Test Meisterdetektiv Pikachu: Ein Pokémon auf den Spuren von Sherlock Holmes

von Micky Auer (26. März 2018)

Ein Pikachu, das fleißig vor sich hinplappert und glaubt, es sei ein Meister im Lösen von kniffligen Kriminalfällen? Undenkbar, doch es kommt noch härter: Dieses Pokémon hat eine Vorliebe für Kaffee.

Es mutet schon etwas seltsam an, muss ich sagen. Nach zwölf Jahren, in denen ich für Nintendo gearbeitet habe, ist mir eines äußerst klar: Rund um die Marke Pokémon existiert ein Regelwerk, das bis ins allerletzte Detail vorsieht, wie ein Pokémon abgebildet werden darf, welche Töne es von sich gibt, wie es animiert wird und es enthält sogar den exakten Farbcode für seine Darstellung.

Besonders viele solcher Regeln ranken sich natürlich um Pikachu, dem Maskottchen der Reihe und vermutlich beliebtestes Pokémon seit Tag 1. Umso verwunderlicher erscheint es mir nun, dass in Meisterdetektiv Pikachu ein ebensolches Pokémon nicht nur munter spricht (und das mit einer höchst untypischen Stimme), sondern auch in höchst ungewohnten spielerischen Gefilden auftaucht.

Nun, das allein muss natürlich noch nichts heißen. In einem Spiel, dem das Konzept "Konversation" als Grundlage dient, wäre es natürlich nicht sinnvoll, die Hauptfigur stets nur "Pika! Pika!" quietschen zu hören. Dennoch: Pikachus fröhliche Knuddeloptik mit der verrauchten Stimme eines bärbeißigen Ermittlers zu erleben, ist auf jeden Fall erstmal gewöhnungsbedürftig.

Aber was hat es denn nun eigentlich mit diesem Ausflug in ein ungewohntes Genre auf sich und vor allem: Wie spielt sich ein Pokémon-Spiel, das nicht der gängigen Rollenspiel-Formel folgt? Wir haben das Spiel für Nintendo 3DS getestet.

Klein, gelb und neugierig

Erstmal solltet ihr nicht nach der Motivation fragen. Dieses Pikachu will nun mal Detektiv sein, also lassen wir ihm den Spaß. Ihr trefft mit Pikachu auf den jungen Tim, der nach seinem verschollenen Vater sucht. Gemeinsam wollen sie nun das Geheimnis lüften und jenen Vater finden. So ganz zufällig ist diese Zusammenkunft nicht, denn bis kurz vor seinem Verschwinden hat Tims Vater mit diesem Pikachu zusammengearbeitet.

Ungewöhnlich: Pikachu hat eine Vorliebe für Kaffee.Ungewöhnlich: Pikachu hat eine Vorliebe für Kaffee.

Der Spielablauf orientiert sich dabei an einem klassischen Adventure ohne jegliche RPG-Mechaniken. Ihr sprecht mit Zeugen, Verdächtigen, untersucht Örtlichkeiten und geratet so von einem mysteriösen Fall in den nächsten. Dabei zeigt sich schnell, dass eine Reihe von ansonsten vollkommen friedlichen Pokémon aus irgendeinem Grund aggressiv werden und für Ärger sorgen. Um der Sache auf die Spur zu kommen, teilen sich die beiden Hauptfiguren die Aufgaben auf sinnvolle Weise: Tim spricht mit Menschen, Pikachu übernimmt die Konversation mit Pokémon. Sprachbarriere geschickt umschifft!

Die Spielmechanik präsentiert dabei keine großen Herausforderungen. Ihr agiert in übersichtlichen und abgeschlossenen Bereichen. Dort sucht ihr nach Indizien, die - wenn ihr mit der entsprechenden Person interagiert - wiederum neue Gesprächsoptionen freischalten. Auf diese Weise hangelt ihr euch anhand von Untersuchungen und Gesprächen stets bis zur Lösung eines Falles voran.

Übersehen könnt ihr dabei tatsächlich nichts, denn der gesamte Spielablauf ist so gestaltet, dass ihr immer in die richtige Richtung gewiesen werdet. Dauert das mal zu lange, bekommt ihr aktiv Hinweise von Pikachu, was ihr als nächstes tun solltet. Die durchweg kindgerechte Aufmachung kann für ganz kleine Spieler sogar noch vereinfacht werden, indem Pikachu stets dafür sorgt, dass ihr immer zum richtigen Ort geht.

