Test Far Cry 5: Ein Ausflug in die Angst

von Micky Auer (26. März 2018)

Ein neues Far Cry - ein neuer Wahnsinniger. Man möchte meinen, es geht stets um die gleiche Geschichte in einer neuen Umgebung. Zu weiten Teilen stimmt das auch, zumindest ein wenig. Dennoch schafft sich Far Cry 5 seinen eigenen Platz in der Serie.

Um zwei Irrtümer zu beseitigen, die seit einiger Zeit in diversen Berichten der Fachpresse in Zusammenhang mit Far Cry 5 auftauchen: Der US-Bundesstaat Montana gehört nicht zu den Südstaaten und ist auch nicht Teil des Bible Belt, also dem Teil der USA, in dem evangelikaler Protestantismus ein wichtiger Bestandteil der Kultur ist. Tatsächlich liegt Montana im Norden des Landes und grenzt an Kanada.

Warum das wichtig ist? Weil der fiktive Landstrich Hope County, in dem die Geschichte von Far Cry 5 stattfindet, in Montana liegt. Dort treibt ein Kult sein Unwesen, dessen Machenschaften man in eher düster gefärbten Erzählungen einer Gegend zuschreiben würde, in der religiöser Fanatismus eine größere Rolle spielt.

Da stellt sich Serienkennern eine Frage: "Far Cry" bedeutet in der Übersetzung in etwa "weit, weit weg". Das hat die Reihe stets mit exotischen Schauplätzen auf tropischen Inseln, in Afrika und zuletzt Nepal unterstrichen. Gut, Montana liegt auch nicht gerade um die Ecke, wirkt aber für hiesige Verhältnisse nicht unbedingt exotisch. Die wunderschöne Natur Montanas, wie sie im Spiel dargestellt wird, könnte mit ihren dichten Wäldern, klaren Seen, Flüssen und Bächen sowie den üppigen Felden und schneebedeckten Bergen auch hierzulande so vorkommen.

"Weit, weit weg" fühlt es sich dann dennoch an, wenn klar wird, dass ihr als Spieler in Hope County gefangen seid. Ihr sucht nicht nur einen Weg zurück in die Welt, aus der ihr gekommen seid, sondern kämpft auch um euer Leben und das eurer Freunde. Gleichzeitig werdet ihr im Laufe der Geschichte für die Bevölkerung von Hope County zu so etwas wie einem Symbol der Hoffnung. Denn von Zivilisation im eigentlichen Sinne ist Dank des Kultes rund um Vater Seed nicht mehr viel zu erkennen. Erscheinen soll Far Cry 5 am 27. März 2018 für PC, PS4 und Xbox One. Getestet haben wir die Version für PlayStation 4.

Der Vater richtet über euch

In der Rolle eines Neulings bei der Polizei werdet ihr mit euren Kollegen per Hubschrauber ausgeschickt, um in Hope County ins Herz des Kultes "Project at Eden's Gate" vorzudringen, um dessen Anführer Joseph Seed, genannt Der Vater, dingfest zu machen. Schon im Vorspann sollte jedem klar werden, dass dies keine gute Idee ist. Zumindest nicht mit bloß fünf Leuten.

Lernt "den Vater" kennen:

Joseph Seed ist indes alles, was man sich unter dem Anführer eines Kultes vorstellt: Charismatisch, gutaussehend, spricht mit sanfter aber fester Stimme, verfügt über einen Blick, der das Gegenüber bis in die Tiefen seiner Seele zu verfolgen scheint und liebkost mit sanften Worten seine Gemeinde, während er einem vermeintlichen Sünder mit bloßen Händen die Augen zerquetscht.

Der Vater ist hochgradig geistesgestört und bringt die Erlösung, für die die Bewohner von Hope County auch gar nichts tun müssen, denn - so verspricht Seed - "wir kommen zu euch". Damit ist der Grundstein für die Bedrohung gelegt. Die Menschen in Hope County haben schon von Anfang an vor dem Kult gewarnt, doch wurden diese Befürchtungen als Hysterie über ein paar "religiöse Spinner" abgetan. Jetzt liegen auf den Straßen von Hope County zwischen Kürbisfeldern und Apfelhainen die Leichen von Menschen, die in den Augen von Eden's Gate Sünder sind.

