Pssst: Videospiele, lasst endlich mal die Stille zu

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (14. April 2018)

Selbstredend sind Videospiele sehr oft laut. Lassen sie euch doch allzu oft mit allerlei Sprengsätzen, Zaubern und dröhnenden Fahrzeugen hantieren. Doch was ich vermisse, ist ab und zu mal Stille. Das auszuhalten wäre wirklich eine Herausforderung.

Ein Spiel, das euch auch mal aushalten lässt ist etwa dieses:

Trauer etwa. Eine Emotion, die in Videospielen oft eine Rolle spielt. Sie ist eine treibende Kraft für viele Spiele. Der Verlust einer geliebten Person treibt einen Charakter an. Ist der Ausgangspunkt für eine Geschichte, durch die ihr euch dann steuert. Trauer ist oftmals eine wortlose Emotion. Sie kann kaum gefasst werden. Viel zu oft jedoch wird dieser Emotion in Spielen kein Raum geboten.

Ich habe die vergangenen Tage angefangen, God of War zu spielen. Es ist ein bombastisches Spiel. Genau das will und soll es sein. Die exaltierte Wucht des Protagonisten spiegelt sich in allen Aspekten des Spiels wider. In der Brutalität der Gegner, in der Wucht der Umgebung. Aber auch in der Trostlosigkeit der Geschichte um ihn, Kratos. Freilich passen auch die Grafik und der Sound zu dieser Brachialität. Die Entwickler haben hier an nichts gespart.

Doch direkt zu Beginn des Spiels ist mir ein Moment aufgefallen, bei dem ich mir Sparsamkeit gewünscht hätte - und der wunderbar veranschaulicht, worum es mir hier geht. Ich spoilere nicht, wenn ich euch erzähle, dass am Anfang des Spiels Kratos' Frau eingeäschert wird. Auch hier ist diese Trauer und diese Wut der Ausgangspunkt einer langen Reise. Ihr fällt zunächst einen Baum, bringt ihn mit einem Boot zu eurem Haus. Dieser Baum ist einer von vielen, der das Feuer für die Einäscherung nährt.

Es könnte ein sehr eindrücklicher Moment sein: der Sohn zündet Kerzen um den Leichnahm seiner Mutter an, nimmt Abschied von ihr. Danach legt Kratos sie behutsam auf das Bett aus Holz, das gleich angezündet wird. Doch dann macht das Spiel das, was gerade im "AAA"-Bereich leider sehr typisch ist. Es lässt unglaublich "dramatische" Musik abspielen. Frauengesänge ertönen. Die Trauer möchte das Spiel so sehr mit Effekten unterstreichen, dass sie - für mich - direkt überstrichen wird.

Es ist fast so als würde das Spiel die Stille fürchten. Als würde es den Spielern nicht zutrauen, diesen Moment einfach mal schweigend auszuhalten. Das passiert für mich leider viel zu oft. Die Spieler stehen vor einer schwierigen Entscheidung? Dröhnende Musik und Himmelsgesänge! Ein Charakter hält eine Rede über die Schwierigkeit seiner Lage? Pauken und Trompeten! Diese Aufzählung ließe sich beliebig lange fortsetzen.

Mir ist durchaus bewusst, dass dieses Stilmittel vom Film übernommen wurde. Dass es auch da gang und gäbe ist. Doch es besteht ja gar keine Notwendigkeit. Gerade dadurch, dass in einem Videospiel die Entscheidungen auf euch ausgelagert werden, wäre es doch schön, wenn das Spiel einfach mal diese Stille zulassen würde. Die Stimmung des Moments dadurch noch intensiviert. Einfach mal pssst!

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