Wenn ihr dann ausreichend Material zur Lösung eines Falles gesammelt habt, stellt ihr die entsprechenden Indizien richtig zusammen, so dass ein schlüssiges Ergebnis entsteht. Auch das ist keine große Herausforderung und erfordert nur wenig Kombinationsgabe. Auch hier steht die kindgerechte Spielbarkeit im Vordergrund. Denn wenn ihr was falsch macht, wird sich Pikachu dazu äußern und ihr dürft es solange erneut versuchen, bis ihr die Lösung gefunden habt.

Ein Pokémon-Spiel der anderen Art

Nachdem ihr nun den Ablauf des Spiels kennt, fragt ihr euch vielleicht: "Wie funktionieren denn die Kämpfe?" Nun, Kämpfe gibt es in Meisterdetektiv Pikachu rein gar keine. In diesem Einblick ins Pokémon-Universum geht es nicht um die Errungenschaften in den Arenen und die gezielte Weiterentwicklung der Pokémon. Hier findet ihr stattdessen Pokémon, die in der Stadt ganz normalen Berufen nachgehen. So wie halt auch dieses spezielle Pikachu.

Bäh! Die Animationen sind wirklich putzig geraten.Bäh! Die Animationen sind wirklich putzig geraten.

Zum Spiel gibt es auch ein passendes Pikachu-amiibo. Mit dessen Hilfe könnt ihr sämtliche Videosequenzen freischalten, die ihr bereits abgeschlossen habt. Auch jene, die ihr eventuell verpasst haben könntet. Das heißt aber nicht, dass Besitzer des amiibo etwas zusätzlich bekommen. Die Inhalte sind ganz normal im Spiel vorhanden. Ohne amiibo müsst ihr euch halt selbst um die Freischaltung kümmern, was insgesamt kein großes Problem darstellt.

Die Figur fällt aber dadurch auf, dass sie etwas größer ausfällt als die sonst üblichen amiibos. Im Grunde handelt es sich eher um ein Sammlerstück als um ein spielerisch sinnvolles Accessoire.

Was übrigens noch auffällt: Meisterdetektiv Pikachu glänzt durch eine erstaunlich schöne Grafik. Die Stadtkulisse weiß ebenso zu überzeugen wie die Animationen der Figuren. Besonders ins Auge fallen dabei die stets wechselnden Gesichtszüge von Pikachu. So viel Ausdruck hätte man dem kleinen, gelben Knuddel vermutlich gar nicht zugetraut.

Übrigens: Es ist ganz egal, auf welchem Modell der 3DS- oder 2DS-Familie ihr das Spiel erlebt. Der 3D-Modus wird nämlich nicht unterstützt, daher sieht die Grafik auf allen erhältlichen Modellen gleich aus.

Meinung von Micky Auer

Ich muss zugeben, ich war schon etwas verwirrt, als Pikachu im Spiel zum ersten Mal den Mund aufmacht und mit einer Stimme spricht, die auf langjährigen Konsum von Bourbon und dicken Zigarren schließen lässt. Aber seid beruhigt: So ungesund gestaltet sich maximal das Dasein eines Smogon. Dieses Pikachu hat aber eine Vorliebe für Kaffee, was schon ungewöhnlich genug ist.

Tatsächlich wusste ich gar nicht so recht, was mich mit Meisterdetektiv Pikachu im Endeffekt erwartet. Das Spiel entpuppt sich aber als recht gefälliges Abenteuer, jedoch ohne besonderen Tiefgang und quasi gänzlich ohne Herausforderung. Es ist aber vermutlich auch für eine sehr junge Zielgruppe gedacht, die durchaus ihren Spaß bei der Lösung der einfachen Kriminalfälle haben wird.

Zuträglich ist dem sicher auch der Umstand, dass das Spiel wirklich ausgesprochen hübsch aussieht. Inhaltlich mag es jedoch für erwachsene Spieler aufgrund der fehlenden Schwierigkeit nur bedingt interessant sein. Zu empfehlen ist es daher wirklich nur für Kinder und knallharte Pokémon-Fans, die keine Lücke in ihrer Sammlung entstehen lassen wollen.

70

meint: Das knuddeligste aller Pokémon versucht sich als Detektiv. Hübsch anzusehen, jedoch in erster Linie für Kinder geeignet.

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Tags: Singleplayer  

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