Vorschau PC Building Simulator: Werkeln bis die Miete fällig ist

von Marvin Heiden (11. April 2018)

Simulatoren gibt es für eine ganze Reihe an Tätigkeiten: Landwirtschaft, Busfahren, Segelfliegen. Mit dem seit kurzem erhältlichen PC Building Simulator müsst ihr nun endlich nicht einmal mehr virtuell an die frische Luft gehen. Taucht mit uns ein in die aufregende Welt des Hardware-Supports!

Vor mir steht ein leeres Gehäuse. In einer Kiste daneben liegen diverse PC-Komponenten: Netzteil, Mainboard, Grafikkarte, CPU, Festplatte. Für einen kurzen Moment verliere ich die Fassung ob der schwierigen Aufgabe, meinen eigenen Computer zusammenzubasteln. Doch ich mache mich frisch ans Werk, folge genau der Anleitung. Die Kabel scheinen wie von selbst ihren Weg an die richtigen Stellen zu finden und ich bin überrascht, wie gut mir der Zusammenbau gelingt. Dann der große Moment: Ich drücke den Stromschalter, der PC fährt hoch und auf dem Bildschirm erscheint ... der PC Building Simulator!

Diese bahnbrechende Computer-Action wird euch versprochen:

Nachdem ich das Tutorial abgeschlossen habe, spiele ich also auf dem virtuellen Rechner im Spiel das Spiel, das ich gerade spiele. In meinen Augenwinkeln beginnen die Realitätsebenen bereits zu verschwimmen, doch ich lasse mich nicht beirren und fahre mit meiner Mission fort. Ich stelle mich einer großen Herausforderung: Ich will der beste Hard- und Software-Dienstleister werden, den meine Vorstadt je gesehen hat. Der Karriere-Modus ruft!

Meine Basis: Der feuchte Traum eines jeden Hardware-Fachmanns.Meine Basis: Der feuchte Traum eines jeden Hardware-Fachmanns.

Ich betrete mein Hauptquartier und fühle mich sofort wie in der Bat-Höhle für Technik-Enthusiasten. Links ein Regal mit originalverpackten Komponenten, rechts meine Arbeitsfläche mit Supercomputer (16GB Speicher!), Fenster mit geschlossenen Sonnenblenden. Im Hintergrund läuft treibende "Heavy Metal"-Musik über die Boxen. Die Wände sind mit den Fahndungspostern für die kriminell-leistungsstärksten Prozessoren unserer Zeit dekoriert. Von hier aus operiere ich nun. Das Ziel meiner Anstrengungen? Endlich von eigenem Geld die Miete bezahlen zu können!

Monatsmiete: Auf eurem Kalender seht ihr jederzeit, wann der Tag der Abrechnung gekommen ist. Monatsmiete: Auf eurem Kalender seht ihr jederzeit, wann der Tag der Abrechnung gekommen ist.

Ich checke meine E-Mails und schon warten die ersten Aufträge auf mich. Meine treue Klientin Audry berichtet von schockierenden Ereignissen: Eine kaputte Lüftung! Am liebsten würde ich der hilflosen Computer-Unkundigen sofort persönlich zu Hilfe eilen, doch ich kann meine Basis jetzt unmöglich verlassen. Da mir die Hände gebunden sind, bitte ich Audry darum, mir ihren Rechner vorbeizubringen. Parallel bestelle ich schonmal einen Lüfter im Online-Shop meines Vertrauens, damit er morgen pünktlich ankommt. Und weil mir sonst nichts zu tun bleibt, gehe ich also unverrichteter Dinge, aber dennoch mit gutem Gewissen, nach Hause.

Reparatur-Aufträge erhaltet ihr per E-Mail, inklusive stets korrekter Fehlerdiagnose.Reparatur-Aufträge erhaltet ihr per E-Mail, inklusive stets korrekter Fehlerdiagnose.

Der nächste Tag bricht an. Mir ist, als hätte ich meine Werkstatt überhaupt nicht verlassen. Den kaputten Rechner und die Ersatzteile finde ich bereits in meinem Flur. Hatte Audry bei mir eingebrochen? Vorsichtig bewege ich mich um die Ecke. Die Luft ist rein. Ich schnaufe kurz vor Erleichterung, trage den Computer auf meine Werkbank und mache mich an die Arbeit.

