Seltsamer Gamer-Fetisch: Ich kann nicht aufhören, Dinge umher zu schmeißen

(Kolumne)

von René Wiesenthal (12. März 2018)

NPCs dieser Welt, schraubt eure Einrichtung fest! Ich habe eine Vorliebe, die ich nicht kontrollieren kann. Wenn ich komme, schmeiß' ich Dinge umher.

Physik! Im echten Leben kann sie euch schnell zum Verhängnis werden. Wenn euch ein Piano auf den Kopf fällt, ist das kein Spaß. In Fallout 4 mit Haushaltsgegenständen nach Überlebenden der nuklearen Apokalypse zu schmeißen, dagegen schon. Für manche Gamer mag die Physik in Spielen nebensächlich sein, ihre Wirkung beiläufig eintreten. Für mich ist sie eine große Lust geworden: Ja, ich schmeiße Dinge in Videospielen umher.

Zum Beispiel als Morgan Yu in Prey. Ich weiß zu Beginn des Spiels, dass ich ein Wissenschaftler in einer hoch technologisierten Zukunft bin. Ich lasse Experimente an mir durchführen, etwas an mir testen, das der Menschheit einen riesigen Entwicklungssprung bescheren könnte. Mein Bruder klingelt mich aus dem Schlaf, damit ich zu den Tests komme. Ich stehe also auf und schmeiße eine Lampe gegen das Fenster. Dann nehme ich eine Weinflasche und schmeiße sie ins Bad. Familienbilder, Monitore, Fernbedienungen … ich komme erst meinen täglichen Pflichten nach, wenn alles am Boden liegt.

Der Anfang von Prey ist eigentlich ziemlich beeindruckend. So könnte er ohne Geschmeiße aussehen:

Aber warum eigentlich? Vor allem, weil es nicht die Regel ist, dass Spiele mich mit einer realitätsnahen Physik herumkaspern lassen. Mit der Schwerkraft, mit Widerstand und mit beschleunigter Masse. Sobald ich merke, dass die physikalischen Gesetze im Spiel sich auf Gegenstände in meiner Umgebung auswirken, kann ich nicht anders. Ich muss herausfinden, was ich schmeißen kann, ob es kaputt geht und wie meine Umwelt darauf reagiert. Zerbricht die Vase, wenn sie den Boden trifft? Zerbricht der Kopf vom NPC, wenn er auf die Vase trifft? Ich muss das wissen. Es ist eine Sucht.

Der Herr gibt es, ich schmeiß' es umher

Wenn der Entwicklergott nicht gewollt hätte, dass ich Dinge umherschmeiße, hätte er die Dinge nicht schmeißbar gemacht, oder? Die Keramik der Bewohner von Hyrule fällt doch nicht umsonst aus den Regalen, wenn Link dagegen kracht. Ich sage: Sie fallen, also sind sie zum Fallen da. Und wenn ich dann auch noch eine wütende Reaktion bei einem Einwohner von Wolkenhort provozieren kann, wenn ich ihm einen Topf gegen die Stirn schmeiße, schlägt mein Herz ein bisschen höher.

Ich mache aber nicht immer etwas oder jemanden kaputt, sondern schmeiße Dinge auch einfach mal dorthin, wo sie nicht hingehören. Ich schmeiße Vault-Bewohnern zum Beispiel Eimer über ihre Köpfe oder tote Maulwurfsratten in deren Buffet. Wer will mich aufhalten? In meiner Welt schmeiße ich! Den Vault-Bewohnern geht mein unflätiges Verhalten ohnehin am Allerwertesten vorbei. Also sitze ich da vor dem Bildschirm, lache, und frage mich was mit mir nicht stimmt.

Sieht doch ganz schmissig aus, oder?Sieht doch ganz schmissig aus, oder?

Manchmal ist es wie bei einem Fress-Flash. Ich starte ein Spiel, habe großen Appetit auf Schmeißen und merke frühzeitig, dass nahezu alles in der Umgebung geschmissen werden kann. Dann setzt es für eine Zeit bei mir aus. Ich komme zu mir, der erste Quest-Geber im Spiel steht mir steif gegenüber und starrt mich mit einer Mischung aus Mitleid und Enttäuschung an, während ich in den Scherben der Spielwelt stehe. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was ein Spiel wie Red Faction - Guerilla bei mir auslöste. Ich schmiss was das Spiel zu schmeißen hergab. Schmiss Haus nach Haus um, als wäre ich der Wolf, der darin nach den drei kleinen Schweinchen sucht.

"Morgan, reiß' dich zusammen!""Morgan, reiß' dich zusammen!"

Hin und wieder ist das Schmeißen auch ein symbolischer Akt. Wie zum Beispiel in Dishonored – Die Maske des Zorns. Spoiler! Nachdem ich den Lordregenten zur Strecke gebracht hatte, trug ich ihn zur äußersten Kante seines Elfenbeinturmes und schmiss ihn Hunderte von Metern herunter auf den Vorplatz. Geplant eigentlich seinen Untertanen vor die Füße, aber er fiel in den Wassergraben und wurde von Piranhas weggeknabbert. Spoiler Ende. Mit diesem Wurf unterstrich ich meinen Triumph über ihn und entwürdigte den Schurken. Große Geste.

Und so schmeiße ich mich durch die Videospieluniversen dieser Welt. Immer auf der Suche nach dem nächsten losen Gegenstand. Vertrödele wertvolle Zeit, in der ich auch im Spiel vorankommen könnte. Aber hey, ich habe Spaß daran, warum also nicht? Und sollte ich mal einen beweglichen Gegenstand übersehen haben: Wenn’s noch nicht geworfen ist, dann werfe ich’s noch heute.

Spielt ihr auch so gern mit der Physik herum? In den "Elder Scrolls"-Spielen zum Beispiel gibt es da ja die lustigsten Möglichkeiten und sogar beeindruckende Trick-Shots auf YouTube. Erzählt uns eure spaßigsten Schmeißerfahrungen in den Kommentaren!

Tags: Fun  

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