Mal unter uns: Wir sind selbst daran schuld, dass gute Spiele aussterben

(Kolumne)

von Chiara Bruno (20. April 2018)

Wir Menschen sind geizig. Wir wollen so wenig Geld wie möglich für gutes Essen ausgeben und wundern uns dann über dessen schlechte Qualität. Wir kaufen viel zu günstige Kleidung und ärgern uns über verschmutzte Meere. In Sachen Videospielen gibt es ein ähnliches Muster, denn: Wir wollen so wenig Geld wie möglich für Videospiele ausgeben und wundern uns darüber, dass Lootboxen überhandnehmen und gute Singleplayer-Spiele eine Seltenheit sind. Wir trauern den guten alten Zeiten hinterher, als wir für unsere 50 bis 60 Euro noch komplette Spiele bekommen haben. Ganz ohne Krimskrams wie "Games as a Service". Die traurige Wahrheit ist: Wir sind selbst daran schuld. Zugegebenermaßen auch ich selbst. Und das aus mehreren Gründen.

Vielleicht werden Spiele wie The Witcher 3 bald Geschichte sein

In dieser Reihe geht es manchmal etwas kontrovers, dafür aber immer hochgradig subjektiv zur Sache: Wir präsentieren euch unbequeme und unpopuläre Meinungen, die einfach echt mal raus mussten. Denn: Super Mario ist gar nicht so genial wie alle tun, Flappy Bird macht irgendwie echt Laune und wer nur FIFA spielt, ist kein echter Zocker. Also mal unter uns: "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!"

Viel Spaß damit und bitte nicht vergessen: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Singleplayer kaufen wir im Sale - Multiplayer sofort

Das letzte Spiel, das ich mir nicht im Sale oder nach einer Preissenkung gekauft habe, war Monster Hunter - World. Doch nicht einmal bei Capcoms Monster-Adventure handelt es sich um einen reinen Singleplayer. Der Multiplayer-Aspekt des Spiels, der es euch erlaubt, mit mehreren Spielern auf die Jagd zu gehen, ist ein großer und wichtiger Bestandteil. Und warum habe ich es mir zu Beginn gekauft? Richtig. Ich wollte nichts verpassen, geschweige denn irgendwann nicht mithalten können, weil ich ein zu niedriges Level habe. Zuvor kaufte ich mir das Remake von Final Fantasy 12. Am Erscheinungstag im Juli zahlte ich noch etwas über 50 Euro. Zwei Wochen später sah ich das Spiel für 39,99 Euro im Saturn und heute, nicht einmal ein Jahr später kostet es 29,99 Euro. Hat sich das Spiel für den Vollpreis nicht verkaufen können oder lag es daran, dass es sich um ein Remake handelt?

Der "Black Friday"-Sale des letzten Jahres deutet auf Ersteres hin. Von den zehn meistverkauften Spielen waren acht Singleplayer. Darunter Assassin's Creed - Origins und Wolfenstein 2 - The New Colossus. Zwei Spiele, die an diesem Tag nicht einmal einen Monat alt waren und die ihr euch für ungefähr 40 Euro schnappen konntet.

Der Grund, warum sich Singleplayer häufiger im Sale verkaufen und warum wir erst darauf warten bis sie reduziert sind ist klar: Wir verpassen nichts. Diese Art von Spielen genießen wir meistens sowieso allein. Warum dann nicht warten, bis sie reduziert sind? Mussten diese Unternehmen sogar deswegen ihre Spiele reduzieren, um schlussendlich Gewinne zu machen? Die Folgen unseres Geizes zeigte auch die Schließung von Visceral Games im letzten Jahr. Der Anlass dafür: Lineare Spiele zu produzieren lohne sich einfach nicht mehr.

Lootboxen? Eine Schande!

Lootboxen waren lange kein Thema. Jahrelang störte sich niemand daran, dass sie in kostenlosen Spielen wie League of Legends enthalten sind. Bis im letzten Jahr die große Bombe platzte und Gamer wütend wurden. Ziel des Ärgers war Electronic Arts, die es mit ihrer Lootboxen-Politik ehrlich gesagt wirklich übertrieben haben. Allerdings frage ich mich, wie sich einige Gamer darüber aufregen können, dass sie in kostenlosen Spielen wie Animal Crossing - Pocket Camp enthalten sind. Wohlgemerkt auch, wenn sie ausschließlich einen kosmetischen Nutzen haben. So beschwert sich eine Nutzerin des Google Playstores darüber, dass sie nun "gezwungen" sei, Geld auszugeben. Wahrscheinlich unwissend darüber, dass sie Pocket Camp auch spielen kann, ohne nur einen Cent auszugeben und dass die Entwickler des Spiels nicht nur von Luft und Liebe leben können. Hätte Nintendo das Mobile-Spiel für einen festen Preis angeboten, hätten wir nie wieder etwas über die süße Lebenssimulation gehört.

Lootboxen sind auch den Niederlanden ein Dorn im Auge. Die dortige Glücksspielkommission will im Ernstfall unter anderem das kostenlose Spiel Dota 2 verbieten, wenn es nichts an seiner Lootboxen-Mechanik ändert. Dass Lootboxen überhaupt so ein großes Problem geworden sind, liegt an der Masse der Spiele, die sie beinhalten. Und das nur, weil sich viele Videospiele für einen festen Preis nicht verkaufen würden und sich irgendwie monetarisieren müssen.

Kostenlos? Will ich!

Denke ich fast ein Jahr zurück, sehe ich die Momente vor meinen Augen, in denen ich mir beinahe die Ohren zuhielt, als der Name Playerunknown's Battlegrounds fiel. PUBG wurde dieses Jahr allerdings vom Hype-Thron gestoßen, als da plötzlich Fortnite Battle Royale war - das kostenlose Pendant. Was überraschenderweise wirklich wenige wissen: Das originale Fortnite ist eine kostenpflichtige Kampagne, an der die Entwickler sechs Jahre gearbeitet haben. Und der "Battle Royale"-Modus? Für den brauchten sie mal eben zwei schlappe Monate. Dafür hat dieser 45 Millionen Spieler, während nur 500.000 bereit waren, Geld für die Kampagne zu bezahlen.

Auch hier muss ich erneut eine Beichte ablegen. PUBG spiele ich nur auf der kostenlosen mobilen Version. Das liegt allerdings hauptsächlich daran, dass ich keinen guten PC habe. An den Höhepunkt der Dreistigkeit gelangen allerdings die Spieler, die sich einen Android-Emulator auf ihrem Computer installieren, um dort dann PUBG Mobile kostenlos zu spielen.

So heißt es in einem Kommentar in einer Facebookgruppe:

  • PUBG Mobile ist kostenlos
  • Android-Emulator herunterladen
  • Profit

Der Profit bleibt allerdings für den Entwickler aus. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann ja nur noch kostenlose Spiele, die sich durch Lootboxen finanzieren. Dann sollten wir uns allerdings im Klaren sein, dass wir auch daran schuld sind.

Tags: Multiplayer   Singleplayer   Mal unter uns  

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