Zweifel: Wie Far Cry 5 mit den Spielern spielt

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (12. April 2018)

Gut zwei Wochen könnt ihr Far Cry 5 nun schon spielen. Genug Zeit also, um dieses Spiel bis in die letzten Winkel zu ergründen. Genau das habe auch ich die letzten Wochen über getan. Dabei habe ich mir drei Fragen immer wieder gestellt.

Wohl eine der beklopptesten Missionen in Far Cry 5:

Von Videospielen lernen. Das ist so eine Sache. Freilich soll das Medium in erster Linie unterhalten und nicht lehren. Dennoch kann es vorkommen, dass man aus einem guten Spiel - und auf ganz andere Art und Weise auch aus einem schlechten Spiel - etwas mitnimmt. Dass man etwas über sich selbst lernt, etwas fürs Leben lernt, oder auch einfach nur unnützes Wissen anhäuft, das man dann nie wieder aus dem Hirn bekommt. In dieser Reihe wollen wir euch von unseren Erfahrungen berichten, die wir während des Spielens gemacht haben. Von lebensverändernden Weisheiten bis zu erspieltem Blödsinn kann alles dabei sein.

Alle Artikel dieser Reihe findet ihr hier.

1. Will ich diese Mitkämpfer wirklich?

In Far Cry 5 könnt ihr nach und nach vom Computer gesteuerte Charaktere freispielen, die ihr dann in einem Menü anwählen könnt. Diese folgen euch dann und ihr könnt ihnen Befehle geben - bleib hier, greif an, und so weiter.

Diese Charaktere müsst ihr im Spiel jedoch erst befreien. Dafür gilt es, Missionen zu erfüllen, die euch auf der Karte ausgewiesen werden. Anhand dieser Missionen erkennt ihr oftmals schon, um was für einen Menschen es sich handelt, dem ihr helfen sollt. Sharky etwa findet ihr in einem Trailerpark. Dort macht er es sich zum Spaß, die sogenannten Angels zu erschießen. Also Menschen, die unter starkem Drogeneinfluss sehr zombieartige Züge bekommen.

Bei dieser Mission wurde mir schon ein wenig mulmig. Denn Sharky macht laut Musik an um diese Angels anzulocken - und dann zu erschießen. Doch ich absolvierte diese Mission, um Sharky fortan als Begleiter zu haben. Im Spielverlauf aber ertappte ich mich immer wieder dabei, dass ich ihn bewusst nicht wählte, obwohl er mit seinen Feuer-Waffen doch eigentlich gut zur jeweiligen Mission passte. Alleine aus dem Grund, dass er immer wieder Sprüche brachte, die mir sauer aufstießen. Das mag für euch nun wie eine Lapalie klingen. Aber ich entwickelte eine richtige Antipathie. Das Spiel ließ mich bei einigen Charaktere darüber nachdenken, ob ich mich wirklich mit diesen assoziieren möchte. Das passiert für mich in einem Videospiel nicht oft.

2. Was mache ich hier eigentlich?

Zunächst scheinen in Far Cry 5 die Fronten sehr klar: Ich als Spieler bin gut - meine Gegner sind böse Fanatiker. Zumal das gerade in diesem Spiel ja ein sehr interessantes Szenario ist: es handelt sich um eine eindeutig christlich konnotierte Gruppierung, die da einen Landstrich übernehmen möchte. Das ist eine Thematik, die in Videospielen sonst kaum behandelt wird.

Doch je länger ich gespielt habe und je mehr ich auch Charaktere erlebt habe, die total inhuman sind, aber doch zu "den Guten" gehören, desto mehr habe ich mich gefragt, was ich da eigentlich gerade mache. Immer wieder kam mir die Frage, ob ich wirklich zu diesen Guten gehöre. Oder ob das nicht vielmehr mitunter auch ziemlich faschistoide Menschen sind, für die ich da kämpfe. Allesamt mit USA-Flaggen auf der Kleidung und mit patriotischen Sprüchen auf den Lippen.

Vielleicht ist es hier sogar so, dass keine der beiden Seiten "gut" ist. Und dass es sowas auch eigentlich gar nicht gibt. Eine Seite, die per se immer "gut" ist und nur aus anständigen Menschen besteht. Ob das Spiel das nun gewollt hat oder nicht, sei dahingestellt. Aber Far Cry 5 hat mit mir dahingehend schon ein wenig gespielt. Mir immer wieder indirekt die Frage gestellt, ob ich mir eigentlich bewusst bin, was ich da gerade mache.

3. Wieso kann ich nicht einen Schritt weiter gehen?

Wie ihr in den ersten beiden Punkten lesen konntet, spielt Far Cry 5 ziemlich deutlich mit dem Zweifel. Es lässt ein gesundes Misstrauen gegenüber den Zielen eurer Mitstreiter aufkommen, relativiert dabei auch ein wenig die Boshaftigkeit eurer Gegner.

Doch leider ist es mir nicht möglich, diesem Gedankenexperiment auch wirklich zu folgen. Das Faszinierende an Religion und Spiritualität ist doch auch die Fähigkeit, Menschen zu Gläubigen zu machen. Ihnen das Gefühl zu geben, eine Erweckung zu erleben. Genau das möchten diese religiösen Fundamentalisten in dem Spiel ja auch: die Gegner auf ihre Seite ziehen - oder sie vernichten.

Wieso ist es mir im Spiel also nicht möglich, genau diese Option zu wählen? Mich diesem Wahn hinzugeben und die Seiten zu wechseln? Das würde dem Spiel meiner Meinung nach nochmal eine neue Ebene geben. Die Macht der Religion und der Gedanken-Manipulation adäquater darstellen. Wie würde es sich anfühlen, wenn die einstigen Mitkämpfer pötzlich die Gegner sind? Leider hat Far Cry 5 diese Chance nicht genutzt.

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Tags: Drei Dinge gelernt  

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