Bevor ich das Gehäuse öffnen kann, stehen mir vier Schrauben im Weg. Mühsam klicke ich sie mit dem Mauszeiger einzeln an und warte jeweils fünf Sekunden, bis sie sich von alleine herausgedreht haben. Endlich, der Computer ist offen – und was für eine Dreckschleuder! Bevor ich den Lüfter montieren kann, heißt es also erstmal Saubermachen. Wie praktisch, dass ich immer eine Dose Druckluft griffbereit habe! Als endlich auch die hinterste Ecke staubfrei vor sich hin glänzt, setze ich den Lüfter ans Gehäuse. Schnell angeschraubt und das Kabel angesteckt und fertig!

Schmutzfink am Werk! Rechner zu säubern gehört auch zu euren Aufgaben.Schmutzfink am Werk! Rechner zu säubern gehört auch zu euren Aufgaben.

Doch halt. Irgendetwas scheint nicht ganz zu stimmen. Dann dämmert es mir langsam: Nicht ein Gehäuselüfter sollte installiert werden, sondern ein CPU-Kühler! Weil auf Englisch beides als „fan“ bezeichnet wird, habe ich das falsche Ersatzteil gekauft. Leider habe ich den korrekten Kühler nicht vorrätig, also muss ich zuerst einen bestellen, dann einen Tag warten und kann schließlich mit der Reparatur fortfahren. Was für ein Krampf!

Der nächste Tag. Die CPU-Kühleinheit ist angekommen und bereit zum Einbau. Ich entferne das defekte Teil aus dem Gehäuse, ersetze es und schraube die Kiste stolz wieder zu. Ich drücke den Einschaltknopf, nichts geschieht. Na klar, wie auch, der Computer ist schließlich noch gar nicht angeschlossen! Also umdrehen, Strom-, HDMI- und Peripherie-Kabel einzeln (!) anklicken und an den richtigen Ports am Rechner anschließen. Einschalten.

Jetzt muss es aber klappen, denke ich mir, doch irgendetwas verhindert weiterhin die Abnahme. Ich recherchiere in meinem Aufgabenlog, was ich falsch gemacht haben soll. Während mein Blick über die Einträge der Checkliste gleitet, stirbt innerlich ein kleiner Teil von mir. Ich habe doch tatsächlich die Kühlpaste vergessen! Im Klartext heißt das für mich, ich darf alles nochmal auseinanderbauen, nur um einen kleinen Klecks grauer Zahncreme auf die CPU zu schmieren. Also wieder alle Schrauben einzeln rausdrehen ...

An dieser Stelle wird mir der Simulator dann doch zu realistisch. Ich lasse mein virtuelles Dasein als professioneller Computer-Supporter hinter mir, kehre in mein reales leben zurück und erfreue mich an dem Rechner, den ich fertig zusammengebaut im Laden gekauft habe.

Meinung von Marvin Heiden

Der PC Building Simulator ist ein Spiel für Personen, die sich gerne zur PC-Masterrace zählen würden, aber nicht bereit sind, viel Geld für ihre Wunderkiste auszugeben. Wozu auch? Bekommt man doch schließlich dutzende real existierende Komponenten von Herstellern wie Intel, Gigabyte, AMD und mehr als virtuelle Variante in diesem Simulator.

Ganz ohne Ironie muss man allerdings festhalten, dass das Spiel sich zwar Mühe gibt, den Bauprozess eines Desktop-Rechners möglichst detailreich abzubilden, hier aber hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Die Arbeitsschritte sind zu kleinteilig, als dass sie über einen längeren Zeitraum Spaß machen würden, und insgesamt zu vereinfacht dargestellt, um als Anleitung für einen realen Rechnerbau dienen zu können. Manche Details sind sogar schlichtweg falsch (mehrere RAM-Riegel unterschiedlicher Hersteller werden parallel verbaut) oder einfach unnötig (Herausschrauben der Abstandshalter beim Mainboard-Tausch).

Der Karriere-Modus bietet nicht genug Abwechslung und ist auf Dauer zu einfach. Auch der „Free Build“-Modus, in dem ihr euch aus sämtlichen Komponenten euren Traumrechner zusammenstellen könnt, wird schnell langweilig und weiß daher nicht zu überzeugen. Wenn euch das Spiel letztendlich eines zu vermitteln vermag, dann den tristen und eintönigen Alltag eines PC-Reparateurs.

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Tags: Fun   Singleplayer  

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