Es dauert nicht lange und ihr stellt fest, dass ihr es nicht nur mit schießwütigen Hillbilly-Rednecks zu tun habt, sondern auch mit zombieähnlichen Gefolgsleuten des Kultes, genannt "Engel". In Hope County blüht eine Pflanze, die vom Kult zu einer starken Droge verarbeitet wird. Damit werden Menschen gefügig gemacht, im Falle der Engel sogar gänzlich willenlos, wild und gefährlich

Die Festnahmeaktion geht natürlich schief. Eure Kollegen werden entführt und in die Obhut der drei Statthalter des Vaters gegeben. Die wiederum kontrollieren jeweils einen Teil von Hope County. Ihr könnt entkommen und stellt schnell fest, dass die Bevölkerung sich im Untergrund zu einer Miliz formiert, der ihr euch anschließt. Euer Ziel lautet ab diesem Zeitpunkt: Vertreibt den Kult, besiegt seine Anführer, rettet eure Kollegen und entkommt diesem Wahnsinn.

Nicht nur mit reiner Waffengewalt

Wie für die Serie üblich ist auch Far Cry 5 ein Ego-Shooter. Zwar habt ihr die Möglichkeit, eure Figur ein klein wenig zu individualisieren, erwartet jedoch keinen vollwertigen Charakter-Editor. Ihr wählt lediglich das Geschlecht, vorgefertigte Gesichtszüge und Hautfarbe. Das reicht auch, denn im allgemeinen seht ihr euren Charakter ohnehin nur in Sterbeanimationen beziehungsweise macht ihn sichtbar für andere Spieler.

Eindringlich und gefährlich: Die Predigt ist ein "Live Action"-Trailer zu Far Cry 5:

Die Steuerung ist schon regelrecht klassisch, kann aber auch euren Wünschen entsprechend umkonfiguriert werden. Bewegung und Kamerasteuerung liegen auf den Sticks, ihr könnt springen, über kurze Distanzen sprinten und in die Hocke gehen und damit schwerer sichtbar werden. Im Kampf wählt ihr Schuss- und Sprengwaffen über ein Auswahlrad aus, zielt entweder über Kimme und Korn respektive Zielfernrohr (je nach Waffe) oder zieht nichts ahnenden Gegnern im Schleichgang eines von hinten über. Die Shooter-Mechanik funktioniert einwandfrei und erlaubt schnelle, actionreiche Feuergefechte, die von der flüssigen Grafik und der präzisen Steuerung profitieren.

Die Stealth-Mechanik ist übrigens nicht nur von größter Wichtigkeit, sie ist auch äußerst großzügig und verzeiht euch Vieles, wenn ihr euch von hinten an einen Gegner heranschleicht. Far Cry 5 kann natürlich auch mit rauchenden Kanonen gespielt werden, indem ihr euch mitten ins Geschehen stürzt und wild um euch ballert. Das setzt allerdings Können und Erfahrung im Genre voraus. Weise ist es, alle Möglichkeiten zu nutzen, die das Spiel euch bietet. Kundschaftet die Gegend per Fernglas aus, markiert Feinde, nutzt die Umgebung zu eurem Vorteil.

Hilfreich dabei sind die zahlreichen aktiven und passiven Fähigkeiten, die ihr im Laufe des Spiels freischalten könnt (mehr Munition, höhere Lebensenergie, Einsatz eines Greifhakens zum Erklimmen von steilen Wänden, um nur einige zu nennen). Punkte dafür erhaltet ihr nicht klassisch durch Levelaufstiege, sondern durch die Erfüllung vorgefertigter Ziele. Dazu zählen zum Beispiel: Tötet X Feinde mit Waffe Y, schaltet so und so viele Gegner aus ohne gesehen zu werden und ähnliches.

Gebäude mit diesem Symbol gehören dem Kult. Ihr wisst, was ihr zu tun habt ...Gebäude mit diesem Symbol gehören dem Kult. Ihr wisst, was ihr zu tun habt ...

