PlayStation Vita: Lebe wohl, kleiner Freund ...

(Special)

von Micky Auer (17. März 2018)

Der Lebenszyklus der PlayStation Vita neigt sich dem Ende zu. Mal wieder. Oder doch nicht? Es ist ein komplizierter Tod, den Sonys Handheld da langsam stirbt. Doch jetzt wurde ein Stecker gezogen.

Totgesagte leben bekanntlich länger. Doch die Zeit holt uns alle ein. So ist auch der Lebenszyklus von Konsolen ein relativ kurzer. Sonys PlayStation Vita zum Beispiel wandelt seit Dezember 2011 auf dem japanischen Markt, ab Februar 2012 auch in Europa und den USA. Das sind gerade mal sechs Jahre, was für eine Konsole dann doch etwas kurz anmutet. (Zumindest aber länger als der direkte und glücklose Vorgänger PSP Go.)

Immer und immer wieder hat Publisher Sony bestätigt und beteuert, dass die PS Vita nicht tot sei, dass sie noch unterstützt werden würde. Dass auch weiterhin neue Spiele und Dienste dafür angeboten werden. Solche Nachrichten werden natürlich publikumswirksam laut und deutlich kundgetan. Wenn jedoch ein symbolischer Stecker gezogen wird, ist das oft nicht ganz so deutlich.

Während der kostenpflichtige Service PlayStation Plus für PS4 nach wie vor am Start ist, hat Sony bekanntgegeben, dass in Zukunft die Unterstützung für PlayStation 3 und PS Vita aus dem Angebot entfernt wird. Die Instant Game Collection, die auf der PlayStation 3 ihren Anfang genommen hat, soll ab dem 8. März 2019 nur noch für die PlayStation 4 zur Verfügung stehen. Spiele für die PlayStation 3 und PlayStation Vita wird es somit danach nicht mehr geben.

Bis dahin vergeht noch fast ein ganzes Jahr. Und klar: Irgendwann muss ein Produkt, das nichts mehr bringt, auch eingestellt werden. Das betrifft klarerweise alle Konsolen. Aber bei Licht betrachtet war es tatsächlich der Dienst PlayStation Plus, der die Vita schon eine ganze Weile künstlich am Leben erhalten hat. Ganz egal, wie sehr Sony beteuert, dass das Gerät noch Unterstützung erhalten würde.

Es gab sehr schöne Zeiten

Es fing so gut an. Die PlayStation Vita sollte quasi die tragbare Variante einer PlayStation 3 sein. Brillantes Display, noch nie gesehene Grafikqualität im Handheld-Bereich, keine UMDs mehr als Speichermedium, sondern Flash-Karten. Die Zukunft des Handheld-Gaming hatte mit der Vita ein Gesicht und sollte die Brücke zwischen Unterhaltungselektronik und Lifestyle schlagen. Ein Weg, den Sony mit der Marke PlayStation schon seit jeher immer wieder beschritt.

Uncharted - The Golden Abyss:

Und so fanden auch schnell ganz große Namen ihren Weg auf die neue Hardware. Sony selbst sorgte mit Unterstützung von Entwickler Naughty Dog mit Uncharted - The Golden Abyss dafür, dass eine der stärksten Marken aus dem eigenen Haus exklusiv auf die Vita kam. Ubisoft steuerte mit Rayman und Assassin's Creed zwei Erfolgsgaranten bei, Minecraft - das letzten Endes zum erfolgreichsten Spiel auf der Vita wurde - ließ auch nicht lange auf sich warten.

Die Zukunft sah rosig aus, zumal gerade zu Beginn wirklich hochwertige Spielekost erschien. Die Weichen schienen gestellt zu sein, die Hardware machte auch eine gute Figur und konnte in vielerlei Hinsicht überzeugen. Doch der Schwung aus der anfänglichen Aufbruchsstimmung konnte nicht lange mitgenommen werden. Es dauerte nicht lange, da ließ von allen Seiten das Interesse an der Vita nach. Gute und vor allem wirklich neue Spiele waren Mangelware. Entwickler überlegten sich zweimal, ob sie noch weiter in die Produktion von Vita-Spielen investieren wollten.

Denn letzten Endes sprachen die Verkaufszahlen eine recht deutliche Sprache. Mit 15,93 Millionen verkauften Einheiten weltweit seit dem Tag der Veröffentlichung hat die Vita in etwa den gleichen Stellenwert wie die Wii U. Und dass die für Nintendo ein Fehlschlag war, ist unumstritten. Zum Vergleich: Nintendo Switch hat mit 15,01 Millionen Abverkäufen in nur einem Jahr fast den gleichen Zahlenwert erreicht. (Quelle: VGChartz, Stand: 16. März 2018).

Lebenserhaltende Maßnahmen

Waren es die Preise der Spiele, die diesen schleichenden Verfall eingeleitet haben? Oder ist das Interesse einfach nie spürbar aufgeflammt, weder von Entwickler-, noch von Konsumentenseite? Oder lag es am Marketing? Es gibt so viele Gründe und jeder hat seine eigenen Theorien, warum die PS Vita nie so richtig durchgestartet ist und viel zu früh mit einem Bein im Grab stand.

