Abgestaubt: Kann das erste God of War auch heute noch überzeugen?

(Special)

von Micky Auer (25. März 2018)

Kratos, der Gott des Krieges, kündigt sich mit einem neuen Serienteil an, der in vielerlei Hinsicht neue spielerische und erzählerische Wege einschlägt. Doch wie hat alles angefangen und würde das auch heute noch funktionieren?

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, tragen wir oft die tiefrosa gefärbte Nostalgie-Brille. Viele der Spiele, an die wir uns erinnern, sind absolut grandios, unvergesslich und stellen einen Meilenstein für das Medium dar. Doch was geschieht, wenn wir diese Brille für einen Moment absetzen? Was kommt da zum Vorschein? In dieser Reihe betrachten wir die schönen Erinnerungen der Vergangenheit mit der nötigen Kritik.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Wusstet ihr, dass God of War vor Kurzem seinen 13. Geburtstag feierte? Am 22. März 2005 kam der erste Serienteil für die PlayStation 2 in den USA auf den Markt (hierzulande dauerte es noch bis Mai). Der Veröffentlichung folgten offene Münder, jede Menge "Ohs" und "Ahs" sowie teils frenetischer Jubel seitens der Fachpresse und der Spieler.

Und das zu Recht! So ein wenig wirkte God of War wie die westliche Antwort auf Devil May Cry, verlieh der reinrassigen Action jedoch durch Figuren und Szenario einen ganz eigenen Anstrich, der viel Wert auf Pathos und Bombast legt. Schauplatz ist das antike Griechenland, in dem Götter und Fabelwesen nicht bloß in Geschichten auftauchen, sondern ins tägliche Leben eingreifen und eine konstante in der spielerischen Realität sind.

Im Mittelpunkt steht der mittlerweile legendäre Spartaner Kratos. Zu Beginn des Spiels stürzt er sich von einem Berg, um dem Wahnsinn zu entgehen, der von ihm Besitz zu ergreifen droht. Doch es kommt alles anders. Zunächst erfahrt ihr in Rückblenden, was es mit den in sein Fleisch eingebrannten Waffen auf sich hat, welche Pläne die Götter mit Kratos haben, welches Ränkespiel sie mit ihm treiben und vor allem: Warum gilt Kratos als der zornigste Mann diesseits des Incredible Hulk?

Ganz ehrlich: Ist eigentlich fast egal. Denn God of War war ein bombastisches und monumental anmutendes Action-Spektakel. Mal sehen, was davon übrig geblieben ist.

Eine Kulisse die Titanen und Göttern würdig ist

Zwei Hardware-Generationen ist es nun her, dass sich die Entwickler von God of War die Bürde auferlegt haben, auf der PlayStation 2 ein Szenario umzusetzen, dem eine reichhaltige Mythologie mitsamt Göttern, Titanen, und Fabelwesen zugrunde liegt. Eine Aufgabe, die erstaunlich gut umgesetzt wurde. Nicht nur für damalige Verhältnisse. Denn selbst aus heutiger Sicht kann God of War mit seinen epochalen Kulissen noch immer überzeugen.

God of War hält sich nicht mit Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten auf.God of War hält sich nicht mit Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten auf.

Alles ist groß in God of War. Die Statuen, die Schiffe, die Gegner, die Bizeps von Kratos. Die braucht er auch, also: große Muskeln. Denn schließlich ist es seine hauptsächliche Aufgabe, alles zu töten, was sich ihm in den Weg stellt. Sogar Titanen und Götter müssen sich seinem Zorn beugen. Schon beim ersten Bosskampf auf einem Schiff in stürmischer See wird klar: Hier wird ordentlich dick aufgetragen. Die mythische Hydra ist es, der ihr in einem fulminanten Kampf das Lebenslicht ausblast.

Hier wird ein Grundton für die Serie gesetzt: Gleich in den ersten paar Szenen wird alles rausgehauen, was die aktuelle Hardware irgendwie in der Lage ist herzugeben. Flüssige Grafik, aufwändige Animationen, Lichteffekte, partielle Zeitlupe, riesige Gegner. God of War war und ist pompös und beeindruckt durch die düstere Gestaltung mitsamt der Gigantomanie, die man von einem Götterspektakel auch erwartet.

Wo bleibt da die Geschichte? Die bleibt erstaunlich weit im Vordergrund. God of War mag auf den ersten Blick wie der stumpfe Rachefeldzug einer personifizierten Testosteron-Probe wirken. Tatsächlich erzählt es eine intrigante Geschichte über himmlische Machtkämpfe, göttliche Arroganz und den Menschen, die für die übernatürlichen Machthaber nicht mehr sind als minderwertige Schachfiguren. Bis halt eine dieser Figuren das Spielbrett verlässt und ihren eigenen Feldzug startet. Wozu menschlicher Zorn in der Lage ist, erfahren die Götter dann am eigenen Leib.

