Indie vs. AAA: Wie Slender das Horror-Genre für immer veränderte - Seite 2 (Special)

Indie-Horror wird salonfähig

Das Angebot an Horror-Games mit ähnlicher Devise, die also immer wieder aufs Neue gezockt werden können und genau wie das Vorbild Slender oft kostenlos oder zu erschwinglichem Preis im Netz zum Download stehen, explodierte plötzlich geradezu. SCP - Containment Breach, Amnesia - The Dark Descent, Five Nights At Freddy’s, Outlast ... Die Liste könnte schier endlos fortgesetzt werden.

Monster auf freiem Fuß! SCP: Containment Breach geht spielerisch neue Wege. Monster auf freiem Fuß! SCP: Containment Breach geht spielerisch neue Wege.

Nach bester Punk-Manier erobern sich einzelne Entwickler, die ihre Spiele häufig sogar alleine am heimischen PC oder in kleinen Gruppen programmieren, das Horror-Genre zurück. Engines wie Unity und Unreal machen's möglich! Dabei gilt: Je kleiner und dreckiger das Spiel daherkommt, desto unberechenbarer ist oft die Erfahrung für den Spieler. Der Schock sitzt nämlich gerade dann am tiefsten, wenn man im Voraus noch gar nicht ahnen kann, wohin die Reise geht. Und ohne den Druck eines großen Publishers im Nacken können die Entwickler auch endlich wieder nach Lust und Laune über die Stränge schlagen, verstören, Anstöße geben.

AAA zieht nach

Und langsam scheinen auch die großen Studios zu kapieren, dass dieses Konzept funktioniert. Als Hideo Kojima mit einer seiner letzten Amtshandlungen bei Konami die spielbare Demo P.T. auf das PlayStation Network losließ, wusste noch niemand, dass es sich hierbei eigentlich um eine Vorschau für das Spiel eines großen Publishers handelte. Ganz im Stil von Slender und Konsorten machte es nämlich den Anschein als handele es sich um einen typischen Indie-Schocker – mit zugegebenermaßen beeindruckender Grafik.

Zwischen Horror und Action - der neue Shooter Scavengers:

Besonders spürbar sind diese Einflüsse allerdings an Resident Evil 7. Vergleicht man den aktuell neuesten Ableger des Grusel-Veteranen mit dem Koop-Ballerspektakel des Vorgängers, fallen die Änderungen sofort ins Auge: Die Ego-Perspektive sorgt für zusätzliche Immersion, das Hillbilly-Splatter-Szenario ist frisch und unaufgebraucht, spielerisch findet eine Rückbesinnung auf die Kombinationsrätsel-Mechanik der ersten drei Teile statt. Wo ihr in Resident Evil 6 mit euren Schießeisen noch breitbeinig Monsterhorden niedergemäht habt, kann euch hier schon ein einzelner Gegner zum Verhängnis werden. Das Verhältnis hat sich geradezu um 180 Grad gewendet.

Insgesamt ist dieser Trend aus Zockersicht sehr zu begrüßen, denn schon viel zu lange haben sich Spiele großer Publisher von innovativem und daher potenziell eher riskantem Gamedesign tendenziell abgeschottet. Von den ausgefallenen Einflüssen und Ideen der Indie-Szene profitiert also letztendlich die gesamte Industrie. Und vielleicht erwartet uns ja schon bald das nächste große Ding in Sachen Gruselkultur.

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