Videospielsucht: Das solltet ihr wissen

(Special)

von René Wiesenthal (20. März 2018)

Kann Videospielen süchtig machen? Ja, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Und so zeichnet sich ab, dass Ärzte in Deutschland künftig die "Gaming Disorder" anerkennen müssen. Wir sagen euch, was genau eine Videospielsucht sein soll und was die offizielle Einstufung als Krankheit bedeuten würde.

Im Laufe dieses Jahres soll die mittlerweile elfte Version des so genannten ICD herausgegeben werden. Hinter diesem Buchstabenkürzel steckt ein System an Codes zur möglichst genauen Einordnung von Erkrankungen für Mediziner. Es dient unter anderem als Leitfaden zum Erstellen von Diagnosen, die wiederum für angemessene Behandlungen notwendig sind, auch bei mentalen Krankheiten.

Warum das interessant für euch sein könnte? In der kommenden Auflage, dem ICD-11, soll laut aktuellem Stand der Dinge ein neuer Krankheits-Code Einzug in das System halten, unter dem die "Gaming Disorder" katalogisiert ist. Im Deutschen ist diese weitläufig bekannt als Videospielsucht.

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Was ist das ICD?

Ihr könnt euch das ICD als ausführliches Verzeichnis aller bekannten und anerkannten Krankheiten und gesundheitlicher Folgebeschwerden vorstellen. Wenn ein Patient eindeutige Symptome aufweist, wird ihm dann eine dazu passende Diagnose gestellt, die in dem Verzeichnis aufgeführt ist. Die für das deutsche Gesundheitswesen modifizierte Version des Systems ist gesetzlich verpflichtend. Codierungen gemäß ICD sind also ein Standard für zugelassene Ärzte in Deutschland.

Erstellt wird es von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen, der WHO. Und die übt sich derzeit in Transparenz, lässt also in die vorläufige Version des geplanten Krankheitsregisters öffentlich einsehen, sammelt Feedback und justiert nach. In diesem vorläufigen Entwurf der kommenden Revision des ICD lässt sich nachlesen, was genau es mit der Videospielsucht auf sich hat.

Zum Stand der Recherche des vorläufigen Verzeichnisses ist die "Gaming Disorder" unter dem Punkt der mentalen, verhaltensbezogenen oder neurologischen Entwicklungsstörungen aufgeführt, dort wiederum genauer klassifiziert als Störung infolge Suchtverhaltens. Sie teilt sich dort ihren Platz mit der Glücksspielsucht. Wie genau wird sie definiert?

Die Symptome der Videospielsucht

Zum einen legt das vorläufige ICD-11 fest, dass es sich bei Videospielsucht um ein bestimmtes Verhalten handelt, das im Zusammenhang mit digitalen Spielen auftritt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Online- oder Offline-Spiele handelt. Das Verhalten muss folgende Merkmale aufweisen:

  • 1.: Der Verlust über die Kontrolle des Spielverhaltens. Dabei bezieht sich das ICD unter anderem auf die Häufigkeit, die Intensität und Dauer sowie die Situationen, in denen gespielt wird.

  • 2.: Die Verlagerung der Prioritäten im Leben hin zu Videospielen. Diese Bedingung wird nach vorläufigem ICD-11 erfüllt, wenn andere Interessen im Leben und tägliche Aktivitäten zunehmend hinter dem Spielen zurückgestellt werden.

  • 3.: Das Weiterspielen oder Steigern des Videospielkonsums trotz des Eintretens negativer Konsequenzen. Damit verbunden sind starke Beeinträchtigungen des sozialen Lebens sowie des Berufs- und Bildungsweges durch den Videospielkonsum.

Das beschriebene Verhalten muss für die Einstufung als krankhaft andauernd oder regelmäßig wiederkehrend sein, kann also auch immer wieder eintretende Phasen betreffen. Im Regelfall setzt die WHO eine Dauer von mindestens einem Jahr des schadhaften Verhaltens fest, bevor eine Diagnose erstellt werden könne. Damit grenzt das ICD die "Gaming Disorder" auch vom so genannten "Hazardous Gaming" ab, was im Grunde eine ähnliche Problematik ohne andauernde Regelmäßigkeit beschreibt. Jedoch ist angemerkt, dass bei Zusammenkommen aller Bedingungen und bereits eingetretenen schweren Folgen schon vorzeitig eine Diagnose gestellt werden könne.

Hier zeigt sich womöglich schon eine Problematik in der trennscharfen Eingrenzung der Krankheit nach aktuellem Stand.

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Tags: Multiplayer   Singleplayer   Politik  

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