Gar nicht scharf: Drei Grafik-Trends die heute niemand mehr sehen will

(Special)

von Matthias Kreienbrink (14. März 2018)

Es gibt Trends, die kommen und gehen. Erinnert ihr euch etwa noch an Cel-Shading in all seinen Ausführungen? Oder an den Retro-Look, der besonders in der Indie-Szene virulent war und immer noch ist? Viele mögen diese Trends, besonders, weil sie in verschiedenen Varianten auftreten. Wir möchten hier jedoch einen Blick auf drei Grafik-Gimmicks werfen, die kaum jemandem noch Freude bereiten.

Bloom

Kommt vor in: GTA 4, Ico, Burnout Revenge, Fable 2, Uncharted und weiteren

Bei diesem Effekt könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Bildschirm mit Vaseline eingeschmiert wurde. Eigentlich soll Bloom vortäuschen, dass die Kamera in einem Videospiel eine echte Kamera ist. Wenn Licht in die Linse fällt, soll der Effekt einen Eindruck erwecken, dass die Kamera dieses Licht nicht fassen kann und es daher an den Rändern in das Bild fließt. Es gibt dann also keine scharfen Ränder mehr.

Syndicate (2012) hat es mit Bloom vielleicht etwas übertriebenSyndicate (2012) hat es mit Bloom vielleicht etwas übertrieben

Doch leider haben einige Entwickler es mit diesem Effekt ein wenig übertrieben. Anstatt ihn gezielt einzusetzen, war das Bild einfach immer nebelig. Besonders zu Zeiten der PlayStation 3 und Xbox 360 wurde Bloom in viel zu vielen Spielen eingesetzt. Eines der ersten war jedoch Ico, das noch für die PlayStation 2 erschienen ist.

Fable 2 ist ein Paradebeispiel für Bloom

Bei aktuellen Spielen ist Bloom zum Glück kaum noch zu finden. Das ist auch nachvollziehbar. Besonders in 4K und mit HDR setzen Videospiele vor allem auf knackige Schärfe. Da hilft Vaseline auf der Linse nicht weiter. Vielmehr wurde Bloom in der vergangenen Konsolen-Generation gerade deshalb so inflationär eingesetzt, weil damit auch geschickt grafische Unzulänglichkeiten kaschiert werden konnten.

Chromatic Abberation

Kommt vor in: Bloodborne, Alien - Isolation, Resident Evil 7, Doom, The Witcher 3 und weiteren

Dieser Grafik-Effekt geht richtig vielen Spielern auf die Nerven. Denn er ist auch ziemlich unsinnig. Chromatic Abberation tritt bei alten Kameras auf. Jene, die Farben nicht korrekt auf einen bestimmten Punkt fokussieren können. Dadurch passiert es, dass die Farben an den Rändern von Objekten verschwimmen, in den Farben Rot/Grün/Blau.

Hättet ihr eine solche Kamera, ihr würdet sie höchstwahrscheinlich entsorgen. Videospielentwickler jedoch haben irgendwann entschlossen, diesen Effekt in jedes zweite Spiel zu packen. Damit sollte wahrscheinlich eine "grafische Authentizität" vorgegaukelt werden. Wenn Videospiele aussehen wie mit einer alten Kamera aufgenommen, dann sollten sie wohl glaubhafter aussehen. Fotorealistisch. Nur sind Videospiele eben keine Fotografien. Dieser Grafik-Trend wird noch heute regelmäßig benutzt.

Wenn ihr genau hinseht, werdet ihr in Alien - Isolation viel Chromatic Abberation finden

Doch viele Spieler sind von Chromatic Abberation wirklich gar nicht beeindruckt. In Foren wird sich darüber ausgelassen, dass dieser Effekt schmerzhaft für die Augen sei. Dass er zudem eine Distanz zwischen dem Spiel und den Spielern herstellen würde, da ein Videospiel nunmal etwas anderes sei als eine Fotografie oder ein Film. Höchstwahrscheinlich wird auch Chromatic Abberation irgendwann von den Bildschirmen verschwinden. Bis dahin müssen Zweifler lernen, diesen Effekt zu ignorieren.

Lens Flare

Kommt vor in: So gut wie jedem Rennspiel und First-Person-Shooter. Und auch sonst sehr häufig.

Ein Trend, der von Filmemachern wie J.J. Abrahams - kein "Star Trek"-Film ohne - auf Videospiele übergegangen ist: Lens Flares. Ihr kennt sie sicherlich alle. Dabei handelt es sich um Reflexionen von Licht an einer Kamera-Linse.

Tatsächlich kann dieser Effekt auch in einem Videospiel sinnvoll sein. Etwa dann, wenn den Spielern signalisiert werden soll, dass sie gerade in ein sehr helles Licht blicken. Fernseher oder Bildschirme können nur eine bestimmte Helligkeit ausgeben, sodass ein Lens Flare zeigen kann, dass ihr gerade geblendet werdet.

Jedoch taucht diese Reflexion inzwischen in kaum einem Spiel nicht auf. Und nur selten sind es wirklich helle Lichtquellen, von denen Lens Flares ausgehen. Vielmehr produziert in vielen Videospielen jede noch so kleine Funzel ein Lens Flare. Dieser Effekt wird so inflationär eingesetzt, dass er jegliche Symbolwirkung verloren hat.

Killzone - Shadow Fall: In Sekunde 25 werden euch die Lens Flares sofort auffallen

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass viele Effekte in ein Videospiele eingebaut werden, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei dem Bild um eine Kameraaufnahme handelt. Nur ist das nicht so. Videospiele kommen komplett ohne physische Kameras aus. Bloom, Chromatic Abberation, Lens Flare, sie alle sollen Videospiele näher an den Film bringen. Negieren damit also das Alleinstellungsmerkmal dieses Mediums.

Vielleicht hängen sie auch deshalb vielen Spielern inzwischen zum Halse heraus. Es bleibt zu hoffen, dass Entwickler zukünftig mehr Effekte entwickeln, die nicht Filme nachäffen. Denn im Spiel steuert nunmal ihr die Kamera. Und die ist virtuell.

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