Test Sea of Thieves: Drei Segel im Wind oder auf Grund gelaufen?

von Emily Schuhmann (27. März 2018)

Landratten aufgehorcht! Wolltet ihr schon immer auf Kaperfahrt gehen, Schätze ausgraben und euch mit säbelrasselnden Skeletten duellieren? Jetzt habt ihr die Chance dazu, aber solltet ihr sie auch ergreifen?

Vor einer Woche heuerten wir auf einem Piratenschiff an und warfen einen ersten Blick auf Sea of Thieves. Mittlerweile sind wir mit allen Wassern gewaschen und fühlen uns wie richtige Seebären. Hinter uns liegen zahlreiche Schatzsuchen, Seeschlachten und sogar die eine oder andere legale Handelsfahrt. Jetzt können wir euch im Folgenden endlich eine ausführliche Meinung zu Microsofts Onlinespiel präsentieren.

In unserem vorläufigen Test könnt ihr unseren ersten Eindruck nachlesen und euch mit den Basismechaniken von Sea of Thieves vertraut machen. Das Spiel erschien am 20. März und hat trotz hohem Preis einen erfolgreichen Release hinter sich. Wie sich das Piratenabenteuer allerdings nach einigen Spielstunden macht, ist noch mal ein ganz anderes Thema und bisher kassiert es keine Bestnoten.

Flaute an der Missionsfront

Verflucht seien die Hühnchen, die sich so ungern in Käfige sperren lassen! Der Händler-Orden schickt euch mit Vorliebe auf die Jagd nach Federvieh, das ihr anschließend auf einer anderen Insel abliefern müsst. Das klingt relativ langweilig, allerdings stellten sich diese Aufträge in der Praxis als überraschend lustig heraus.

Mit drei weiteren Piraten widerspenstige Eierleger über kleine und große Inseln zu verfolgen führte zu unglaublich amüsanten Unterhaltungen und hysterischen Lachanfällen. Aber aufgepasst, dass euch das Lachen nicht im Halse stecken bleibt, wenn auf der Heimfahrt plötzlich ein schwarzer Schatten unter eurem Schiff auftaucht und der gigantische Kraken Hallo sagt.

Landratten auf hoher See - So stellen wir uns als Piraten an:

Insgesamt sind die Missionen leider nicht sehr abwechslungsreich. Findet den Schatz, tötet diese Piratenlords … nach einer Weile wiederholt sich alles. Eure Belohnung ist immer gleich: Gold und steigende Reputation mit der jeweiligen Organisation. Das gesamte Fortschrittssystem dreht sich bisher um kosmetischen Gegenstände.

Schafft ihr es bei jedem Orden Rang 50 zu erreichen, könnt ihr zum legendären Kapitän werden. Dann erwarten euch neue Missionen, ein Geheimversteck und ein persönliches Schiff. Viele Spieler schreckt dieses grinding-lastige Ziel allerdings eher ab und motiviert sie nicht.

Euer Schatz? Nein, unser Schatz!

Aufträge sind in Sea of Thieves allerdings nicht mal die halbe Miete. Tentakeltiere sind nämlich nicht die einzige Überraschung auf hoher See. Sehr ihr eine Totenkopfwolke am Himmel erwartet euch etwas ganz Besonderes: eine Skelettfestung. Bahnt euch euren Weg durch massenweise Knochenkerle und entkommt mit fetter Beute.

Ein glatter Ablauf ist dabei allerdings nicht garantiert, denn auch andere Spieler wollen natürlich mit Kisten voll Gold abziehen. Das resultiert in verrückten, verbissenen Schlachten zu See und an Land mit Säbeln, Donnerbüchsen und Kanonen.

Sieht nach bösem Omen aus, aber lockt mit Schätzen. Dafür müsst ihr euch nur durch ein Skelettarmee kämpfen. Kein Problem, oder?Sieht nach bösem Omen aus, aber lockt mit Schätzen. Dafür müsst ihr euch nur durch ein Skelettarmee kämpfen. Kein Problem, oder?

Sea of Thieves wahre Stärke liegt im Sandkasten-Charakter des Spiels. Ähnlich wie Fortnite, nicht die „Battle Royale“-Variante, spricht es das Kind in euch an. Statt selbstgebaute Forts zu bauen und zu verteidigen, könnt ihr hier einen anderen Kindheitstraum ausleben und Pirat sein.

Besonders in der Gruppe macht das einfach nur unglaublich Spaß. Ja, aktuell fehlt noch der Tiefgang, aber gestrandet ist das Spiel noch nicht. Bleibt zu hoffen, dass Entwickler Rare das große Potenzial auch ausschöpft und das Schiff nicht sinken lässt.

Meinung von Emily Schuhmann

Die Gesamtatmosphäre entspricht nach wie vor meinem Geschmack, aber es hat sich auch Ernüchterung eingestellt. 90 Prozent der Inseln sehen nahezu identisch aus. Statt neugierig bin ich traurig, dass ich auf den Eilanden keine liebevollen, einzigartigen Details entdecken kann. Es fühlt sich einfach an als hätte Rare alles zufällig generiert und das Ergebnis direkt abgenickt.

Wenn ich mit meinen Freunden auf Kaperfahrt gehe, stehe ich meistens am Steuerrad und habe eine Menge Spaß. Fast jedes Zusammentreffen mit anderen Spielern blieb mir in Erinnerung. Einmal schossen wir einen unserer Mitpiraten auf das feindliche Schiff, weil uns die Kanonenkugeln ausgingen. Ein anderes Mal enterte ich die gegnerische Galeone mit einem Pulverfass auf Selbstmordmission.

Das Fundament von Sea of Thieves ist großartig, aber aktuell fühlt es sich noch zu sehr nach verpasster Gelegenheit an. Besonders die kommenden Mikrotransaktionen und die Aussicht für eine Wiederbelegung Gold berappen zu müssen, bereiten mir und zahlreichen Spielern Bauchschmerzen. Hoffentlich schaffen die Entwickler es das Ruder noch herumzureißen.

65

spieletipps meint: Eine tolle Atmosphäre und massenweise Potenzial, aber aktuell fehlt noch der Tiefgang. Eher nichts für Solo-Piraten.

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