Mal unter uns: DLCs können Spiele kaputt machen

(Kolumne)

von René Wiesenthal (13. März 2018)

DLCs sind nicht immer einfach nur nette optionale Erweiterungen. Manchmal können sie mir die Freude an einem liebgewonnenen Spiel trüben. Und das gelegentlich sogar schon, bevor ich sie überhaupt installiert habe!

Als Publisher anfingen, DLCs zu veröffentlichen, war ich irritiert. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen: Kostenpflichtige Erweiterungen meines doch eigentlich fertigen Spiels. Erst dachte ich, es handele sich um "kleinere Fortsetzungen". Sie hatten auch vergleichsweise geringe Preise, wobei ich nicht sicher sein konnte, ob die gerechtfertigt waren. Neue Outfits leuchteten mir noch ein, auch wenn ich dafür nie Geld bezahlen würde. Aber neue Kapitel der Geschichte? Neue Kampagnen mit neuen Figuren?

In dieser Reihe geht es manchmal etwas kontrovers, dafür aber immer hochgradig subjektiv zur Sache: Wir präsentieren euch unbequeme und unpopuläre Meinungen, die einfach echt mal raus mussten. Denn: Super Mario ist gar nicht so genial wie alle tun, Flappy Bird macht irgendwie echt Laune und wer nur FIFA spielt, ist kein echter Zocker. Also mal unter uns: "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!"

Viel Spaß damit und bitte nicht vergessen: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Ich war vor allem verwirrt, weil ich mich fragte, wie das ins Hauptspiel passen sollte. Ob ich dafür den Endgegner besiegt haben musste und es danach mit dem DLC weiterging. Oder ob ich selbst herausfinden musste, wo in der Spielwelt ich nach dem zusätzlichen Inhalt suchen sollte. Um der Verwirrung entgegen zu wirken, kaufte ich mir also einfach mal einen für Lost Odyssey. Das machte mir Spaß und ich wollte gern noch mehr Zeit damit verbringen.

Auch Nintendo ist mittlerweile auf den DLC-Zug gesprungen

Die Erweiterung war ein Dungeon, der plötzlich im Meer auftauchte. Eine Einrichtung, die aus vielen immer schwerer werdenden Etagen bestand, die weit unters Meer führten, zu einem ganz neuen, besonders starken Bossgegner. Beim Start des Spiels wurde ich drauf hingewiesen, dass der jetzt da ist. Das war alles nicht aufregend oder schlimm, kostete nur wenige Euro und ließ mich noch ein bisschen länger leveln, ehe ich zum Finale des Spiels weiterzog. Aber etwas seltsam war das schon: In anderen Rollenspielen, beispielsweise Final Fantasy X und Tales of Symphonia, gab es diese ultraschweren Zusatz-Dungeons standardmäßig. Ich musste sie nur finden. Jetzt hatte ich mir so ein Ding für ein paar Euro einfach dazugekauft.

Über manche DLCs kann Tidus nur lachen. Im Bild: Final Fantasy XÜber manche DLCs kann Tidus nur lachen. Im Bild: Final Fantasy X

Die Veräußerung der Welt

So wie die DLCs zur Mode und damit auch umfangreicher wurden, wuchs meine Verwirrung. Für Mass Effect gab es für kleines Geld ein paar neue Missionen und Sternensysteme zu erwerben. Mit jedem Teil wurden es mehr DLCs, die Preise zogen an und die Menge der Inhalte, die mir verwehrt blieb, wenn ich sie nicht kaufte, wurde immer größer. Als es für Mass Effect 3 schließlich zahlreiche neue Orte, Begleiter und Missionen zuzukaufen gab, fühlte ich mich irgendwie betrogen. Und ich meine nicht "Wenn ihr das Ende von Asura's Wrath sehen wollt, müsst ihr es freikaufen"-betrogen. Alles Finanzielle und die Abzocke hinter mancher DLC-Strategie beiseite: Ich fühlte und fühle mich bis heute in meiner Spielerfahrung betrogen.

Welches Spiel ist "das richtige"?

Ich begann zu begreifen, dass DLCs ein Problem für mich sein können. Die Frage danach, was ich spiele, wenn ich keine DLCs kaufe, verankerte sich. Etwa nur einen Teil des vollständigen Spiels? Und was, wenn ich alle DLCs habe, ist das dann das volle Spiel, ein neues Spiel oder eine alternative Version des gleichen Spiels? Und welche Variante, welche Kombination aus Hauptspiel und zusätzlichen Downloads ist die optimale für mich?

"Episode Prompto" von Final Fantasy 15 kam nicht so gut weg bei Kritikern."Episode Prompto" von Final Fantasy 15 kam nicht so gut weg bei Kritikern.

Wenn ein DLC eine ebenso gute Wertung von der Presse bekommt, wie das Hauptspiel, habe ich doch eigentlich etwas vom Spaß eines Spieles verpasst, das ich zum Vollpreis gekauft habe und von dem ich mir eine vollwertige Erfahrung erhoffte. Und wenn die DLCs in der Presse schlechter wegkommen als das Hauptspiel, ist die vollständige Erfahrung ja eigentlich schlechter, als der "Teil", den ich erlebt habe. Zum Verrücktwerden.

Meiner Meinung nach sollten Spiele für sich stehen können, wenn sie auf den Markt kommen. Es ist schon unangenehm genug, heutzutage manchmal auf riesige Patches warten zu müssen, damit Vollpreisspiele überhaupt vernünftig spielbar sind. Mir geht es dabei auch tatsächlich nicht vorrangig um den finanziellen Aspekt, ich möchte einfach eine vollwertige, in sich geschlossene und vor allem abgeschlossene Erfahrung haben können, wenn ich mir ein Spiel gekauft habe. Und nicht, dass ich mir das Erlebnis baukastenartig zusammenstellen kann, je nachdem wie viele DLCs ich zukaufe.

Weiter mit: Grausige DLCs: The Legend of Zelda & Final Fantasy 15

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Tags: Mal unter uns  

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