JRPGs und ich:Wie eine totgeglaubte Liebe wieder erblühte - Seite 2 (Kolumne)

Und dann sind wir uns zufällig auf der Straße begegnet ...

Es vergingen viele Jahre, als ich vor gar nicht allzu langer Zeit aus beruflichen Gründen genötigt war, mir mehrere JRPGs genauer anzusehen, um auch darüber berichten zu können. Also die Backen zusammengekniffen, objektiven Blick aufgesetzt und ... dann ist was geschehen. Etwas, womit ich absolut nicht gerechnet hätte.

Tales of Berseria: Bunt, krachend und vollkommen "over the top". So will ich meine JRPGs.Tales of Berseria: Bunt, krachend und vollkommen "over the top". So will ich meine JRPGs.

Auslöser waren gleichermaßen Nier - Automata, Tales of Berseria und Persona 5. Alles Produktionen, die zwar unter dem Schlagwort "JRPG" rangieren, aber dennoch gänzlich unterschiedlich sind. Jede hat auf ihre Weise etwas in mir wieder zum Leben erweckt, von dem ich glaubte, dass es mich schon längst verlassen hätte. So als ob man jemandem zufällig auf der Straße über den Weg läuft, sich die Blicke kurz streifen und man erst eine ewig lange Sekunde später realisiert: "War das nicht ... Sind wir nicht mal ... Ich sollte jetzt wirklich ..." Und dann fasst man allen Mut, dreht sich um, um diese Person anzusprechen und stellt fest, dass sie das gleiche vorhatte, bereits dasteht und genauso verwirrt aussieht wie man selbst. Und dann lachen beide und reden miteinander.

Meine Liebe war zurückgekehrt. Ohne Vorwarnung, ohne wenn und aber. Ich habe die sterbende Welt von Nier - Automata besucht und eine Geschichte erlebt, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Auch die hervorragende Kampfmechanik hat es mir angetan, selbst der desolaten Welt konnte ich einen spröden Charme abgewinnen. Dann war da das erstaunlich dunkle Tales of Berseria, dass dennoch den für die Serie typisch übertriebenen Stil mit sich brachte. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich mich wieder über das hektische, augenscheinlich chaotische aber tatsächlich komplett durchkalkulierte Geschehen auf dem Schlachtfeld freuen. Den Rest gegeben hat mir aber Persona 5, das mir bewiesen hat, wie modernes Design in Kombination mit traditionellen Darstellungsformen eine neue, bessere Symbiose eingehen kann.

Lass uns nochmal von vorne beginnen

Hier von einer Offenbarung zu sprechen, wäre natürlich maßlos übertrieben. Aber das Gefühl, das ich dabei hatte, ging schon in diese Richtung. Vor mir tat sich eine Welt auf, die ich schon unzählige Male besucht habe, die ich aber erst jetzt mit offenen Augen sehen konnte. Oder vielleicht wieder mit offenen Augen, oder mit einem anderen Blick, vielleicht auch nur aus einer anderen Perspektive. So zumindest die eine Möglichkeit.

Hat mehr zu bieten als das Auge sieht: Nier - Automata

Die andere lautet: JRPGs haben sich endlich weiterentwickelt. Sie haben ihre ständig wiederkehrende erzählerische Formel durchbrochen, wagen etwas Neues und können auch in grafischer Hinsicht vermitteln, dass sie noch immer etwas Besonderes sind. Sind sind sowohl ein Kulturgut aus einem anderen Land, das man studieren und sich daran erfreuen kann, als auch ein Teil der internationalen und kontemporären Pop-Kultur. Als solches haben sie einen wichtigen Beitrag zu leisten, der oft über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht.

Das heißt nicht, dass ich nun plötzlich auf die Knie falle und JRPGs bedingungslos anbete. Im Gegenteil: Dadurch, dass wir unsere Beziehung schon mal aufgegeben haben, sehe ich die Dinge nun kritischer, teilweise auch vorsichtiger. Es gibt immer noch zahllose Szenarien und Designs, die ich abgrundtief scheußlich finde. Von Kindfrauen mit Riesenbrüsten angefangen über generische Designs, die nur aus Gürteln und Reißverschlüssen zu bestehen scheinen, bis hin zu grauenvoller Schreibarbeit, die sich so dämlich liest wie sie sich anhört. Für hysterische Fans, die mich auf offener Straße mit verweinten Augen und sich überschlagender, gurgelnder Stimme anschreien, weil ich Final Fantasy 13 nicht mag (ja, auch das ist schon vorgekommen), habe ich nach wie vor nur Mitleid übrig. Bei aller Liebe: Meine Meinung lass ich mir sicher nicht wegbrüllen.

FF13: Tut mir Leid, Lightning, aber mit uns wird das dennoch nichts mehr.FF13: Tut mir Leid, Lightning, aber mit uns wird das dennoch nichts mehr.

Doch bin ich weit davon entfernt, JRPGs einfach "nur" zu konsumieren und dann als abgehakt zu betrachten. Und wenn man jemanden mag, verzeiht man ihm auch seine kleinen Schrullen. Auch das musste ich in dieser Hinsicht erst lernen. Tatsächlich bin ich mir noch nicht mal zur Gänze sicher, ob ich wirklich eine alte Liebe auch als solche wiedergefunden habe. Auf jeden Fall sind wir nun verdammt gute Freunde, die sich jede Menge zu erzählen haben. Und oft hält eine ehrliche Freundschaft länger als eine impulsive Liebe.

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