Shuhei Yoshida, seines Zeichens Chef von Sony Interactive Entertainment Worldwide Studios selbst war es, der im Herbst 2015 verkündete, dass der Markt für Handheld-Konsolen nicht gesund sei und daher auch ein möglicher Nachfolger der PS Vita eher ausgeschlossen wäre. Nun, den nicht gesunden Handheld-Markt sieht vor allem Nintendo sicherlich ganz anders. Der Nintendo 3DS erzählt mit über 71 Millionen verkauften Exemplaren eine Erfolgsgeschichte, Nintendo Switch als Hybrid-Konsole erschließt selbst einen Teil dieses Marktes mit fortschreitendem Erfolg.

So werden natürlich auch Stimmen seitens der Konsumenten laut, die behaupten, Sony hätte den Niedergang der Konsole selbst herbeigeführt. Es mag vielleicht ein bisschen von alldem zutreffen, am Ergebnis ändert weder die eine noch die andere Theorie etwas.

In all der Zeit gab es über 100 Spiele ohne Zusatzkosten im Rahmen von PS Plus für die Vita. Spieler kehrten immer wieder zu dem Gerät zurück, und sei es nur für einen kleinen Blick in die Gratis-Angebote. Mit einer kaum pulsierenden Flatline lebte die Vita immer noch weiter am Rande der großen Geschehnisse in der Branche. Erst 2014, als Sony im Rahmen der gamescom die Vita mit keiner Silbe erwähnte, war wohl allen unterbewusst klar, dass das Ende gekommen war. Selbst wenn es nicht ausgesprochen wurde.

Kaum überraschend: Auch auf PS Vita wird Minecraft zum Hit. So spielt es sich:

Tatsächlich kam dann im September 2016 wieder ein deutliches Signal aus Japan, das darauf schließen ließ, Sony würde die Vita noch weiterhin unterstützen. Warum sonst sollte das Handheld in zwei neuen Farben auf den Markt kommen? Jetzt, im Frühjahr 2018, wird hingegen - wie oben erwähnt - ein Stecker gezogen.

Das gesamte Leben der PlayStation Vita ist ein ständiges Auf und Ab, ein Hoffen, ein Bangen, ein Resignieren, dann wieder ein Hoffen. Vielleicht sitzt ihr auch in drei Jahren da und lest einen ähnlichen Artikel, der euch vermittelt, dass das Ende der Vita nun tatsächlich gekommen sei. Oder es passiert doch schon viel früher? Oder gar später? Wir wissen es nicht.

Was ist eigentlich aus ... wie hieß sie doch gleich geworden?

Die PlayStation Vita ist ein gutes Stück Hardware, das in der Lage ist, hochwertigen Spielspaß umzusetzen und zu vermitteln. Dennoch hat sie nie den Spitzenplatz erreicht, der ihr in so vielerlei Hinsicht zugestanden hätte. Doch da sind wir schon wieder: Hätte, hätte, Fahradkette ...

Stylish: Persona 4 - The Golden gab es für Vorbesteller mit einem Skin und passenden Wallpapers.Stylish: Persona 4 - The Golden gab es für Vorbesteller mit einem Skin und passenden Wallpapers.

In so mancher sozialen Runde gibt es diese eine Person, die immer mit dabei ist. Bei Feiern, beim Ausgehen, beim Treffen in der Kneipe. Aber nicht jeder im Freundeskreis kennt ihren Namen, keiner weiß so recht, mit wem sie nun eigentlich direkt befreundet ist und wer sie eingeladen hat. Sie ist aber immer da und keiner stört sich daran. Ist immer freundlich, lächelt viel und man hat sich einfach an die Anwesenheit gewöhnt.

Erst wenn diese Person plötzlich weg ist, wird jemandem auffallen, dass da eine Lücke entstanden ist. So oder so ähnlich könnte das Gefühl beschrieben werden, das vielleicht entsteht, wenn die PlayStation Vita dann doch irgendwann gänzlich vom Markt verschwindet. Wie dieser eine Freund, dessen Gesicht man kennt, mit dem man sich aber nie so direkt auseinandergesetzt hat.

Und dann reminisziert man und stellt fest, dass neben vielen belanglosen Stunden in der großen Runde auch einige wirklich großartige Erlebnisse in einer privateren Umgebung stattgefunden haben. Dann gräbt man tiefer und findet heraus, dass es wirklich fast nur schöne Erinnerungen gibt. Die nicht so schönen sind dann doch zu belanglos als dass man sie im Gedächtnis behalten würde.

Ist dieser Prozess erstmal abgeschlossen, bleibt vielleicht noch die typische Frage, die aus dem Bedauern ensteht: "Warum habe ich eigentlich nicht mehr Zeit mit ... wie hieß sie doch gleich verbracht?" Die Antwort darauf mag für jeden anders ausfallen. Eine mögliche Variante wäre: "Wir hatten schon tolle Zeiten, aber es gab nicht genug davon." Die PS Vita mag irgendwann, vielleicht sogar schon recht bald, den Weg alles Vergänglichen gehen, aber vergessen werden sollte sie nie.

Tags: Hardware  

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