Vorschau Detroit - Become Human: Große Themen und persönliche Schicksale

von René Wiesenthal (23. April 2018)

Das Potenzial von Künstlichen Intelligenzen ist ein unverändert aktuelles Thema, seitdem es Rechenmaschinen gibt. Seither dient es Autoren als Grundlage für fantastische und teils beklemmende Zukunftsvisionen. Beides findet sich in Detroit – Become Human wieder. Wie viel Potenzial in dem Androiden-Märchen steckt, konnten wir bei einem Anspieltermin bestaunen.

20 Jahre in der Zukunft sind Androiden ein fester Bestandteil unseres Alltags geworden. Mehr noch: Sie sind so weit in unsere Tätigkeitsbereiche vorgedrungen, dass sie uns nicht nur als verlängerter technischer Arm ergänzen, sondern teilweise sogar ersetzen. Das führt einerseits zu Unbehagen bei einer großen Zahl von Menschen. Andererseits werden den durch Künstliche Intelligenzen gesteuerten Wesen aber keine Menschenrechte zugestanden. Ein Spannungszustand, in dem die Erzählung von Detroit – Become Human beginnt und in den wir beim Anspieltermin unvermittelt geworfen wurden.

Neuer Standard für interaktive Filme

Detroit – Become Human ist das nächste große Projekt vom Entwickler Quantic Dream rund um den kreativen Kopf und leitenden Autoren David Cage. Die Macher von Heavy Rain haben im Laufe der Jahre den spielbaren Film sukzessive auf ein neues Level gehoben – vor allem durch "State of the Art"-Optik, kinoreife Inszenierung und die Kooperation mit Schauspielgrößen, die den Figuren nicht nur Stimmen und Gesichter leihen, sondern auch im Rahmen aufwendiger Drehs von ihnen gespielt werden. So ist es eine ganz schöne Hausnummer, wenn das Team berichtet, allein ein ganzes Jahr der Entwicklung in die Dreharbeiten von Detroit – Become Human gesteckt zu haben. Spiel und Film verschmelzen hier in kolossalem Ausmaß.

Die Geschichte spinnt sich um drei Androiden: die Polizeieinheit Connor, den Haushaltsroboter Kara und Markus, der mit einem progressiv denkenden Künstler, einem gealterten Relikt aus unserer jetzigen Zeit, zusammenlebt, der ihn als gleichwertig betrachtet.

Detroit - Become Human: Charakter-Trailer

Connor macht den Anfang. Die Sequenz, in der er in ein Apartment gerufen wird, um ein junges Mädchen aus den Fängen eines wildgewordenen Androiden zu befreien, kannten wir bereits aus den Vorab-Videos. Selbst Hand anzulegen, war dennoch eine spannende Erfahrung. Zu düsteren, bedrohlichen Synthie-Klängen untersuchen wir die Wohnung, um die Ereignisse zu rekonstruieren, die zur Geiselnahme geführt haben. Menschliche Polizisten eilen angespannt durchs Apartment, Schreie und Schüsse ertönen von überall. Von diesem Chaos scheinbar unbeeindruckt, spaziert Connor in aller Seelenruhe umher und sucht nach Hinweisen, die seine Chancen zur Eskalation im Gespräch mit dem Geiselnehmer erhöhen – angezeigt durch eine höher werdende Prozentzahl auf seinem internen Interface. Dieser Pragmatismus ist äußerst effektvoll in Szene gesetzt, wodurch die Sequenz der perfekte Aufmacher ist, um euch in Stimmung für das Spiel zu bringen.

Die Eröffnungssequenz kann sehr unterschiedlich ausgehen:

Die Gedanken sind frei - auch die von Maschinen?

Nachdem der feindliche Android auf die eine oder andere Art außer Gefecht gesetzt wurde, lernt ihr die anderen beiden Hauptfiguren kennen. Kara kommt gerade aus der Reparatur, weil ihr Besitzer sich an ihr vergangen und sie dabei beschädigt zu haben scheint. Ihre Reise beginnt im Haushalt des aggressiven Mannes, der zusammen mit ihr und der Tochter in einem eher ärmlichen Teil von Detroit lebt. Markus wiederum begleitet ihr erstmals bei einem Botengang in der Innenstadt. Er holt Farbe für seinen Besitzer ab, wird auf dem Weg von Protestierenden angefeindet.

Markus wird von seinem "Besitzer" nicht nur als Haushaltsgegenstand betrachtet.Markus wird von seinem "Besitzer" nicht nur als Haushaltsgegenstand betrachtet.

Sein Besitzer spricht ihm gut zu, ungeachtet seines Wesens, und fördert merklich Potenziale, die ihm seiner Programmierung entsprechend eigentlich nicht eigen sein sollten. Hier wird der Samen gepflanzt für das was im Laufe der Geschichte passieren wird. Schon in Vorschauen war zu sehen, dass Markus eine treibende Kraft des Widerstandes der Androiden gegen die menschlichen Unterdrücker sein wird. Wie der Weg dorthin verläuft und inwieweit dieser mit den beiden anderen Androiden verwoben ist, solltet ihr am besten selbst herausfinden, sobald Detroit – Become Human erhältlich ist.

So menschlich wie nötig

Die Androiden und ihre KIs werden von ihren Machern im Spiel so geschaffen, dass sie zwar sehr menschlich wirken, in entscheidenden Momenten aber nicht zu menschlich. Ihre Menschlichkeit wird also gedeckelt, so dass sie sich jederzeit als künstliche Wesen verraten können. So ist es etwa kein Teil ihrer Programmierung, wahrhaft kreativ zu sein. Optisch wird das unter anderem dadurch ersichtlich, dass die Androiden Signalleuchten an der Seite des Kopfes tragen, die ihren Besitzern verschiedene Zustände anzeigen. Besitzer deswegen, weil Androiden als Gegenstände gelten. So wird es als Sachbeschädigung betrachtet, wenn sie angegriffen werden.

Viele Menschen nehmen sie dennoch so ernst, dass sie sie als Gefahr erkennen. Das wird beispielsweise deutlich, wenn ihr mit Markus das erste Mal durch die Innenstadt von Detroit streift. Androiden werden nicht nur als praktische Helfer gesehen, sondern auch als zunehmende Bedrohung für Arbeitsplätze, und somit behandeln sie vor allem die gesellschaftlich Abgehängten wie Menschen zweiter Klasse. Aber trotzdem irgendwie wie Menschen.

Wer Quantic Dream kennt, der weiß in etwa, wie sich Detroit – Become Human spielt. Beim Anspieltermin bewegten wir uns in mal mehr und mal weniger weitläufigen Bereichen der Spielwelt, untersuchten, interagierten und führten Gespräche. Detroit ist ein Adventure mit einem sehr starken Fokus auf Erzählung, wodurch euer Einfluss im Spiel sich offenbar wieder größtenteils durch eure Entscheidungen bemerkbar macht und weniger durch das Lösen von Aufgaben, die euch Erfolge oder Fortschritte bescheren.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer  

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