Vorschau Detroit - Become Human: - Das Spielerische am Spiel

Das Spielerische am Spiel

Gefordert seid ihr an Stellen, an denen Quick-Time-Events den weiteren Spielverlauf bestimmen oder ihr unter hohem Zeitdruck wichtige Entscheidungen treffen müsst. Da ihr Androiden spielt, könnt ihr deren technische Möglichkeiten auch spielerisch nutzen: Durch Scans der Umgebung findet ihr beispielsweise Hinweise oder Marker, die euch ein Ziel anzeigen. Manchmal quillt der Bildschirm so vor Interface-Meldungen über, dass der Überblick verloren geht. Insgesamt sind die Androiden-Fähigkeiten aber eine geschickte Variante, Nutzerfreundlichkeit und Handhabung plausibel mit der Erzählung zu verknüpfen.

Im Video sprechen die Schauspieler zu den Drehs für das Spiel

Wem Detroit zu viel des Films und zu wenig des Spiels ist, der wird ohnehin kein Interesse daran haben. Wer aber Werke wie Heavy Rain mochte, bekommt offensichtlich die konsequente Weiterentwicklung genau dieser Art von interaktiver Erzählung und wird von Beginn an begeistert sein. Ein neues Gimmick ist der Schwierigkeitsgrad: Es soll jeweils eine Variante für Core- und eine für Casual-Gamer geben, die sich unter anderem dadurch unterscheiden, dass letzterer das Spiel noch filmischer werden lässt. Genauere Details wollen wir euch an dieser Stelle nicht verraten, um euch die Überraschung nicht zu verderben.

Neues aus der Welt der KI?

Was ihr allerdings nicht erwarten solltet, ist eine revolutionäre Behandlung des Themas der Künstlichen Intelligenz. Die Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz ist immer auch ein Blick nach innen, auf das Wesen des Menschen. Seit es Science Fiction gibt, wird das Gedankenspiel mit voranschreitendem technischen Fortschritt dazu genutzt, existenzielle menschliche Fragen zu stellen. Immer schwingt dabei Ungewissheit und Angst mit. Was ist es genau, das uns menschlich macht? Was unterscheidet eine perfekte KI von einem Menschen? Entfremden wir uns zu weit von unserem natürlichen Ursprung, werden wir eines Tages vollständig von Maschinen verdrängt? Zumindest lässt der Eindruck nach den ersten Spielstunden den Schluss zu, dass diesem doch schon umfassend beackerten, seit jeher in Literatur, Film, Spielen und Kunst aufgegriffenen Thema nichts wirklich Neues hinzugefügt wird.

Ab wann ist ein Mensch ein Mensch? Fragt sich das Connor während seiner Arbeit?Ab wann ist ein Mensch ein Mensch? Fragt sich das Connor während seiner Arbeit?

Das ist aber nicht weiter ärgerlich, denn eigentlich – so unser Eindruck – ist Detroit – Become Human ohnehin mehr eine persönliche Geschichte. Eine von Personen, die eigentlich gar keine solchen sein sollten. Der Kampf um Anerkennung, persönliche Rechte und Freiheiten wird so eindrucksvoll erzählt, dass es die Antworten auf große philosophische Fragen auch gar nicht braucht, um zu fesseln. Denn diese Themen sind so universell, dass sie jeden von uns ansprechen können. Detroit möchte nicht in seiner Prämisse verweilen und mit euch in Ruhe darüber philosophieren. Es spitzt die inneren Konflikte des Menschen in Form von äußeren Konflikten zwischen Mensch und Maschine zu.

Die KIs lernen, brechen mit ihren Programmierungen und werden selbständig. Der Umstand, dass ihr dabei drei Androiden und keinen Menschen spielt, bietet einen erzählerischen Kniff: Da von Anfang an ihr die Überlegungen anstellt und die Entscheidungen trefft, wird den künstlichen Figuren im Spiel bereits eine menschliche Facette verliehen, sobald ihr nur den Controller in die Hand nehmt. Der Prozess, der die Geschichte in Gang setzt, beginnt schon damit. Doch wer weiß, vielleicht täuscht der Ersteindruck aber auch und der weitere Verlauf von Detroit – Become Human bringt euch stärker ins Grübeln als bisher gedacht.

Wie tiefgreifend wird das Thema KI im finalen Spiel tatsächlich behandelt?Wie tiefgreifend wird das Thema KI im finalen Spiel tatsächlich behandelt?

Die Qual der (Aus)Wahl

Die Entwickler versprechen, dass ihr noch stärker und durch noch mehr Stellschrauben beeinflussen könnt, wie die Geschichte der drei Protagonisten verläuft. Da wir an einigen Stellen des Spiels verschiedene Lösungswege ausprobiert haben, konnten wir bereits Zeuge kleinerer und mittelgroßer alternativer Abläufe werden. Langfristige, gravierendere Einschnitte deuteten sich zumindest an. Am Ende jedes Abschnittes zeigte sich ein Entscheidungsbaum, an dem wir sehen konnten, wie viele andere Handlungsmöglichkeiten an bestimmten Punkten noch verfügbar gewesen wären. Der zentrale Handlungsstrang blieb davon aber unbeeinträchtigt. Inwieweit das große Versprechen der gestalterischen Freiheit dann also im finalen Spiel eingehalten wird, können wir noch nicht mit Gewissheit sagen.

