Vorschau Hunt - Showdown: Wenn die Jäger Jäger jagen

von Emily Schuhmann (21. März 2018)

Von der kooperativen Hetzjagd zum kompetitiven Nervenkitzel. Angekündigt, abgebrochen, neu aufgelegt und jetzt endlich veröffentlicht, wenn auch nur im Early Access. Das ist die bewegte Geschichte von Hunt – Showdown. Wir haben das Spiel für euch unter die Lupe genommen.

Crytek stand jahrelang für schicke "First Person"-Shooter und damit war das deutsche Studio sehr erfolgreich. Ryse - Son of Rome und das VR-Abenteuer Robinson - The Journey gingen andere Wege, und obwohl beide Spiele auf ihre Art gut sind, konnten sie die Massen nicht wirklich überzeugen. Aber da war doch noch etwas, oder? Gab es nicht eine Ankündigung eines kooperativen Shooters, in dem ihr Monstern und Dämonen den Garaus macht?

Eure Erinnerung trügt euch nicht. Hunt – Horrors of the Gilded Age wurde 2014 auf der E3 angekündigt. Verantwortlich dafür war das Studio Crytek US, das zum Großteil aus ehemaligen Darksiders-Entwicklern bestand. Finanzielle Probleme führten jedoch zur Schließung des Studios vor der Fertigstellung des ambitionierten Projekts. Statt das Spiel in der Versenkung verschwinden zu lassen, entschied sich Crytek zu einem Reboot. Die Idee der düsteren Monsterhatz blieb, aber die Mechaniken wurden an die Vorstellungen des Frankfurter Teams angepasst.

Crytek veränderte das Konzept des Spiels enorm, aber das hatte seine Gründe:

Hunt - Showdown, wie es jetzt heißt, trat am 22. Februar für viele überraschend in eine "Early Access"-Phase auf Steam ein. Das Spiel konnte sich schnell eine Spitzenplatzierung in den Steam-Charts sichern, aber die allgemeine Euphorie war nur von kurzer Dauer, und aktuell - nach knapp einem Monat Frühstart - stehen die Spieler der Jagd mit gemischten Gefühlen gegenüber.

Tot ist tot und bleibt tot

Sümpfe sind ein hervorragender Schauplatz für Horror-Games. Nicht umsonst kämpft ihr euch beispielsweise auch in Resident Evil 7 - Biohazard durch knietiefen Morast. Umgeben von Nebelschwaden und merkwürdigen Geräuschen hat jeder zweite Schatten das Zeug zum Monster, und in Hunt - Showdown stellen sich Dinge, die ihr nur aus dem Augenwinkel erhascht, oft tatsächlich als Zombie oder andere widerwärtige Kreatur heraus.

Die Schießereien mit den altertümlichen Waffen sind weniger präzise, aber genau das macht sie
interessant.Die Schießereien mit den altertümlichen Waffen sind weniger präzise, aber genau das macht sie interessant.

Im Louisiana des 19. Jahrhunderts war an Laser-Waffen oder schusssichere Westen aus Kevlar nicht zu denken, und so schultert ihr stattdessen klassische Revolver oder Schrottflinten, wenn ihr euch in das knapp ein Quadratkilometer große Sumpfgebiet mit sechzehn Schauplätzen wagt. Weitere Karten sollen im Laufe der Entwicklung folgen, aber noch müsst ihr mit viel Schlamm und Schilf vorlieb nehmen, wenn ihr euch auf eine der vier Kopfgeld-Missionen begebt.

Hunt - Showdown ist eine Mischung aus PvE und PvP. Übersetzt heißt das: Sowohl die Monster um euch herum, wie auch die anderen Jäger, wollen euch ans Leder. Partien bei Tageslicht sind da schon aufregend, aber wenn die Nacht über euch hereinbricht, könnt ihr euch auf einen richtigen Adrenalinrausch gefasst machen. Glücklicherweise seid ihr nicht auf euch allein gestellt, den die zehn Kopfgeldjäger agieren in Zweierteams.

Der Partner ist überlebensnotwendig im Kampf gegen Zombiehorden und andere üble Gesellen, die es auf euch abgesehen haben.Der Partner ist überlebensnotwendig im Kampf gegen Zombiehorden und andere üble Gesellen, die es auf euch abgesehen haben.

