekt von Entscheidungen oft erst nach Jahrzehnten. Was das für einen Unterschied macht, zeigt sich bereits in frühen Testläufen an Schulen. Anfangs plünderten die Jugendlichen die Natur, aber als sie die Auswirkungen auf die Umwelt bemerkten, änderten sie ihr Verhalten.

Genau darin liegt die Faszination und Magie von Eco. Die Tatsache, dass wir die Welt so stark beeinflussen können, zeigt, dass unsere Handlungen tatsächlich Bedeutung haben. Unsere Fähigkeit, die Welt zu zerstören, bedeutet auch, dass wir sie retten können.

Meinung von Emily Schuhmann

Vorweg: Ich finde die Idee absolut großartig. Leider ist das Spiel für mich einfach nicht wirklich reizvoll. Zwar arbeite ich eigentlich gern mit anderen Menschen zusammen, aber in Eco bin ich vollkommen abhängig von meinen Mitspielern. Will ein Server Erfolg haben, müssen alle an einem Strang ziehen und das bedeutet auch Berufe auszuüben, auf die man vielleicht gar keine Lust hat. Ein Großteil der Bevölkerung muss sich beispielsweise auf Nahrungsbeschaffung konzentrieren, um den Rest so effektiv arbeiten zu lassen, dass die Gemeinschaft am Ende den Kampf gegen den Meteoriten gewinnt.

Gerade für ein "Early Access"-Spiel läuft Eco sehr gut, aber Performance ist nun mal nicht alles. Das Sammeln von Ressourcen ist für mich zu zeitaufwändig, um wie in Minecraft ein Traumhaus zu bauen, und die Mechaniken haben für meinen Geschmack noch zu wenig Tiefgang, als dass ich das Spiel als Simulation genießen könnte.

Das Konzept ist ein unglaublich interessant, aber in meinen Augen ist Eco eher eine Erfahrung als ein spaßiges Spiel. Aus diesem Grund mache ich mir auch ein wenig Sorgen, wie es sich entwickelt, wenn der anfängliche Hype abklingt. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Eco ein wirklich faszinierendes Projekt für Schulen oder sogar Universitäten sein könnte. 30 Tage lang eine ganz eigene, virtuelle Welt erschaffen und gleichzeitig beobachten, wie sich unser Handeln auf den Planeten auswirkt, das klingt nach etwas mit Potenzial.

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Tags: Multiplayer  

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