Vorschau Frostpunk: Schwere Entscheidungen auf dünnem Eis

von René Wiesenthal (12. März 2018)

Ein frischer Wind weht durch das Aufbaustrategie-Genre. Ein wirklich sehr, sehr frischer. Frostpunk macht euch zum Herrscher über eine Stadt in der Kälte des Polarkreises, inmitten eines riesigen Kraters. Warum das nicht nur ein originelles Setting ist, sondern auch spielerische Innovation bringt, durften wir bei einem Anspieltermin erfahren.

Frostpunk entspringt den Köpfen der 11 bit studios, die sich zuvor mit den Indie-Hits This War of Mine und This War of Mine – The Little Ones einen Namen gemacht haben. Jetzt wechselt das Team das Genre. Wart ihr in This War of Mine noch hauptsächlich für euch selbst und eine kleinere Gruppe Überlebender in einem Bürgerkrieg verantwortlich, habt ihr nun die Leben einer großen Gruppe von Siedlern in eurer Hand. Die setzen ihre Hoffnung in euch, ihren Anführer, sofern ihr ihnen einen Grund dazu gebt.

Mit wachsender Verantwortung kommt auch eine neue Perspektive. Frostpunk ist ein Aufbauspiel und lässt euch, wie es für solche üblich ist, aus der Luft auf das Geschehen blicken. Aus der Vogelperspektive lenkt und verwaltet ihr das Treiben in einem größeren Rahmen, eure Handlungen bekommen eine besondere Tragweite: Ihr sollt nicht weniger als die letzte Stadt der Welt errichten. Ein schweres Los.

Im stimmungsvollen Trailer seht ihr, wie hart es in Frostpunk zugehen kann

In Frostpunk habt ihr das Schicksal einer Gruppe von Menschen in der Hand, die aus England nach Norden geflüchtet sind, ins Ewige Eis. Dort gibt es Gerüchten zufolge eine Wärmequelle, nach der ihr auf der Suche seid, um eure Stadt in ihrer Nähe zu errichten. Weitere Hintergründe zur Reise ins Eis haben uns 11 bit noch nicht verraten, sie versprechen aber, das Szenario durch eine spannende Handlung zu erklären. Die Entscheidung, das Spiel im Steampunk-Look darzustellen solle dabei auch nicht Selbstzweck sein, um diesen Kunststil zu bedienen. Wärme, Dampf und die dazugehörigen Maschinen hätten eine große Bedeutung in der Geschichte und für den Spielfortschritt. Das zeigte sich uns schon an einzelnen Beispielen zu Anfang der Kampagne.

Warme Gedanken kreisen lassen

Nachdem ihr die Wärmequelle in einem Krater gefunden habt, beginnt ihr, diese mit einem Generator anzuzapfen. Sie bildet von da an das Zentrum eurer Siedlung. Durch die erzeugte Wärme ist der lebensfreundliche Bereich rund um den Generator erst einmal stark begrenzt. So beginnt ihr, erste Gebäude in seiner Nähe zu errichten, beispielsweise einfache Behausungen. Diese erbaut ihr kreisförmig rund um die Wärmequelle. Breitet sich der mit Energie versorgte Bereich weiter aus, bildet ihr neue Ringe um die alten herum, bis eure Siedlung zu einer Stadt erwächst.

Wie der Stamm eines Baumes: In Ringform baut ihr eure Stadt um die Wärmequelle herum.Wie der Stamm eines Baumes: In Ringform baut ihr eure Stadt um die Wärmequelle herum.

Mit der Zeit erreicht ihr Meilensteine, die die Geschichte vorantreiben sollen. So konnten wir beim Termin beispielsweise Zeuge werden, wie der erste Spähballon von der warmen Luft in die Höhe befördert wird. Sobald ihr damit über die Wände eures Kraters hinausblicken könnt, beginnt ihr auch, Siedler auf die gefährliche Reise ins Eis zu schicken. Auf ihren Touren können sie weiteren Überlebenden begegnen, aber auch hungrigen Tieren.

Auf der Übersichtskarte wählt ihr Erkundungsrouten aus.Auf der Übersichtskarte wählt ihr Erkundungsrouten aus.

Was für ein Anführer wollt ihr sein?

