Wachablöse beim 3DS? Wie sieht das eigentlich mit einem Nachfolger aus?

(Kolumne)

von Micky Auer (23. April 2018)

Nintendo Switch lässt die Grenzen zwischen mobilem und stationärem Gaming verschwimmen. Da stellt sich die Frage, ob der Nintendo 3DS noch gebraucht wird und/oder ob ein Nachfolger sinnvoll ist.

Seit Februar 2011 gibt es den Nintendo 3DS. In den vergangenen sieben Jahren gab es Upgrades für die Hardware, das eine oder andere neue Design und den Nintendo 2DS, der immer noch zur gleichen Produktlinie gehört, jedoch auf die integrale und namensgebende Funktion des 3DS verzichtet: Er stellt keine 3D-Bilder dar. Und ist trotzdem erfolgreich.

Sechs bis sieben Jahre sind in der Welt der Konsolen im Normalfall ein Lebenszyklus, was auf Nintendo-Handhelds jedoch nicht so exakt zutrifft. Zum Beispiel hielt sich der Game Boy ganze zwölf Jahre auf dem Markt, bevor die Marke mit dem Game Boy Advance eine tatsächlich stärkere Hardware spendiert bekam. Die hielt sich dann nochmal drei Jahre lang.

Dann brach mit dem Nintendo DS ein neues Zeitalter der Handhelds an. Auch den gab es in mehreren Ausführungen, jedoch blieb die Leistungsfähigkeit der Hardware mehr oder minder unverändert, und zwar ganze sieben Jahre lang.

Nintendo Switch, die aktuelle stationäre Konsole von Nintendo, ist nun mal genau das eben nicht, nämlich stationär. Zumindest nicht nur. Switch ist ein Hybrid. Ihr könnt die Konsole ebenso zu Hause am Fernseher nutzen wie unterwegs. Aber ist der Aspekt "unterwegs" nicht voll und ganz dem Nintendo 3DS vorbehalten? Ist das Handheld denn nicht perfekt darauf zugeschnitten, mobil zu sein? Kannibalisiert sich Nintendo mit der Switch den eigenen Handheld-Markt?

Die Frage ist mit Sicherheit nicht ganz einfach zu beantworten, denn die Wege von Nintendo sind oft verschlungen. Der japanische Konzern möchte natürlich auch nicht potenzielle 3DS-Käufer verunsichern, hält sich daher mit klaren Ansagen hinsichtlich der Aufgabe der 3DS-Produktlinie zurück. Dennoch ist es an der Zeit, sich als interessierter Spieler Gedanken dazu zu machen.

Switch löst den 3DS (noch) nicht ab, sagt Nintendo

Erst ein Jahr alt und schon gibt es neue, kreative Konzepte für Nintendo Switch. So wie Nintendo Labo:

Ollie Barder, seines Zeichens Redakteur für die US-Seite Forbes.com hat bereits im Februar 2017, also noch vor dem Release von Nintendo Switch, die direkte Frage an den Konzern gestellt, ob denn ein Nachfolger für den 3DS angedacht sei. Nach mehreren nichtssagenden und äußerst offenen Antworten im klassischen Firmenstil konnte er schließlich tatsächlich ein Statement von Tatsumi Kimishima ergattern. Der ist nicht irgendjemand, sondern der derzeitige Präsident von Nintendo. Die Antwort lautet wie folgt:

"Was Ihre Frage bezüglich des Nintendo 3DS betrifft: Wir glauben, dass er mit Nintendo Switch eine Zeit lang koexistieren kann. Der Nintendo 3DS ist ein anderes System und unterscheidet sich von Nintendo Switch in Form, Gewicht, Preis sowie der Art und Anzahl aktuell verfügbarer Software. Von dieser Perspektive ausgehend glaube ich, dass Eltern den Nintendo 3DS wählen würden, wenn es um die allererste Konsole für ihre Kinder geht. Daher ist uns bewusst, dass der Nintendo 3DS als portable Konsole andere Bedürfnisse deckt und auch einen anderen Markt anspricht als Nintendo Switch."

Übersetzt heißt das: Zurzeit können Nintendo Switch und 3DS gleichzeitig verkauft werden. Sie sind zu unterschiedlich als dass sie sich gegenseitig den Markt streitig machen würden. Und: Nintendo Switch ist nicht der Nachfolger des 3DS.

Maßgeblich am Erfolg der Switch beteiligt: The Legend of Zelda - Breath of the WildMaßgeblich am Erfolg der Switch beteiligt: The Legend of Zelda - Breath of the Wild

Gut. Verstanden. Bedenkt aber, dass dieses Statement an allen Enden offen ist. Denn schon zur Veröffentlichung des Nintendo DS hat der Konzern aus Kyoto offiziell kommuniziert, dass der DS keinesfalles der Nachfolger des Game Boy sei, dieser seine eigene Produktlinie darstelle und beide Systeme unterstützt werden würden.

Was der Konsument aus einer solchen Aussage raushört, ist: "Es gibt zwei unterschiedliche Konsolen. Sie haben nichts miteinander zu tun und ich kann mir beide kaufen, weil es für beide unterschiedliche Spiele gibt." Das haben seinerzeit sicherlich viele Leute geglaubt, und auf einmal war der Game Boy weg und es gab nur noch den DS. Dass der bis zum ersten "Game Boy"-Modell abwärtskompatibel ist hat niemanden stutzig gemacht? Nun gut, kann passieren.

