Abgestaubt: Wie "Grand" ist GTA 2 nach heutigen Maßstäben?

(Special)

von René Wiesenthal (02. April 2018)

Grand Theft Auto – eine Spielreihe, bei der jeder neue Teil als Messlatte gilt, sobald er das Licht der Welt erblickt. Doch in welchem Licht stehen alte Ableger da, wenn wir sie im Rückspiegel betrachten? Wir haben Grand Theft Auto 2 einmal auf die Hebebühne genommen, um zu schauen, ob der Oldtimer im Laufe der Jahrzehnte Rost angesetzt hat.

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, tragen wir oft die tiefrosa gefärbte Nostalgie-Brille. Viele der Spiele, an die wir uns erinnern, sind absolut grandios, unvergesslich und stellen einen Meilenstein für das Medium dar. Doch was geschieht, wenn wir diese Brille für einen Moment absetzen? Was kommt da zum Vorschein? In dieser Reihe betrachten wir die schönen Erinnerungen der Vergangenheit mit der nötigen Kritik.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Wenn heutzutage von Grand Theft Auto die Rede ist, denken die meisten von euch wahrscheinlich automatisch an den letzten Serienableger Grand Theft Auto 5. Der hat zwar auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel, wurde seit seiner Veröffentlichung aber bereits einer Frischzellenkur unterzogen und wird zumindest im Online-Multiplayer nach wie vor mit neuen Updates versorgt. Bevor GTA 5 zu der Erfolgsgeschichte wurde, die es mittlerweile ist, beeinflussten Ableger wie Grand Theft Auto – San Andreas und bereits Grand Theft Auto 3 maßgeblich die Entwicklung von Action-Spielen und Open Worlds. Doch was war vor dem Sprung in die dritte Dimension?

So sah der Sprung in die dritte Dimension aus: GTA 3!

Grand Theft Auto 2 stand genau an der Schwelle zu diesem. Anno 1999, zwei Jahre bevor ihr in Grand Theft Auto 3 erstmals aus der Verfolgerperspektive Liberty City unsicher gemacht habt, betrachteten Spieler GTA noch aus der Vogelperspektive – und zwar ganz kerzengerade, "top down", wie es so schön heißt. Erschienen ist das Gangster-Abenteuer auf PlayStation, Dreamcast und PC. Wir haben die olle PlayStation abgestaubt, um noch einmal von oben herab auf das Spiel zu schauen.

Eher ein Zeitzeugnis als zeitlos

Bei allem verdienten Lob für die GTA-Reihe, ein Kompliment kann sie sich leider nicht einstreichen: Sie ist nicht zeitlos. Das liegt zum einen daran, dass Rockstar Games bei der Entwicklung ihrer Spiele seit Teil 3 in die Vollen geht was die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit betrifft. Sie versuchen stetig, an deren Nabel zu sein und die bestmögliche Grafik zu liefern. Nach einigen Jahren sieht das dann natürlich nur noch überholt aus. Zum anderen liegt es daran, dass die Spiele oft den aktuellen Zeitgeist einfangen und somit aus technischer wie inhaltlicher Sicht ein bewusst überspitztes Denkmal an die Politik, Gesellschaft und Pop-Kultur ihrer Veröffentlichungszeit darstellen.

Und das spürt ihr auch sofort, wenn ihr nach Jahren GTA 2 einlegt. Das Spiel heißt euch willkommen mit einem völlig überzogen coolen Live-Action-Intro samt typischer 90er-Jahre-Breakbeat-Musik. Ich muss an Resident Evil denken, als das Spiel zum Ende des Intros seinen eigenen Namen ruft. Die funkige Musik im Titelbildschirm stimmt euch dann anschließend perfekt auf das Kleinganovenabenteuer ein.

Anders als bei späteren Serienablegern, sind die Ladebildschirme, die ins Spiel führen, nicht mit coolen Zeichnungen bestückt, sondern mit pixeligen Varianten der Schauspieler, die ihr schon in der Intro-Sequenz sehen konntet. Es kommt gehörige B-Movie-Trash-Stimmung auf. Rockstar Games haben gut daran getan, davon abzukehren. Sobald das Spiel dann richtig losgeht, stehe ich vor einem Problem: Ich komme nicht voran, meine Figur bewegt sich nicht.

