Das Haar in der Suppe: Warum ihr Spiele kritisieren müsst, wenn ihr sie wirklich mögt

(Kolumne)

von René Wiesenthal (13. April 2018)

Über Geschmack lässt sich nicht streiten – eine Binsenweisheit. Richtig hieße sie aber: Über Geschmack muss gestritten werden. Vor allem, wenn es um Herzensangelegenheiten wie Videospiele geht. Ich möchte euch heute sagen, warum das so ist.

Es läuft manchmal so ab: Ein Spiel ist angekündigt, auf das sich viele Menschen freuen. Magazine und Blogs stürzen sich darauf, sobald sich eine Möglichkeit ergibt und nehmen es in Augenschein. Es wird berichtet, getestet, Wertungen flattern durch die Presse und das Netz. Und siehe da: Ein tolles Spiel! Im Schnitt sind sich die meisten einig, dass ihr das Teil haben solltet.

Die Berichterstattung hat euch heiß gemacht, ihr kauft das Spiel am Erscheinungstag und habt eine richtig gute Zeit damit. Im Internet wollt ihr dann bestätigt bekommen, wie gut das Spiel ist und schmökert in Meinungskommentaren. Doch was ist das!? Irgendwer hat etwas an dem Spiel auszusetzen? Obwohl ihr und viele andere es für ein gutes Spiel halten? Was fällt dem ein?

Far Cry 5 ist trotz viel politischer Kritik enorm beliebt:

Wenn Spiele Kritik empfangen – aus welchen Gründen auch immer – gibt es für fast jedes von ihnen, vor allem aber logischerweise für die Massenlieblinge – einen großen Teil des Publikums, der aufschreit. Egal, wie viel Gutes zuvor an einem Spiel festgestellt wurde, sobald ein Punkt zu Tage tritt, der nicht funktioniert, heißt es, es werde nach dem Haar in der Suppe gesucht.

Natürlich ist nicht jede Kritik gerechtfertigt. Wenn sie aber gut begründet ist, muss sie erlaubt sein, egal wie ihr selbst zu einer bestimmten Sache steht. Sonst gäbe es nur Meinungseinheitsbrei und jeder würde in der eigenen Echokammer vor sich hindümpeln. Dass Kritik zugelassen sein muss, soll hier genauer gesagt heißen, dass sie nicht vorschnell abgewatscht, ein Spiel reflexartig verteidigt, Kritiker beleidigt und ihnen eine Agenda unterstellt werden sollte.

Raus aus der Echokammer, rein in die Diskussion!

Das bedeutet, dass auch ihr selbst euch bei einem Hobby, einer Leidenschaft, etwas das ihr liebt, nicht davon befreien solltet, kritisch zu sein. Ihr könnt euch eingestehen, wenn etwas daneben geht, ohne dass ihr das Spiel damit zum Teufel jagt. So würden die Wenigsten wohl sagen, dass Far Cry 5 kein gutes Spiel ist. Unser Autor ist schwer begeistert davon, wie ihr in seinem Testbericht nachlesen könnt. Das heißt aber nicht, dass Far Cry 5 perfekt ist oder nichts daran ausgesetzt werden darf. In diesem Beispiel ist es vor allem die angerissene, aber nicht zu Ende gesponnene politische Komponente, die für Diskussionen sorgt.

Die Luft nach oben nutzen

Wenn Spielemagazine ausschließlich positiv über gute Spiele berichten würden, könnten sie auch durch PR-Agenturen ersetzt werden. Die Berichterstattung soll aber herausstellen, was gut ist und was nicht, um am Ende eine Orientierung für Leser zu sein, zu welchen Vorlieben das Spiel passt. Entwickler wiederum können sich Kritik – egal ob die von Gamern oder Magazinen – zu Herzen nehmen und sie bestenfalls umsetzen. Somit profitiert auch ihr direkt davon, weil künftig Spiele produziert werden, die noch besser euren Ansprüchen genügen. Was passiert, wenn Spieler und Presse zu lange zu unkritisch sind, zeigt sich heute beispielsweise an fragwürdigen Geschäftsmodellen, die in das Spielerlebnis hineingreifen.

AC - Origins ist auch deswegen so gut, weil Ubisoft die Kritik an den Vorgängern angenommen hat.AC - Origins ist auch deswegen so gut, weil Ubisoft die Kritik an den Vorgängern angenommen hat.

Aus diesem Grund müssen Redakteure auch darauf achten, sich nicht mitreißen zu lassen, völlig überschwänglich und einseitig zu berichten, wenn sie großes Gefallen an einem Spiel finden. Eine differenzierte Bewertung hilft euch dabei, möglichst genau zu wissen, worauf ihr euch bei einem Spiel einlasst und gegebenenfalls könnt ihr Geld sparen, wenn es Punkte gibt, die euch gar nicht zusagen.

Dass dabei auch mal ein Liebling von euch schlecht wegkommt, ist eben ein Ergebnis der Diversität von Ansichten. Wenn ihr diese nicht teilt und gute Gründe dafür habt, könnt ihr sie immer mitteilen. Jedoch bedeutet die Feststellung eines Kritikpunktes bei einem guten Spiel nicht, es völlig schlecht zu reden. Und sie rechtfertigt auch keine wüsten Beschimpfungen.

Habt ihr ein Spiel, bei dem es euch schwergefallen ist, Kritik zuzulassen? Oder seid ihr da ganz entspannt und bildet euch immer eine fundierte Meinung? Wir freuen uns darauf, weiterhin zahlreiche Rückmeldungen zu Spielen von euch zu bekommen und mit euch über sie zu diskutieren. Bestenfalls natürlich freundlich. In diesem Sinne: Locker und offen bleiben!

Irgendwie hat nichts funktioniert

Super Mario Sunshine: Irgendwie hat nichts funktioniert

Für manche ist es ein schwarzer Fleck auf Marios weißer Weste, für andere ist es das beste Mario-Spiel (...) mehr

Weitere Artikel

Diese Collector's Edition ist ein Traum für Fans

Resident Evil 2 Remake: Diese Collector's Edition ist ein Traum für Fans

Seid ihr Sammler großer Collector's Editionen? Habt ihr Bock auf das Remake zu Resident Evil 2? Dann könnt i (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Kolumne-Übersicht

* gesponsorter Link