Mit der Stadt Detroit haben die Entwickler eine stimmige Kulisse für ihre Vision gefunden. Die amerikanische Metropole an der kanadischen Grenze ist gebeutelt von Kriminalität, bedingt durch die ärmlichen Verhältnisse, in denen die Menschen dort teilweise leben. Das selbsterklärte Ziel von Quantic Dream war es nicht, Detroit so umzukrempeln, dass es vollständig futurisiert wird – sie haben sich die vorhanden Anker aus der Gegenwart genommen und durch Sci-Fi-Elemente ergänzt. Damit sollt ihr immer wieder Identifikationsmöglichkeiten in der Spielwelt finden und einen leichteren Zugang zu ihr haben. Das gelingt zu Beginn des Spiels sehr gut: Technik, Mode und Architektur sind nicht zu abgedreht, um glaubwürdig zu bleiben; Artefakte aus unserer Jetztzeit, wie alte Industrieruinen, in denen sich die Natur ihren Raum zurückerobert, holen euch immer wieder in die Gegenwart zurück.

Detroit ist ein äußerst stimmungsvoller Schauplatz für die Geschichte.Detroit ist ein äußerst stimmungsvoller Schauplatz für die Geschichte.

Somit werden schon im Stadtbild starke Kontraste sichtbar, die sich bis in alle Bereiche des täglichen Lebens mit den Androiden ziehen. In heruntergekommenen Wohnsiedlungen spülen Hochleistungsmaschinen das Geschirr. In der Innenstadt predigen die sozialen Verlierer den Untergang der Menschheit durch den Vormarsch der Maschinen vor Schaufenstern von Läden, in denen Androiden andere Androiden verkaufen. Eine gehörige Portion Sozialkritik findet sich in Detroit - Become Human wieder, die über das Zitieren von Sci-Fi-Standards hinausgeht. Allerdings ist sie zumindest zu Beginn etwas sehr plakativ.

Was die Technik angeht, stellt das Spiel eine Weiterentwicklung ohne Abstriche dar. Auf PlayStation 4 Pro, auf der wir anspielen durften, sieht Detroit – Become Human schlichtweg überragend aus. Auch, wenn nicht alle Winkel der einzelnen Areale einen einheitlich hohen Detailgrad besitzen - der Gesamteindruck ist umwerfend. Spiegelnde Pfützen, tiefe Hautporen in den Gesichtern der Figuren, tanzende Schatten in den Baumkronen - alles wirkt unglaublich realitätsnah. Die Oberflächen von Materialien sehen plastisch aus und lassen sich jederzeit eindeutig identifizieren. Egal ob marodiertes Holz, rauer Beton oder beschlagenes Metall – ihr könnt die Struktur einzelner Objekte förmlich fühlen, wenn die Kamera sie einfängt.

Meinung von René Wiesenthal

Detroit – Become Human scheint genau das Spiel zu werden, nach dem sich Fans von Heavy Rain und Beyond Two Souls lange gesehnt haben. Denn es wird wohl all das sein, was Quantic Dream so besonders macht, nur schöner, größer und besser. Wer ein perfekt inszeniertes und emotionales Drama erleben möchte, wird mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

Was das übergeordnete Thema angeht: In Romanen und Filmen stellen Maschinen schon lange existenzielle Fragen nach dem eigenen Platz in der Welt und der Essenz der Menschlichkeit. Das ist alles andere als neu. Bisher scheint es nicht so, als ob der interaktive Film Detroit – Become Human diesem Themenkomplex eine weitere Facette abgewinnen kann. Eher scheint dieser als Fundament für eine intime Geschichte zu dienen, in der einzelne Figuren und nicht das große Ganze im Mittelpunkt stehen.

Die Konflikte, denen ihr im Spiel begegnet, sind im Grunde menschliche Konflikte, auch wenn ihr Androiden steuert. Beispielweise lassen sich von Beginn an Parallelen zu reellen Problemen wie Rassismus und historische Referenzen zur Apartheid und der Freiheitsbewegung in den Vereinigten Staaten ausmachen. Wie tiefgreifend diese im weiteren Spielverlauf behandelt werden, bleibt abzuwarten.

In jedem Fall können geneigte Spieler sich auf eine liebevoll gestaltete, packende Geschichte einstellen, in der sie an vielen Stellen Einfluss nehmen können. Hoffentlich hält Quantic Dream hier das Versprechen, dass diese Einflussnahme auch schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringt. Wir freuen uns nach unserem Termin in jedem Fall auf Detroit - Become Human.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer  

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