Sea of Thieves: So ist die Stimmung nach einer Woche

(Special)

von Michael Krüger (02. April 2018)

Ein Piraten-Abenteuer schlägt hohe Wellen. Kaum ein Spieler kommt aktuell daran vorbei. Doch wie langlebig ist das Erlebnis? Wir fangen die Stimmung der Community ein.

Seit etwas über einer Woche ist mit Sea of Thieves eines der ungewöhnlicheren Multiplayer-Spiele der jüngsten Zeit erhältlich. Spielerische Freiheit und eine daraus resultierende Eigendynamik bestimmen das Konzept.

Dass die Mischung durchaus ihre Schwierigkeiten mit sich bringt, könnt ihr auch in unserem Test Sea of Thieves: Auf dem Weg zur Piratenlegende oder doch zu Davy Jones? nachlesen. Wie sich zeigt, liegen Freud und Leid in Sea of Thieves nahe beieinander. Auf der einen Seite das offene weite Meer, das mit Abenteuern lockt, auf der anderen Seite fiese Gegen- und auch Mitspieler. Dazu kommt, dass eifrige Piraten bald alles gesehen haben.

Wir haben uns für euch auf hoher See und auch in der Community umgeschaut, um ein Bild der aktuellen Stimmung rund um Sea of Thieves einzufangen. Denn neben den Startschwierigkeiten, die bei Multiplayer-Spielen ja keine Seltenheit darstellen, findet sich zum Teil auch tiefgreifende Kritik. Offenbar ist auf dieser Reise nicht alles Gold, was glänzt.

Labile Crew-Mitglieder

Unbenommen ist, dass Rare mit Sea of Thieves wirklich ein besonderes Spielerlebnis gelungen ist. Trotz oder vielleicht gerade aufgrund der charismatischen Aufmachung, liefert das Piraten-Abenteuer eine außergewöhnliche Simulation, die nicht nur kooperatives Verhalten auf die Probe stellt, sondern auch gerne einmal Fragen der Moral und Ethik aufwirft.

Jedes Schiff, dem ihr begegnet, ist ein potentieller Feind.Jedes Schiff, dem ihr begegnet, ist ein potentieller Feind.

Spätestens wenn ihr einem fremden Piraten gegenübersteht und während einer freundlichen Begrüßung bereits mit dem schlimmsten rechnet und Fluchtpläne vor eurem geistigen Auge durchgeht, zeigt sich deutlich, welches Potenzial in der außergewöhnlichen Mehrspieler-Erfahrung steckt.

Doch nicht jede Runde bringt die gleichen Freuden und vor allem nicht immer den gewünschten Nervenkitzel mit. Während ihr in einem Moment mit einer technisch versierten und gut koordinierten Truppe wahrhafte Kunststücke mit eurer Gallone aufführt, kann es gut sein, dass ihr im nächsten Spiel mit dem kompletten Gegenteil konfrontiert seid. Fehlende Kommunikation oder auch einfach absichtlich nerviges Verhalten führt hier schnell zu Frust und nimmt der Spielerfahrung ihren Reiz.

Werdet ihr "aus Spaß" unter Deck eingesperrt, auf einer Insel zurückgelassen oder auch einfach bei der Steuerung des Schiffes behindert, verblasst der Glanz der ansonsten oft unterhaltsamen Mehrspielererfahrung. Auf der anderen Seite hat Sea of Thieves oft subtile Qualitäten, die nicht von der Hand zu weisen sind. Eine gemütliche Fahrt bei halbgeöffneten Segeln in Richtung Sonnenuntergang brennt sich unweigerlich in euer Gedächtnis ein und erinnert euch daran, dass weniger in Spielen oftmals mehr ist.

Piraten sind ein Problem

Doch die See ist stürmisch und voller Tücken. Mit großer Freiheit kommt auch eine gewisse Verantwortung. Und dass diese auf den Schultern aller Spieler liegt, nimmt Sea of Thieves oftmals etwas den Wind aus den Segeln.

Kämpfe gegen andere Schiffe können sehr spannend, aber auch sehr nervenzehrend sein.Kämpfe gegen andere Schiffe können sehr spannend, aber auch sehr nervenzehrend sein.

Einer der größten Kritikpunkte von Sea of Thieves ist das toxische Verhalten vieler Spieler. Dieses Problem haben wir bereits im Special Sea of Thieves: So reagiert die Community auf die geschlossene Beta bemerkt und seitdem hat sich scheinbar nicht viel verändert.

Dabei ist es nach wie vor schwierig, zu entscheiden, ob sich manche Spieler wirklich einfach nur fies verhalten oder ob sie nicht lediglich die Spielmechaniken nutzen, wie sie vorgesehen sind. So wird beispielsweise von Nutzern berichtet, dass sie ständig an Außenposten überfallen werden. Beiträge wie Griefing within Outposts beschreiben immer wieder, wie methodisch Raubzüge auf andere Spieler ablaufen.

So versenken die Angreifer ihr eigenes Schiff, um ankommende Piraten in Sicherheit zu wiegen. Vor den Läden platzieren sie Fässer mit Schießpulver. Wollen nun andere Spieler ihre Schätze gegen Gold eintauschen, werden sie kurzerhand überfallen. Ein Scharfschütze bringt das Schießpulver zur Explosion und die restliche Crew erledigt die Opfer mit Säbeln. Gelingt es den Fieslingen nun auch noch, die Glocke des angedockten Schiffes zu läuten, lassen sich alle mitgebrachten Schätze kurzerhand entwenden, ohne direkte Konsequenzen befürchten zu müssen.