Ziel jeder Runde ist das Finden von Hinweisen zum Aufenthaltsort der Bosse, deren Ausschaltung und das anschließende Entkommen mit der Beute. Klingt simpel, doch sobald ihr eines der Obermonster besiegt habt, sehen euch eure Mitspieler auf der Karte und nun seid ihr die Gejagten. Und als wäre das nicht schon genug, bleibt euer Charakter samt seiner Ausrüstung tot. Euch bleibt nichts anderes übrig als einen neuen Jäger anzuheuern. Nur die Blutlinien-Talente bleiben euch erhalten.

Immer diese Technik

Zahlreiche Spieler sind vom Konzept der Monsterjagd angetan, aber stehen vor einem großen Problem: Die Technik. Server-Stabilität sieht wirklich anders aus. Vor allem anfangs gab es Abstürze über Abstürze. Aufgebrachte Käufer überschwemmten die Steam-Seite des Spiels mit negativen Bewertungen. Crytek arbeitet zwar an einer Problemlösung, aber nach wie vor kommt es zu Ausfällen. Besonders ärgerlich: Server-Neustarts werden zwar auf Steam angekündigt, aber nicht im Spiel. So könnt ihr mit etwas Pech eure Jäger verlieren.

Schafft ihr es dann doch mal ins Spiel, seid ihr immerhin schon mal einen Schritt weiter, aber noch nicht sicher. Die fiesen Bugs verstecken sich nämlich überall. Ein dauerhaft sichtbarer Mauszeiger ruiniert beispielsweise ein wenig die Immersion in einem Spiel, das eigentlich mit Atmosphäre punkten will. Fragezeichen statt Menüpunkten machen die Navigation im Hauptmenü auch eher kompliziert. Wollt ihr Spaß mit Hunt - Showdown haben, solltet ihr vor allem einen sehr guten Rechner mitbringen. Ein eingefrorener Bildschirm zum falschen Zeitpunkt kann euch schlimmstenfalls euren Charakter kosten.

Soll das wirklich so sein?

Die Jagd? Naja, eigentlich eher der Überfall. Wenn es mal läuft, macht das Spiel tatsächlich Laune, aber wie so oft gehen die Menschen natürlich den Weg des geringsten Widerstands. Statt sich auf die Schnitzeljagd zu begeben und den Boss zu suchen, campen viele Spieler nahe eines Kartenausgangs. Und die Entwickler haben in einem Videotagebuch sogar erklärt, dass es eine gewollte Mechanik ist, andere Jäger die Arbeit machen zu lassen. Ein Großteil der Spielerschaft ist davon allerdings überhaupt nicht angetan.

Dieses Video zeigt die Ur-Version von Hunt - Showdown. Damals noch ganz ohne Camper.

Bei all der negativen Kritik sollte eins nicht vergessen werden: Hunt – Showdown befindet sich im Early Access. Dieses Model hat sich für Indie-Spiele bewährt, die sich keine direkte Veröffentlichung leisten können. Crytek hat sich nach eigener Aussage für diesen Weg entschieden, um so eng mit der Community zusammenzuarbeiten wie möglich. Das Spiel soll sich mindestens zwölf Monate im Early Access befinden und die Entwickler haben schon jetzt einiges an Feedback umgesetzt, aber sie haben auch noch einiges vor sich.

Meinung von Emily Schuhmann

Teilweise dauerte die Entwicklung eines Spiels schon so lang, dass ich an einer tatsächlichen Veröffentlichung gezweifelt habe, und manchmal wird zwischendurch mal eben das gesamte Konzept über den Haufen geworfen. So auch bei Hunt - Showdown. Zugegebenermaßen hat mir die ursprüngliche kooperative Spielidee besser gefallen, aber nach einigen Runden war klar, dass auch diese Variante definitiv ihren Reiz hat.

In meiner ersten Runde durfte ich direkt mal Bekanntschaft mit den netten Menschen machen, die lieber andere die Arbeit machen lassen. Tatsächlich gelang es mir mit meinem Partner den ziemlich widerlichen Schlachter, ein Kerl mit Schweinekopf, kalt zu machen. Kurz bevor wir die Kutsche erreichten hatten wir plötzlich beide eine Kugel im Kopf und ein anderes Team machte sich mit unserer Beute aus dem Staub. Super.

Alle weiteren Partien verliefen jedoch ohne weitere Todesfälle. Gott sei Dank, denn der Permadeath haut wirklich rein. Es passt allerdings perfekt zu der gesamten, eher düsteren Atmosphäre. Ich finde das Spiel spannend und werde mich definitiv noch häufiger in die Sümpfe stürzen, aber Crytek hat noch wirklich einiges zu tun.

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Tags: Horror   Multiplayer  

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