Schwarze Schafe sind hübsch: Warum ungeliebte Serienteile trotzdem Freunde haben

(Special)

von René Wiesenthal (22. März 2018)

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir sichern uns gern gegen unschöne Überraschungen ab. Wehe, es kommt dann ein Spiel einer liebgewonnenen Reihe daher, das mit bewährten Traditionen bricht! Ein paar solcher von Fans geschmähten Ableger punkten aber genau durch solche Brüche und werden für diese geschätzt. Wir sagen euch, warum!

Als Spielehersteller ist es schwer, es allen Käufern recht zu machen. Vor allem, wenn eine eigene Marke bereits etabliert und mit ganz bestimmten Erwartungen seitens der Spielergemeinde verbunden ist. Unternehmen, die auf Nummer sicher gehen, müssen sich oft den Vorwurf der Stangenware gefallen lassen. Doch gerade bei Serien-Fans kommen oft diejenigen Ableger noch schlechter weg, die mutige Veränderungen vornehmen.

Einige unpopuläre Ableger beliebter Spieleserien der jüngeren Spielegeschichte möchten wir heute einmal unter die Lupe nehmen, um zu ergründen, warum sich Serien-Fans von ihnen auf den Schlips getreten gefühlt haben. Außerdem möchten wir euch sagen, warum sie für einige Gamer trotz oder genau wegen teils gravierender Abweichungen von bewährten Serienformeln gute Spiele sind.

Metal Gear Survive

Es lässt sich eine lange Liste mit Gründen aufstellen, warum Metal Gear Survive bei sehr vielen Spielern unbeliebt ist. Angefangen bei der Tatsache, dass Konami nach dem Weggang des Serienschöpfers Hideo Kojima eigenständig dessen Reihe fortsetzt, bis hin zur hanebüchenen Story – die Kritik an Metal Gear Survive erschöpft sich nicht. Vor allem wird dem Spiel unterstellt, dass es zu extrem mit den beliebten Konventionen der Serie bricht und damit den "Metal Gear"-Namen nicht verdient habe. Allerdings machte die Serie schon zuvor viele Experimente durch.

Doch auch Metal Gear Survive hat sein Publikum. Wohl deswegen, weil es Menschen gibt, die unvoreingenommen und unbeirrt vom großen Namen an das Spiel herangegangen sind. Es hat eine Fan-Gemeinde. Eine, die unabhängig von den personellen Hintergründen der Entwicklung genau die Punkte genießen können, die von anderen kritisiert werden.

Metal Gear Survive ist ein Spiel für Geduldige. Solche, die trotz langsamen Fortschritts und bescheidener Belohnungen die Ausdauer aufbringen möchten, eine anspruchsvolle Spielmechanik zu meistern. Dass das Spiel vollgestopft ist mit unangenehmen Mikrotransaktionen, die leicht in Zusammenhang mit der Spielbalance gebracht werden können, wie Kollege Micky in seinem Test zum Spiel feststellte, lässt sich nicht von der Hand weisen.

Ist das noch Metal Gear? Egal, finden viele Spieler und haben einfach Spaß.Ist das noch Metal Gear? Egal, finden viele Spieler und haben einfach Spaß.

Das gnadenlose Spielprinzip, das euch von Beginn an zum häufigen Scheitern verdonnert, ist für besonders widerstandsfähige Spieler aber keine Basis für Frust, sondern Motivation, es beim nächsten Anlauf noch besser zu machen. Metal Gear Survive muss sich also einige Vorwürfe gefallen lassen, spricht aber mit seinen vielen Serienneuerungen ein ganz bestimmtes Publikum an.

Final Fantasy 12

Abgesehen vom Online-Spiel Final Fantasy 11 waren die Teile der Hauptreihe von Final Fantasy bis zum zwölften immer recht klassische JRPGs. Sie stellten insofern eine Besonderheit dar, dass sie sich trotz dieser außerhalb Japans eigentlich eher nischigen Grundprämisse weltweit riesiger Beliebtheit erfreuten. Das hat die Serie wohl Final Fantasy 7 zu verdanken, das rundenbasierte Zufallskämpfe auch im Westen salonfähig machte. Und zwar durch eine für seine Zeit starke Optik und eine packende, umfangreiche Geschichte mit liebenswerten Figuren.

Mit Final Fantasy 12 versuchte Square Enix dann ein gänzlich neues Konzept. Das orientierte sich stark an Echtzeitkampfmechaniken von MMORPGs, ersetzte Japano-Kitsch durch ernstere Töne und ließ euch eine recht offene und deutlich weitläufigere Welt als die Vorgänger erkunden. Da gingen viele Serien-Fans auf die Barrikaden.

Das Kampfsystem von Final Fantasy 12 bringt eine ganz eigene Dynamik mit sich.Das Kampfsystem von Final Fantasy 12 bringt eine ganz eigene Dynamik mit sich.

Sofort wurden Rufe laut, das alte Kampfsystem solle wieder eingeführt werden und das sei kein Final Fantasy mehr. Doch trotz vieler verletzter Fan-Gefühle funktionierte die frische Mechanik richtig gut. Das erkannten viele unvoreingenommene Spieler und schätzten die neue Dynamik in den Kämpfen, die nicht mehr durch Ladezeiten eingeleitet und losgelöst von der eigentlichen Spielwelt stattfanden. Dennoch behielten sie taktische Komponenten. Den Schock einmal überwunden, bemerkten viele Spieler, dass das mutige Vorhaben der Entwickler geglückt ist.

Die Kritik daran, dass den Charakteren wenig Raum zur persönlichen Entfaltung gegeben wird, blieb allerdings bestehen. Nur gab es dafür auch Befürworter, die diese Veränderung positiv formulierten: Final Fantasy 12 betrachtet die Geschehnisse in einem größeren Maßstab, rückt also weniger persönliche Schicksale als Ereignisse in den Fokus, die das Schicksal des ganzen Landes Ivalice betreffen.

Mit The Zodiac Age erstrahlte FF12 in neuem Glanz!

Im Remaster Final Fantasy 12 – The Zodiac Age wurden dann bis dahin für Japan exklusive Inhalte auch im Westen nachgereicht und einige Komfortfunktionen eingebaut. Fans und die Fachpresse waren gleichermaßen begeistert.

Weiter mit: Breath of Fire - Dragon Quarter, The Legend of Zelda - The Wind Waker

Tags: Hideo Kojima   Remake  

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