Test Masters of Anima: Alles reine Formsache

von René Wiesenthal (10. April 2018)

Ist Pikmin-like ein eigenes Subgenre? In jedem Fall diente das Spiel den Entwicklern von Masters of Anima als kreatives Vorbild. Im Test sagen wir euch wie gut ihnen dieser Strategie-Rollenspiel-Mix gelungen ist.

Wenn von Masters of Anima die Rede ist, liegt es sehr nah, den Vergleich zu Pikmin zu ziehen. Das kommt daher, dass das Spiel ganz offensichtlich von Nintendos Strategiereihe inspiriert wurde. Wir möchten uns aber gar nicht damit aufhalten, die Spiele gegenüberzustellen, sondern betrachten lieber, wie gekonnt Masters of Anima mit dem geistigen Erbe von Pikmin umgeht.

Die Beliebtheit von Pikmin hat Entwickler ohnehin schon einige Male dazu beflügelt, sich selbst an dem eigentümlichen Genre-Mix zu versuchen – zu Spielen wie Little King’s Story zum Beispiel, und auch in Overlord findet sich die Idee wieder. Jetzt bekommen Fans das Konzeptes mit Masters of Anima die Gelegenheit, es in einem ganz frischen Spieluniversum zu erleben.

Masters of Anima ist erhältlich für PlayStation 4, Xbox One, Switch und PC. Getestet haben wir die PS4-Version.

Gespaltene Persönlichkeit

Alltagsprobleme: Ihr kommt von einer bestandenen Prüfung nach Hause, um eure Verlobte mit der freudigen Nachricht zu beeindrucken. Vorm Haus angekommen müsst ihr feststellen, dass die Gute sehr gespalten ist. Die Dame ist aber nicht etwa unentschlossen, was sie davon halten soll - vielmehr wurde Ana von einem Zauberer ihrer Essenz beraubt und in drei Teile zerlegt. Nun ist es an Otto, eurem Avatar und frisch gebackenem Meister des Anima, sie und vielleicht die ganze Welt zu retten.

In bewegten Bildern bekommt ihr einen guten ersten Eindruck von Masters of Anima:

Menschen, die die Anima kontrollieren können - eine Lebenskraft, die sich durch das ganze Land zieht - werden in Masters of Anima "Former" genannt. Deswegen, weil sie mit Hilfe dieser Kraft Wächter erschaffen können, die ihnen unterstützend zur Seite stehen. Otto ist ein solcher Former, aber eigentlich nur Meister der Anima geworden, um Ana – die Oberste Formerin – heiraten zu können. Das hört sich sicher alles etwas ulkig an, ist im Spiel passend dazu aber auch sehr augenzwinkernd umgesetzt. Euer unfreiwilliger Held ist ein kleiner Schelm und kommentiert das Geschehen immer wieder auf launige Art und Weise.

Je mehr, desto besser

Um eure Ehefrau in spe wieder zusammenzuflicken, macht ihr euch mit einer ersten Staffel von Wächtern auf den Weg, dem bösen Zauberer Zahr an die Gurgel zu gehen. Zu Beginn sind es Nahkämpfer mit starker Verteidigung, die ihr heraufbeschwören könnt, um sie für euch kämpfen und Gegenstände verschieben zu lassen. Im weiteren Verlauf des Spiels gesellen sich unter anderem Bogenschützen und Heilmagier hinzu. Die Wächter verfügen alle über einzigartige Fähigkeiten, von denen ihr dringend Gebrauch machen müsst. Denn der Weg zu Zahr ist nicht nur gepflastert mit Rätselaufgaben, sondern auch mit den bösartigen Golems des Zauberers, die euch das Fell über die Ohren ziehen, wenn ihr keine Wächter bei euch habt.

Ein starkes Team: Otto und seine Anima-Wächter.Ein starkes Team: Otto und seine Anima-Wächter.

Diese könnt ihr bis zu einer sich stetig erweiternden Grenze heraufbeschwören – bis zu 100 Stück gegen Ende des Spiels – und entweder einzeln, klassenweise oder insgesamt befehligen. Ihr steuert nur Otto direkt, könnt und müsst mit ihm ebenso ins Geschehen eingreifen, zuschlagen und Objekte schleppen zum Beispiel. Die Wächter kommandiert ihr über einen Cursor, den Otto vor sich herschiebt oder mittels "Lock On"-Funktion. Das alles zeitgleich zu koordinieren wird mit wachsender Wächter- und Gegnerzahl enorm fordernd und spielt sich auf PC vermutlich um einiges intuitiver als auf der Konsole. Aber mit der Zeit bekommt ihr auch auf dem Gamepad den Dreh raus und freut euch über Erfolge im Kampf und beim Rätseln.