Gleichzeitig erhaltet ihr auch Fortschrittspunkte für die Zerstörung von Besitztümern des Kultes, für die Befreiung von Zivilisten und generell allem, was dem Kult schadet und den Widerstand stärkt. Euren Fortschritt verfolgt in anhand einer Leiste. Ist diese gefüllt, kommt der jeweilige Statthalter des Vaters zum Vorschein, zeigt sich nicht sonderlich glücklich über eure Aktionen und fordert zum offenen Kampf. Wir wissen natürlich, wie das enden wird ...

Ihr seid nicht allein

Ihr seid nicht allein im Kampf gegen Eden's Gate. Unterwegs trefft ihr auf Personen, die ihr als Soldaten anheuern könnt. Sie unterstützen euch im Kampf und befolgen eure Befehle. Das funktioniert leider nicht immer ganz einwandfrei. Selbst mit dem aktuellen Patch kann es mitunter vorkommen, dass eure Begleiter wie wild im Kreis laufen, nicht an leicht zu umgehenden Hindernissen vorbeikommen oder einfach irgendwo stehen bleiben und euch nicht mehr folgen. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf, da diese immens wichtige Spielmechanik sonst zu oft außer Kraft gesetzt wird.

Sharky Boshaw, einer von neun Spezialisten, die ihr im Spiel anheuern könnt. Seine Spezialität: Flammenwerfer.Sharky Boshaw, einer von neun Spezialisten, die ihr im Spiel anheuern könnt. Seine Spezialität: Flammenwerfer.

Diese "einfachen" Soldaten verfügen im allgemeinen über zwei spezielle Fähigkeiten (je nach Typ und Bewaffnung), die durch gegnerische Kills freigeschaltet werden. Jedoch gibt es da auch noch Spezialisten, die weitaus mächtiger sind und von Anfang an über nützliche Fähigkeiten verfügen, die je nach Spielstil oder Situation von Nutzen sein können.

Zu diesen Buddies - das System wurde bereits in Far Cry 2 eingeführt - zählt zum Beispiel ein treuer Hund, der erstaunlich tödlich ist, ein Pilot oder ein recht kreativer Bewohner eines Trailer Parks, der gerne mit Flammenwerfern spielt. Diese Buddies lernt ihr im Zuge von Quests kennen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben bereitstellen.

Der Widerstand formiert sich. Lernt eure neuen Freunde kennen:

Far Cry 5 ist aber nicht nur die Jagd nach der nächsten Schießerei. Die offene Welt lädt zum Erforschen ein. In jedem Haus findet ihr nützliche Gegenstände, stoßt auf neue Aufgaben und findet in Form von Briefen, Notizen und Nachrichten auf Anrufbeantwortern mitunter verstörende Geschichten über die Schicksale unschuldiger Menschen.

Auch werden euch zahlreiche Pflanzen auffallen, die ihr in Wäldern und Wiesen sammeln könnt. Wenn ihr erst die richtige Person gefunden und deren Quest erfüllt habt, erhaltet ihr zum Beispiel die Möglichkeit, euch eure eigenen Medikamente herzustellen. Mit den entsprechenden Einzelteilen dürft ihr auch von Anfang an eure eigenen Sprengstoffe basteln.

Dann wäre da noch die höchst lebendige Tierwelt von Hope County: Ihr seid in einem Jagdgebiet unterwegs und findet entsprechend Plätze, an denen ihr Wild erlegen oder angeln könnt. Das ist eine wichtige Einnahmequelle, aber unterschätzt nicht, was da in Wald und Wiesen auf euch lauert. Dass ein Berglöwe oder ein Büffel wehrhaft ist, sollte klar sein. Aber ihr seid nicht darauf vorbereitet, was geschieht, wenn ihr in das Revier eines Stinktiers oder Truthahns eindringt. Ihr seid gewarnt! (Kurzum: Beim Stärke-Level einiger Tiere besteht Nachjustierungsbedarf.)

Weiter mit: Mehrspielerspaß, Fakten und Meinung

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Tags: Singleplayer   Multiplayer   Koop-Modus  

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