Genau genommen hat Nintendo schon damals nicht gelogen. Der DS trug niemals ein "Game Boy"-Logo oder wurde als Teil dieser Produktlinie vermarktet, also ist er rein technisch gesehen kein Nachfolger. Auch gab es nach Erscheinen des DS noch neue Spiele für den Game Boy Advance. Nicht mehr viele, aber er wurde noch kurze Zeit unterstützt. Nintendo hat niemals angegeben für wie lange das der Fall sein würde.

Nur, um es klarzustellen: Ich mache Nintendo keinerlei Vorwürfe. Ich versuche lediglich herauszufinden, ob Nintendo Switch - wenn nicht jetzt gleich, dann vielleicht in der Zukunft - doch so etwas wie der Nachfolger des 3DS sein könnte. Denn ausgeschlossen hat das selbst Präsident Kimishima nicht. Er sprach ja lediglich davon, dass er zurzeit keine Notwendigkeit dafür sieht.

Und wie steht's mit einem "echten" Nachfolger?

Es gibt da einen Namen, der dafür sorgt, dass Nintendo auch ein Stück Holz verkaufen könnte, solange für dieses Stück Holz ein Spiel erscheint, das diesen magischen Namen trägt. Ja, das war jetzt natürlich arg überspitzt ausgedrückt. Fakt ist aber: Die meisten Produkte, auf denen das Logo von "Pokémon" prangt, sind eine Lizenz zum Gelddrucken.

Der erste Game Boy war das Zuhause von Pokémon Rote und Blaue Edition. Der 3DS bietet mit Pokémon Ultrasonne und Ultramond die aktuellen Ableger des unzerstörbaren Dauerbrenners. Pokémon ist mit den kleinen Handhelds von Nintendo auf eine nostalgische Art und Weise verbunden, die sich leichter erklären als mit anderer Hardware reproduzieren lässt. Zwar hegen zahlreiche Spieler schon seit fast 20 Jahren den Wunsch, ein Pokémon-Hauptspiel mal auf einer stationären Konsole und somit zu Hause auf dem Fernseher zu erleben, jedoch erschienen dafür bis jetzt hauptsächlich Spin-Offs und kreative Experimente.

Pokémon: Der ewige Hit ist untrennbar mit Nintendo-Handhelds verbunden.

Damit aber nicht genug. Die Verkaufszahlen des 3DS sind stabil, neue Releases gibt es nach wie vor. Auch kommen Publisher langsam auf den Geschmack von Remakes, wie am Beispiel von Radiant Historia - Perfect Chronology zu sehen ist. (Oder auch an mehreren Teilen der "Dragon Quest"-Serie, die mit vergleichsweise geringem Aufwand in komplett neuer Optik auf den 3DS portiert werden.)

Der Nintendo 3DS ist höchst lebendig und erfreut sich einer großen Anhängerschaft. Da fällt es Nintendo natürlich leicht zu sagen, dass kein Release eines Nachfolgers geplant ist. Aber auch hier solltet ihr euer Augenmerk auf die Wortwahl legen: Es ist kein Release eines Nachfolgers geplant. Mit keiner Silbe wird hier erwähnt, ob oder ob nicht ganz tief in den Eingeweiden des Nintendo-Hauptquartiers neue Technik erforscht wird. Nintendo erlaubt sich keinen Stillstand. Daher ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass in der Entwicklungsabteilung bereits die Köpfe rauchen, um ein Hardware-Konzept umzusetzen, sobald der Bedarf dafür geweckt wird oder die Notwendigkeit besteht.

Von DS auf 3DS: Radiant Historia - Perfect Chronology. Remakes funktionieren auch auf 3DS hervorragend.Von DS auf 3DS: Radiant Historia - Perfect Chronology. Remakes funktionieren auch auf 3DS hervorragend.

Aktuell sieht es aber eben nicht danach aus. Nintendo Switch verkauft sich sehr gut, der Nintendo 3DS hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung verdient. Es gibt aber einen Faktor, der letzten Endes immer der bestimmende bleiben wird: Das seid ihr selber, die Fans und Konsumenten. Euer Kaufverhalten wird in diesem Fall Nintendo dazu bewegen, eine Produktlinie einzustellen oder weiterzuführen.

Denn egal von welcher Seite ihr es betrachtet: Wer heute nach einem Handheld sucht, wird vermutlich eher zu Nintendo Switch als zum 3DS greifen, schon allein, weil der 2-in-1-Gedanke viele Leute anspricht. Oder auch, weil wir stets bemüht sind, die neueste Hardware unser eigen zu nennen. Oder weil Switch bereits nach kurzer Zeit in aller Munde ist und ein bisher noch gesunder Hype darum entstanden ist.

Bleibt der Erfolg der Nintendo Switch bestehen, wird auch Nintendo irgendwann die für eine Firma gerechtfertigten Schlüsse ziehen und vielleicht die portablen Aspekte der Konsole stärker unterstützen. Denn wozu ein neues Handheld produzieren, die Infrastruktur dafür schaffen und Entwickler sowie Konsumenten dafür begeistern, wenn es bereits Hardware gibt, die diese Hürden schon genommen hat? Und zwar sowohl für zu Hause als auch für unterwegs.

Tags: Hardware  

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