Wie bewege ich mich denn?

Ein weiteres Mal die Erinnerung an gute alte "Residen Evil"-Zeiten. GTA 2 funktioniert mit Panzersteuerung. Ihr "beschleunigt" den Gangster mit X, springt mit L1 über kleinere Hindernisse. Durch gebrabbelte Anweisungen eines plötzlich ins cartoonische gekehrten Charakters erhaltet ihr den ersten Auftrag über den ihr das Spielprinzip kennenlernt.

Und das ist denkbar simpel: Es gibt drei Fraktionen von Gangstern in der Stadt. Bei allen dreien könnt ihr euch einen guten oder schlechten Ruf erarbeiten, je nachdem für wen ihr häufiger arbeitet und wen ihr öfter abmurkst. Mit Dreieck steigt ihr, wie auch in späteren Teilen, in jedes beliebige Auto ein. Seid ihr unartig, bekommt ihr es mit der Polizei zu tun. Das Kredo von GTA 2: Respekt ist alles! Und mehr müsst ihr auch nicht wissen, um die Stadt unsicher zu machen.

Die Spielmechanik: Zwei verschiedene Welten

Und das macht auch heute noch eine Menge Spaß. Vor allem, weil es Spiele in dem Stil von GTA 2 heute nicht mehr gibt. Durch die Stadt zu heizen, vor der Polizei zu flüchten und Chaos anzurichten, macht aus der Vogelperspektive auch heute noch Laune. Vor allem, weil die Fahrzeugsteuerung gut gelungen ist und sich kein Vehikel wie das andere anfühlt.

Schlecht gealtert sind dagegen die Schusswechsel. Sie als spartanisch zu bezeichnen wäre untertrieben, die Schussmechanik war schon bei Veröffentlichung des Spiels nicht gerade zeitgemäß. Daher tut ihr gut daran, die meiste Zeit von GTA 2 im Auto zu verbringen und durch die Stadt zu rasen, die aus heutiger Sicht etwas wenig Abwechslung bietet – auch in spielerischer Hinsicht.

GTA 2 ist serientypisch vollkommen überzeichnet und damit auch abseits der Spielmechaniken unterhaltsam. Wenn ihr über Menschen fahrt, gibt es ein cartoonartiges "Flatsch"-Geräusch und die Ärmsten kleben auf der Straße. Die Moderationen der Radiosender sind teils vollkommen bescheuert und voller Gags, die es sich lohnt anzuhören, während ihr cruist. Anspielungen finden sich auch an jeder Ecke. So zum Beispiel auf Rockstar-eigene Spielereihen, wenn ihr im "Max Paynt" die Farbe eures Autos ändern lasst.

Das Urteil

Grand Theft Auto 2 macht heute sicherlich nicht mehr so viel Spaß wie früher. Es ist nicht an allen Ecken gut gealtert. Die Mechaniken kennt ihr aus späteren beziehungsweise sehr aktuellen Serienteilen mittlerweile alle einfach besser, grafisch gewinnt es sowieso keinen Blumentopf. Die Steuerung zu Fuß ist aus heutiger Sicht unkomfortabel und die Schusswechsel eher lästig als spaßbringend.

Dafür ist es aber mittlerweile ein sehr ungewohntes und damit erfrischendes Erlebnis, das Geschehen aus der Luft zu betrachten, was auch beim Fahren der Autos ganz eigene Kniffe mit sich bringt (wie das Umdenken beim Lenken bei der Änderung der Fahrtrichtung). Popkulturelle Anspielungen, die klasse Musik und die überzogene Darstellung der Gangstergeschichte amüsieren nach wie vor. Damit ist GTA 2 aus heutiger Sicht spielerisch wohl kein Brenner mehr, aber eine interessante Zeitreise.

Wann habt ihr zuletzt GTA 2 gespielt? Kennt ihr das Spiel überhaupt, oder seid ihr mit den 3D-Teilen in die Serie eingestiegen? Lasst uns in den Kommentaren wissen, was ihr heute von dem Klassiker haltet!

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Tags: Abgestaubt   Retro  

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