Dabei ist Kratos als Hauptfigur nicht jedem sympathisch. Oft wird im unterstellt, aus reinem "Mimimi"-Gehabe heraus zu agieren und selbst dann zur Gewalt greift, wenn es definitiv einfachere Möglichkeiten gegeben hätte, eine Situation zu bereinigen. Aber hey: Es geht hier um keinen Stuhlkreis, sondern um den zukünftigen Gott des Krieges. Und der will nun mal Krieg führen.

Zwei Knöpfe für ein Hallelujah

God of War ist - wie gesagt - ein Action-Spiel. Dazu braucht es auch eine Kampfmechanik, die diesen Gedanken astrein umsetzt. Das Spiel nutzt ein System, das mit simplen Zutaten einen durchaus komplexen Kampfrhythmus erzeugt. Ein leichter Angriff, ein starker Angriff, Blocken und Ausweichen. Mehr braucht es nicht, um mit fortschreitendem Spielverlauf immer stärkere Kombos anzuwenden. Eine zusätzliche Energieleiste für wechselnde göttliche und magische Utensilien und eine "Götterzorn-Leiste", die beim Aufbrauchen kurzzeitig für noch mehr Zerstörung sorgt, runden das System ab.

Unvergesslich: Die erste Konfrontation mit der Hydra. Zumindest mit EINEM ihrer Köpfe.Unvergesslich: Die erste Konfrontation mit der Hydra. Zumindest mit EINEM ihrer Köpfe.

Die Kämpfe finden nicht zwingend in festgelegten Arenen statt, sind aber allesamt geskriptet. Soll heißen: In jedem Bereich warten ganz bestimmte Gegner in einer bestimmten Anzahl auf euch. Wäre God of War ein Rollenspiel, würde hier schnell Monotonie Einzug halten. Aber mit Kratos geht es stets nur vorwärts. Kritik könnte man vielleicht aus heutiger Sicht an der Kameraperspektive üben, denn die ist jeweils festgelegt, auch was die Schwenks betrifft. Heute ist eine frei steuerbare Kamera schon so gut wie Standard. Damals wollten die Entwickler das hektische Kampfgeschehen aber wohl durch fixe Blickwinkel stets in eine kompakte Übersicht einplanen.

Im Endeffekt ein guter Zug. Denn der rechte Stick sorgt durch einfaches Antippen für ein superflinkes Ausweichmanöver von Kratos. Wäre hier - wie sonst üblich - die Steuerung für die Kamera verankert, wäre der Ablauf wesentlich weniger intuitiv ausführbar und somit der flüssigen Action nicht zuträglich. Insgesamt ist das Kampfgeschehen in God of War eines der wichtigsten Elemente und fühlt sich auch heute noch dynamisch, brachial und äußerst befriedigend an.

Und Schnapp! Wenn Kratos erstmal einen Gegner gepackt hat, kann der sich schon von seinen Eingeweiden verabschieden.Und Schnapp! Wenn Kratos erstmal einen Gegner gepackt hat, kann der sich schon von seinen Eingeweiden verabschieden.

Dann ist da noch eine Sache, die im Laufe der Zeit für immer mehr Kritik sorgte, die aber auch mehr oder weniger dem individuellen Geschmack unterliegt: die Quick Time Events, kurz: QTEs. God of War ist voll davon. Tatsächlich scheinen mit diesem Spiel QTEs zum ersten Mal so richtig ins Rampenlicht gerückt worden zu sein. Im kleinen Rahmen signalisieren die Einblendungen von bestimmten Knöpfen, dass einem geschwächten Gegner auf besonders brutale Weise der Garaus gemacht werden kann. Die entsprechenden Animationen sind schon mal äußerst blutrünstig.

Im großen Rahmen werden riesige Bosse mithilfe eines QTEs malträtiert. Das resultiert in fulminant choreographierten Szenen, die mit der normalen Spielmechanik nicht machbar wären. Auch wenn QTEs heute verrufen sein mögen, in God of War belohnten sie die Spieler mit bombastischen Szenen, die für noch mehr Befriedigung sorgten. Nach einem harten Kampf den riesigen Schädel eines Gegners auf dem abgebrochenen Mast eines Schiffes aufzuspießen, hat schon was Belohnendes. Und um die wichtigste Frage dahingehend zu beantworten: Ja, auch heute noch.

Weiter mit: Das Urteil

Inhalt

  • 1. Der zornigste Spartaner aller Zeiten
  • 2. Das Urteil

Tags: Abgestaubt  

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