Nun ist es natürlich nach wie vor richtig zu sagen, dass Piraten nun mal Piraten sind und dass derartige Taktiken einen wesentlichen Teil des Spielkonzepts darstellen. Doch stellt sich hier wie auch schon in der Beta erneut die Frage, ob dabei jeder potentielle Spieler auf seine Kosten kommt. Immerhin finden sich im offiziellen Forum auch immer wieder Beiträge, in denen Spieler bekannt geben, dass sie aufgrund der vielen frustrierenden Erfahrungen ihr Piratendasein an den Nagel hängen.

Um keine Spieler zu verlieren und im besten Fall auch noch neue zu begeistern, sollte sich Rare dieses Probems also eventuell annehmen. Ideen, wie das aussehen könnte, finden sich ebenfalls im Forum. Im Beitrag A suggestion that could make the game better for everyone schlägt ein Spieler beispielsweise eine Lösung vor, bei der verschiedenfarbige Flaggen feindlich gesinnte Piraten von harmlosen Abenteurern unterscheiden lassen.

Kaum besiegt, tauchen eure Feinde schon wieder auf.Kaum besiegt, tauchen eure Feinde schon wieder auf.

Doch nicht nur das unfaire Verhalten an sich stößt auf Unmut. Generell leiden die Kämpfe in Sea of Thieves unter dem Problem, dass abgeschossene Schiffe nur zwei Inseln weiter respawnen. Kämpft ihr also bei einer Skelett-Festung gegen andere Piraten, tauchen diese immer wieder mit aufgefüllten Vorräten bei euch auf. So entsteht eine Art Tauziehen, bei der die eigentlichen Gewinner am Ende das Nachsehen haben. Und auch dieser Umstand bringt manche Spieler soweit, dem Spiel zu entsagen, wie im Beitrag I am done with this game until changes are made zu lesen ist.

Durchgespielt?

Als Ursache für das übermäßig fiese Verhalten mancher Spieler sehen einige zudem nach wie vor den Mangel an Inhalten, mit denen man sich anderweig beschäftigen könnte. Selbst Spieler, die sich nicht über andere beschweren, empfinden den aktuell noch geringen Umfang als großen Minuspunkt. So sind die Belohnungen für bestimmte Aktivitäten unverhältnismäßig niedrig und insgesamt verspüren nur wenige Spieler einen großen Drang, viel Spielzeit in die Freischaltung bestimmter kosmetischer Verbesserungen zu investieren.

Vielleicht machen ja schon bald weitere See-Monster das Meer unsicher.Vielleicht machen ja schon bald weitere See-Monster das Meer unsicher.

Die Entwickler beteuern, dass es in Zukunft immer wieder neue Inhalte und Spielmechaniken ins Spiel schaffen werden. Genaue Pläne oder auch Details zu den anstehenden Neuerungen lassen aktuell allerdings noch auf sich warten. Dabei wären manche Spieler, wie im Beitrag Pirate game with no pirate flags.... bereits zufrieden, wenn sie auf einem Piratenschiff auch wirklich eine Piratenflagge hissen könnten.

Und so zeichnet sich bei vielen nach wenigen Tagen bereits deutlich eine gewisse Sättigung ab. Natürlich ist die Spielerfahrung im ersten Moment einzigartig und frühe Erfolgserlebnisse fühlen sich toll an. Doch je nach Eifer sind die meisten Inseln nach ein paar Spielsitzungen erkundet, die zur Verfügung stehenden Aktivitäten ausprobiert und auch Schabernack mit digitalem Grog und Magensäften ausgiebig durchgespielt.

Der Weg zu den richtig prächtigen Belohnungen, wie etwa optischen Veränderungen für euer Schiff liegen in weiter Ferne und die Entscheidung, ob sich die Mühen für den lockenden Schatz lohnen, fällt zunehmend schwerer. So großartig das Momentum von Sea of Thieves vor und während der Veröffentlichung zu sein scheint, so schnell kann es nun auch wieder dahinplätschern. Rare respektive Microsoft sollte nun die nächsten Schritte zügig angehen, um den Rückenwind aufrecht zu halten. Dass die Entwickler durchaus ein Ohr für die Community haben, bewiesen sie erst vor einigen Tagen, als sie die Pläne, die Wiederbelebung eines Charakters mit Kosten zu verbinden, nach Protesten in den Foren einstampften.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Open World   Multiplayer   Koop-Modus  

So sollte das kommende Assassin's Creed sein

Wunschdenken: So sollte das kommende Assassin's Creed sein

Es gab eine Zeit, in der ihr jährlich mit einem neuen Assassin's Creed rechnen konntet. Mit Assassin's Creed - (...) mehr

Weitere Artikel

Season 2 kommt erst 2019

The Wolf Among Us: Season 2 kommt erst 2019

The Wolf Among Us 2 wird erst 2019 erscheinen. Dies hat Telltale mit einem Update auf der eigenen Website angekünd (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Sea of Thieves (Übersicht)
* gesponsorter Link