Golem or go home!

Die Golems, die ihr bekämpft, sind zwar (meistens) eher langsam, haben aber verschiedene Rhythmen und Angriffsvarianten, auf die ihr mitunter mit jedem Grüppchen eurer Wächter individuell reagieren müsst. Ein Beispiel: Eure Nahkämpfer halten gerade einen Golem in Schach und werden durch seine Schläge ausgedünnt. Zeitgleich kündigt sich ein Steinwurf eines zweiten Golems an, der eure taktisch im Gebüsch platzierten Fernkämpfer aufs Korn nehmen will.

Die Nahkämpfer halten den Golem in Schach. Die Fernkämpfer teilen den eigentlichen Schaden aus.Die Nahkämpfer halten den Golem in Schach. Die Fernkämpfer teilen den eigentlichen Schaden aus.

So wie ihr diese in Sicherheit bringt, setzt Golem Nummer 1 zu einer Urgewalt an, die ihr schleunigst mit einem Spezialangriff eurer Nahkämpfer unterbinden müsst. Das kann so stressig werden, wie es sich liest und erfordert neben teils blitzschneller Reaktion auch, dass ihr die Phasen der Kämpfe gut lesen könnt. Eine ordentliche Portion Frustresistenz sollte ebenso vorhanden sein, weil nicht immer alles auf Anhiebt so klappt wie gewünscht.

Übung macht den Anima-Meister

Die Rätsel in den äußert linearen Welten fallen niemals unlösbar aus, werden aber - wie die Kämpfe - zunehmend kniffliger. Abzweige in Levels führen zu Sammelobjekten, die oft einen direkten Nutzen haben – zum Beispiel die Erweiterung der Anima-Kapazität, welche sich aufbraucht, wenn ihr bestimmte Artefakte aktiviert oder eben Wächter beschwört. Jedes Kapitel beinhaltet außerdem optionale Bonusmissionen, die euch zusätzliche Erfahrungspunkte bescheren. Deren Höhe entscheidet sich ebenso abhängig davon, wie gut ihr euch in Kämpfen geschlagen habt. Am Ende der Kapitel werdet ihr ausgezahlt und könnt sie einsetzen, um euch oder die bisher freigespielten Wächterklassen aufzubessern. Das alles ergibt mit der Zeit einen schönen Flow aus simplen aber anspruchsvollen Spielelementen.

Technisch gibt sich Masters of Anima keine Blöße, haut aber auch nicht vom Hocker. Die Umgebung ist meist recht farbarm und großflächig texturiert, so dass sich Figuren und Handlungsanimationen gut davon abheben und die Übersicht einigermaßen gewahrt bleibt. Auf PlayStation 4 läuft das Spiel zu jeder Zeit ruckelfrei. Die einfache Geschichte ist liebevoll vertont, was der gesamten Stimmung des Spiels sehr zuträglich ist.

Meinung von René Wiesenthal

So wie die Wächter von Otto, ist auch Masters of Anima selbst eine Kreation geformt aus bestehender Materie, der neues Leben eingehaucht wurde. Es erfindet das Rad nicht neu, aber baut es formschön und ohne große Dellen nach. Kurzum: Die Mischung aus Rollen- und Strategiespiel ist gut gelungen.

Masters of Anima legt den Fokus ganz klar auf einen spaßigen Iterations-Zyklus und eine steile Lernkurve. Das von Pikmin abgeguckte Konzept ist fordernd und mit genügend eigenen Ideen umgesetzt, viel zu erleben gibt es abseits der geradlinigen Pfade aber nicht.

Denn das Leveldesign und der generelle Überbau der Spielmechanik sind etwas zu simpel und eine Motivation abseits der gleichbleibenden Spielabfolge ist nicht wirklich gegeben. Außerdem kann die Steuerung auf PlayStation 4 manche Spieler nach dem sachten Einstieg schnell überfordern und zu Frust führen. So wirklich optimal spielt sich Masters of Anima auf der Konsole einfach nicht.

Wer schnelle Reflexe und eine gute Koordinationsfähigkeit in teils chaotischen Situationen bewahren kann, sollte sich der Herausfoderung aber annehmen. Vor allem, weil es wenige andere Spiele gibt, die diesen Stil bedienen. Spieler, die eine packende Handlung, viel spielerische Freiheit und eine intuitive Steuerung wünschen, sind zumindest auf PlayStation 4 vermutlich an der falschen Adresse.

78

meint: Stark von Pikmin inspirierter Mix aus Echtzeit-Strategie und Rollenspiel. Etwas zu linear und hektisch, aber dennoch fordernd und unterhaltsam.

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Tags: Fantasy   Singleplayer  

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