Besonders interessant ist die Freiheit bei der Errichtung einer Gesellschaft in eurer Stadt. Die Entwickler betonen, dass ihr euch nicht damit beschäftigen müsst, das Schicksal jedes einzelnen Bürgers zu entscheiden und somit auch keine einzelnen Einheiten von A nach B ordern zu müssen. Stattdessen trefft ihr große, allgemeingültige Entscheidungen, indem ihr beispielsweise Gesetze etabliert, die dann im entscheidenden Moment Anwendung finden.

Zu Beginn könnt ihr etwa entscheiden, ob ihr Kinderarbeit legalisieren möchtet, um die Produktivität eurer Siedler zu erhöhen. Das klingt aus praktischer Sicht erst einmal sinnvoll, ist aber moralisch äußert fragwürdig. Dementsprechend steigt und fällt die Unzufriedenheit eurer Bürger mit euren Entscheidungen und ausgerufenen Gesetzen. Gleichzeitig gibt es eine Anzeige für die Hoffnung der Menschen, auf die ihr ebenfalls Einfluss habt.

Wollt ihr zufriedene und hoffnungsvolle Bürger? Eure Entscheidungen haben weitreichende Folgen.Wollt ihr zufriedene und hoffnungsvolle Bürger? Eure Entscheidungen haben weitreichende Folgen.

Dabei schließt sich nicht aus, beides in die Höhe zu treiben. Am Ende soll euch freistehen, auf welche Art ihr spielt und wie ihr die Geschichte beendet. Wie viele Siedler ihr am Ende durchbringen, hängt komplett von euren Handlungen ab. Seid ihr völlig unachtsam, sterben euch gar alle weg. Ob ihr aber ein liberaler und gutmütiger Herrscher seid, oder lieber ein erbarmungsloser Tyrann, der Menschen für kleinere Verbrechen öffentlich hinrichten lässt, steht euch frei. Beides kann zum Ziel führen.

Schöne Aussicht

Auch wenn ihr genretypisch die meiste Zeit nicht besonders nah am Geschehen seid, schmeichelt Frostpunk euren Augen. Die viktorianische Architektur, mitsamt ihrer durch Dampf angetriebenen mechanischen Bauteile, sieht eindrucksvoll aus. Besonders, wenn sie sich Stück für Stück auf den kahlen, schneebedeckten Arealen eures Kraters ausbreitet. Was damit anfängt, dass einzelne Siedler in dicker Winterkleidung Schneisen durch den mannshohen Schnee ziehen, erwächst nach und nach zu einem industriellen Monstrum.

Das sieht schon zu Beginn des Spiels wirklich toll aus, besonders durch den hohen Detailgrad, der sich auch in kleineren Animationen wiederfindet. Beispielsweise können Wege, die eure Siedler durch den Schnee geebnet haben, durch Wind und Wetter wieder zuschneien. Bricht eine Kältewelle herein, friert der Bildschirmrand langsam zu. Wenn es windstill und kalt ist, bewegen sich die Flocken in realistischen Bahnen auf dem Weg nach unten. Das alles greift gekonnt mit den Spielmechaniken ineinander und sorgt für die passende Stimmung.

Meinung von René Wiesenthal

Das Team der 11 bit studios zeigt ein weiteres Mal sein Talent für cleveres Spieldesign. Sie verstehen es einfach richtig gut, eine tolle Idee nicht nur audiovisuell ansprechend, sondern auch spielerisch durchdacht umzusetzen. Das "Schnee und Eis"-Szenario mit Steampunk-Einschlag scheint nicht bloß eine hübsche, neue Kulisse zu sein, sondern geschickt mit den Mechaniken des Spiels Hand in Hand zu gehen.

Was wir noch nicht beurteilen können ist, ob die Geschichte wirklich motivierend ausfällt und die Entstehung vom Stadtstaat und seiner Gesellschaft so organisch und individuell abläuft, wie es bisher klingt. Es wäre schade, wenn sich dieses zentrale Element am Ende darauf beschränkt, dass mit einigen Mausklicks einer von zwei oder drei verschiedenen, vorgegebenen Spielabläufen losgetreten wird.

Aber selbst wenn dem so sein sollte, wird Frostpunk sicher ein spielerisch fesselndes Erlebnis, das möglicherweise sogar – wie schon This War of Mine – politische Diskussionen anregen kann. Individuelle Freiheiten oder das Wohl aller? Ihr entscheidet - voraussichtlich ab 24. April 2018 auf dem PC.

Tags: Steam   Science-Fiction  

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