Schluss damit: Diesem Mist sind weibliche Gamer ausgesetzt

(Kolumne)

von Chiara Bruno (22. März 2018)

Wenn ihr denkt: "Zockende Frauen? Das ist doch normal", dann denkt ihr zwar in erster Linie richtig, jedoch leider nicht wie jeder Gamer. Denn bis heute scheinen viele Männer nicht begriffen zu haben, dass es sich beim Zocken um ein Hobby handelt, in dem Frauen genauso gut sind und dass sie in Videospielen nicht "nur im Kreis laufen". Im Folgenden möchte ich euch zeigen, welchem Mist Gamerinnen tagtäglich ausgesetzt sind und warum wir das nicht einfach ignorieren sollten.

Auch virtuell haben Frauen mit ihrer Darstellung zu kämpfen:

Sollten wir den typischen Mist einfach akzeptieren?

"Frauen rennen nur im Kreis", "Frauen spielen nur Supporter", "Frauen gehören in die Küche", ihr kennt sie alle. Die typisch blöden Sprüche. Einige werden sich nun auch fragen, wieso ich dieses Thema mal wieder anspreche. Man solle "einfach mal nicht alles ernst nehmen", denn "in welchem Online-Spiel sieht man nicht ab und zu mal Flames"? An dieser Stelle möchte ich einige Menschen freundlich darauf hinweisen, dass nicht jeder so hart im Nehmen ist. Und da beziehe ich mich nicht nur auf das weibliche Geschlecht. Denn Beleidigungen in jeder Richtung sind einfach überflüssig. Und nur, weil es hier und da vorkommt, muss keiner Beleidigungen tolerieren.

Der Kommentar, den ihr hier seht, stammt aus einer Facebook-Diskussion, in der sich Menschen über Beleidigungen im Online-Spiel Overwatch austauschten. Und ja, er war, wie im weiteren Verlauf der Diskussion ersichtlich wurde, tatsächlich ernst gemeint.

Leider waren nur die Wenigsten, die am Gespräch teilnahmen der Meinung, dass man einfach respektvoller miteinander umgehen sollte. Viel öfter wurde mir eher vorgeschlagen, mich damit abzufinden, dass das einfach dazugehört.

Overwatch - Ein Versammlungsort für Trolle

Das YouTube-Video der Twitcherin nweatherservice macht deutlich, wie schwer es einige Frauen in Voicechats haben, sobald die Teamkollegen merken, dass es sich beim Mitspieler um eine Mitspielerin handelt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Overwatch ein großes Problem hat, was die Community angeht. Dem ist sich Blizzard bewusst und unternimmt seit Neuestem aktiv etwas dagegen.

Wer sich das Video anschaut, sollte merken, dass es sich bei den Beleidigungen nicht um Mimimi handelt und dass solche Kommentare auf Dauer den Spielspaß zerstören. So sagen der Overwatch-Spielerin - überwiegend junge - Männer sogar, dass sie am besten "sterben gehen" soll (Minute 0:33). Selbstverständlich neben den typisch sexistischen Kommentaren, dass alle "Frauen einfach allgemein scheiße sind in Videospielen" (Minute 0:45). Der Kommentar unter dem Video, der die meisten positiven Stimmen hat (Zurzeit 1.300), macht die Auswirkungen solcher Beleidigungen deutlich. Die Nutzerin Infinity schreibt:

"Ganz ehrlich, als Gamerin höre ich so viel Scheiße, dass es mich mittlerweile nervös macht, ein MMO zu spielen, das einen Voicechat hat. Ich weiß, du kannst die Leute einfach muten, aber ich möchte trotzdem mit meinem Team kommunizieren (...)."

"Deshalb nutze ich nie mein Mikro ...", schreibt eine andere Nutzerin.

Wenn Frauen untereinander gehässig werden

Noch enttäuschender als Männer, die Frauen sagen sie sollten nicht so "empfindlich sein", sind Gamerinnen, die dem zustimmen.

Natürlich muss ich es hinnehmen, wenn mich Leute nicht mögen. Aber abgesehen davon, dass ich auf der Straße nicht regelmäßig beleidigt werde, und mir nicht gesagt wird, dass ich in die Küche oder am besten sterben soll, würde ich das auch nicht einfach hinnehmen. Paradoxerweise hielten die Frauen im Kommentarbereich dann doch zusammen, als der erste Troll anfing, weiblichen Gamern zu unterstellen, sie würden unter anderem "nur Gegner heilen". Kurz vor dem Kommentar, sollte ich noch mit solchen Bemerkungen leben.

Die Kommentare und das Video sind nur ein kleiner Teil dessen, dem Gamerinnen und auch ich ausgesetzt sind. Trotzdem hoffe ich, dass er einige Männer, wie auch Frauen ein wenig wachrüttelt und zeigt, dass nicht jeder hart im Nehmen ist und man nicht unbedingt ein Weichei ist, wenn man mit Beleidigungen nicht klar kommt. Generell sollten Videospiele kein Ort sein, um Hass und Wut an anderen Gamern auszulassen.

Tags: Multiplayer  

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