Mal unter uns: Darum liebe ich Kingdom Come Deliverance

(Kolumne)

von Thomas Stuchlik (31. März 2018)

Ich tue es nur ungern, aber ich muss mal wieder meinen wertgeschätzten Kollegen widersprechen. Denn das Realo-RPG Kingdom Come Deliverance ist für mich ein Schubs in die richtige Richtung, den das Rollenspiel-Genre dringend braucht! Klar besitzt es so manch nervige Schwäche, die Kollege Micky in seinem Test zu Recht unterstreicht. Auch Kollegin Emily hat mit ihrer Meinung Null Bock auf Realismus gute Argumente dagegen. Doch für mich macht gerade das den Reiz aus: Kingdom Come Deliverance ist ein sperriger Mittelalter-Simulator, der einem nichts schenkt, aber dennoch so viel gibt. Und dafür liebe ich es!

In dieser Reihe geht es manchmal etwas kontrovers, dafür aber immer hochgradig subjektiv zur Sache: Wir präsentieren euch unbequeme und unpopuläre Meinungen, die einfach echt mal raus mussten. Denn: Super Mario ist gar nicht so genial wie alle tun, Flappy Bird macht irgendwie echt Laune und wer nur Fifa spielt, ist kein echter Zocker. Also mal unter uns: "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!"

Viel Spaß damit und bitte nicht vergessen: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Dieses Video zu Kingdom Come - Deliverance schon gesehen?

Mein Liebesbekenntnis offenbarte sich jedoch erst nachdem ich mal wieder den Allzeit-Klassiker The Elder Scrolls 5 - Skyrim eingelegt habe (diesmal auf der Switch). Plötzlich wurde mir klar, wie viel einem jenes Spiel schenkt: Nach minimaler Spielzeit übersteht ihr den ersten Dungeon, besiegt den ersten Drachen und ebnet euch den Ruf als heldenhafter Drachengeborener. Das ist bei Kingdom Come Deliverance ganz anders! In den ersten Spielstunden wirft man mit Kuhmist um sich und knackt mit (extrem viel Glück) vielleicht mal ein einfaches Schloss. Das sind mal ganz andere Erfolgserlebnisse! Man backt hier sprichwörtlich erheblich kleinere Brötchen.

Denn: Man spielt in Kingdom Come Deliverance keinen genretypischen Klischee-Helden, keinen Drachengeborenen, keinen Auserwählten, keinen Hexer, sondern einen Niemand. Als Sohn eines Dorfschmieds schlagt ihr euch durch den Mittelalter-Alltag. Statt nach Heldentaten dürstet es euch nach irdischen Dingen, zum Beispiel etwas Schmackhaftem, um den knurrenden Magen zu füllen. Aber selbst das ist gefährlich: Vielleicht erlegt ihr mit viel Geduld ein Reh oder ein Karnickel im nächsten Wald. Doch Wilderei ist illegal und kann euch schnell eine Gefängnisstrafe einbrocken.

Der nett-naive "Held" Heinrich wirkt manchmal wie ein Dreijähriger im Süßigkeitenladen. Einfach liebenswert!Der nett-naive "Held" Heinrich wirkt manchmal wie ein Dreijähriger im Süßigkeitenladen. Einfach liebenswert!

Jeder Schritt im Spiel will wohlüberlegt sein, schnell verscherzt ihr es euch mit Auftraggebern und der Justiz. Ich bin auch schon von einer Stadtwache zu einer Geldstrafe verdonnert worden, weil ich des nächtens keine Fackel dabei hatte! Verrückt, oder? Es sind die kleinen Details, die mich immer wieder umhauen. Genauso wie das Quest-Design: Manche Missionen verschwinden nach einiger Zeit. Trödelt ihr herum, können manch angenommene Aufträge hinfällig werden.

Das schöne Böhmen wirkt nie spektakulär, aber immer stimmig und atmosphärisch.Das schöne Böhmen wirkt nie spektakulär, aber immer stimmig und atmosphärisch.

Obendrein müsst ihr nach eurem Einsatzziel fahnden, das oft nicht durch einen Marker hervorgehoben wird. Nicht selten verplempert ihr unnötig Zeit mit der Sucherei oder rauscht in ein Banditennest mit tödlichem Ausgang. Doch gleichzeitig ist die Spielwelt derart einladend, dass ich das virtuelle Böhmen gar nicht mehr verlassen will. Dann gehe ich einfach mal in die Kneipe zum Würfelspiel, reite durch die böhmische Landschaft oder bewundere den originalgetreuen Sternenhimmel.

Auf dem Dorf kennt man sich und teilt Heim und Herd.Auf dem Dorf kennt man sich und teilt Heim und Herd.

Nicht zuletzt wohnen in Böhmen lauter freundliche Leute. Jeder kennt mich mit Namen und freut sich mit einem überschwänglichen "Willkommen, Heinrich!" und "Gott schütze dich, Heinrich" über meinen Besuch. Da fühle ich mich wie Zuhause! Nicht so wie in meinem RPG-Favoriten The Witcher 3 - Wild Hunt, wo einem überhall der Hass der Leute entgegenschlägt. Selbst der hiesige Dorfpfarrer ist einer Sauftour nicht abgeneigt (auch wenn diese völlig aus dem Ruder läuft, doch das ist eine andere Geschichte).

All diese Elemente machen den naiven Hauptdarsteller Heinrich einfach menschlich. Ich denke sogar, das ist der wahre Grund für meine Zuneigung zum Spiel: Heinrich ist ein Mensch wie du und ich. Ein unbescholtener wie liebenswürdiger Geselle, der schon anfangs in eine verzwickte Lage gerät. Und dann kann ich nicht anders als ihm zu helfen. Dem armen Kerl!

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Tags: Mal unter uns  

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