Künstliche Intelligenz: Möglichkeiten und Gefahren für die Zukunft der Videospiele

(Special)

von Marvin Heiden (14. April 2018)

Viele Spiele werben schon heute mit dem Potenzial ihrer ausgeklügelten KIs. Doch wie intelligent sind die Programme wirklich? Wir haben uns mit zwei Experten auf diesem Gebiet unterhalten und die Tech-Trends von morgen und übermorgen unter die Lupe genommen.

Wahrscheinlich hat jeder von uns schonmal über die unfairen Computergegner irgendeines Spiels geflucht. Typischerweise fallen dann Kommentare wie „Die KI schummelt!“ oder „Ich hab nicht die richtigen Items bekommen!“. Festzuhalten bleibt: Die Schuld wird gerne auf das Spiel und seine Künstliche Intelligenz geschoben. Und das ist aus Sicht eines Spielers absolut verständlich, denn die inneren Prozesse eines Spieles sind für uns Außenstehende meistens nicht unmittelbar nachvollziehbar.

In Detroit - Become Human haben KIs bereits eigenständig ein Bewusstsein entwickelt:

Woher sollen wir auch wissen, ob die Künstliche Intelligenz wirklich „fair“ spielt oder uns eigentlich gerade an der Nase herumführt, weil sie Dinge weiß, die wir nicht wissen können? Dazu müssen wir hinter die Kulissen schauen und uns fragen, was genau eine Künstliche Intelligenz eigentlich ist, wie sie funktioniert und wozu sie überhaupt imstande ist.

Was genau ist denn KI eigentlich?

Wir haben zwei Experten zum Thema gefragt und mussten feststellen, dass der Begriff KI bei weitem nicht so konkret definiert ist, wie man bei der typischerweise eher saloppen Verwendung im Alltag annehmen könnte. Fabian Westerheide, seines Zeichens Technologie-Investor und Berater der Bundesregierung in KI-Fragen, sieht die Definition „wahrer“ Künstlicher Intelligenz beispielsweise in einem sehr engen Rahmen.

„Kognitive Systeme“ seien ihm zufolge das ausschlaggebende Kriterium: „Kognition bedeutet Denken, also Maschinen, die eigene Entscheidungen treffen können. Da fängt für mich Künstliche Intelligenz an.“ Das bedeutet im Klartext, dass eine Software aufgrund von intensiver Datenanalyse Simulations-Szenarien vorberechnen kann, Entscheidungen trifft und letztendlich daraus lernt.

Links: Fabian Westerheide, Rechts: Andreas BrandhorstLinks: Fabian Westerheide, Rechts: Andreas Brandhorst

Intelligente Games

Für ein durchschnittliches Videospiel sind das bereits ziemlich anspruchsvolle Aufgaben. Kann zum Beispiel ein gewöhnlicher Gegner-Bot diesen Anforderungen gerecht werden? Der deutsche Science-Fiction Autor Andreas Brandhorst hat ein deutlich breiteres Verständnis von Künstlicher Intelligenz: „Heutzutage werden eigentlich alle komplexeren Programme als KI bezeichnet, wobei meiner Ansicht nach das Wort Intelligenz ein bisschen missbraucht wird. Das heißt, die meisten Programme können also einen bestimmten Zweck sehr gut erfüllen, vielleicht sogar besser als wir, aber in allen anderen Bereichen ist so eine Software dann nicht einsetzbar.“

Im Gegensatz zu sogenannter „Maschinenintelligenz“ hat eine herkömmliche Künstliche Intelligenz Brandhorst zufolge kein Bewusstsein und kann deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht komplett eigenständig agieren. Das Gegnerverhalten in Games bewegt sich also nach wie vor maximal in den Bahnen sogenannter Low-Level-KIs, die mit Daten und Eingaben gefüttert werden können, um kontextsensitive Ergebnisse zu generieren.

Doch auch hier gibt es bereits einige interessante Ausnahmeprojekte, die die Grenzen des aktuell Möglichen ertasten. Laut Fabian Westerheide enthält der Echtzeitstrategie-Klassiker Starcraft 2 beispielsweise eine solche überdurchschnittlich komplexe KI: „Die KI in Starcraft ist interessanterweise sehr menschenähnlich, und zwar nicht, weil sie besser ist, indem sie bevorteilt wird, sondern indem sie sich an das menschliche Verhalten anpasst.“

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Tags: Science-Fiction  

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