Vorschau Dark Souls Remastered: Kerkerwanderung mit Ausblick

von Marvin Heiden (25. April 2018)

Große Ehre: Wir waren unter den Ersten, die sich das heiß erwartete Remaster des Hardcore-Rollenspiels Dark Souls ansehen durften. Konnte das polnische Entwicklerstudio Q-loc dem alten Hund ein paar neue Tricks beibringen? Wir haben die PS4-Version unter die Lupe genommen.

Dark Souls ist ein Mammutrollenspiel. Wahrscheinlich könnte man sogar behaupten, dass es das einflussreichste Rollenspiel der letzten Jahre ist. Denn kaum ein anderes Spiel von 2011 ist bis heute noch so sehr in aller Munde wie dieser Koloss. Gleich ein ganzes Genre – das der sogenannten „Souls-Likes“ – hat dieses Spiel hervorgebracht. Oft wurde es kopiert, doch keiner der Nachahmer konnte vielen Spielern zufolge an die überwältigende Erfahrung des Originals anknüpfen. Dieses legendäre Spiel, dieser Heilige Gral des Lootens und Levelns wird nun ein weiteres Mal hervorgeholt und als Remastered-Version für die aktuellen Systeme erneut veröffentlicht. Kann das gutgehen?

Dark Souls hat zwar schon sieben Jahre auf dem Buckel, aber nichts von seiner Faszination verloren:

Motivierend bis zum Tod

Doch zunächst zum Spiel selbst. Was kann man überhaupt noch über Dark Souls sagen, das noch nicht tausendfach wiederholt wurde? Im Grunde erwartet euch ein dreidimensionales Metroidvania, das heißt, ein Spiel im Stile von Super Metroid oder Castlevania – Symphony of the Night, mit Mittelalter-Fantasy-Szenario. Hier wie dort bewegt ihr euch durch ein komplexes Labyrinth, gespickt mit Fallen, erwehrt euch Gegnern und sammelt Gegenstände. Und während ihr das tut, werdet ihr sterben. Oft. Sehr oft. Doch wo andere Spiele eher abschreckend wirken, wenn ihr an ihnen scheitert, konditioniert euch Dark Souls dazu, an euch zu arbeiten, euch zu verbessern.

Von lästiger Repetitivität spürt ihr deshalb nicht die geringste Spur. Zwar durchkreuzt ihr auf euren Wegen einige Orte des in Ruinen liegenden Landes Lordran mehrfach, doch das Level-Design ist hier konstant auf so hohem Niveau, dass ihr immer wieder neue Items, Geheimnisse oder sogar versteckte Areale findet. Dafür müsst ihr jedoch aufmerksam sein, denn Hinweise auf die verborgenen Geheimnisse könnt ihr nur dann entschlüsseln, wenn ihr der fragmentarisch erzählten Handlung folgt.

"Dark Souls"-Veteranen wissen genau, was an dieser Stelle zu tun ist ..."Dark Souls"-Veteranen wissen genau, was an dieser Stelle zu tun ist ...

Ein Remaster für die Götter?

Beim Anspielen der Remastered-Version flammte sofort wieder die gleiche Aufregung auf, die auch schon beim Original aufkam. Vor allem das Intro sorgt immer noch für sofortige Gänsehaut, der man sich einfach nicht widersetzen kann. Vielleicht sogar noch mehr als früher, denn mit knackig-scharfer 1080p-Auflösung (skalierbar auf 4K bei PS4 und Xbox One, natives 4K auf PC) und 60 Bildern pro Sekunde wird die Stimmung noch effektiver transportiert.

Auch die Grafik profitiert immens von den technischen Neuerungen. Angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Remaster und eben nicht um ein Remake handelt, sind sämtliche 3D-Modelle nämlich nach wie vor dieselben. Mit neuen HD-Texturen und überarbeiteten Lichteffekten ausgestattet, fallen die bei genauerem hinsehen etwas kantigen Elemente jedoch kaum ins Gewicht. Die Leuchtfeuer scheinen jetzt noch wärmer zu brennen, in den feuchten Burgtunneln riecht man förmlich den Moder in der Luft und das Moos auf den zersplitterten Felsen wirkt noch moosiger als bisher. Ganz unverfroren können wir deshalb behaupten, dass Dark Souls noch nie zuvor so gut aussah wie jetzt.

Besonders an Feuer- und Belichtungseffekten könnt ihr die Grundpolitur gut erkennen.Besonders an Feuer- und Belichtungseffekten könnt ihr die Grundpolitur gut erkennen.

Durch die neu erlangte Flüssigkeit in den Bewegungsabläufen eures Charakters fühlt sich das Spiel zuerst etwas flotter an als gewohnt. Einige alteingesessene Spieler werden zu Beginn deshalb womöglich ein bisschen mit den Timings für ihre Riposten und Backstabs zu kämpfen haben. Das ist jedoch keinesfalls ein Nachteil, denn so können sich selbst Veteranen noch einer neuen Herausforderung stellen. Ob die Framerate-Einbrüche, die das Original an einigen Stellen geradezu unspielbar machten (wie zum Beispiel in der berüchtigten Schandstadt), damit ebenfalls ein für alle Mal passé sind, konnten wir in unserer Vorschau allerdings leider noch nicht überprüfen.

Zu den weiteren technischen Features, die neu hinzugekommen sind, zählt unter anderem die Möglichkeit, das User-Interface zu skalieren. So können Bildelemente wie die Lebensleiste oder die Item-Anzeige individuell an die Größe eures jeweiligen Bildschirms angepasst werden. Falls ihr bisher Probleme mit der Steuerung gehabt haben solltet, könnt ihr des Weiteren endlich auch die Tastenbelegung für euren persönlichen Spielstil optimieren.

Gelobt sei die Sonne: Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten.Gelobt sei die Sonne: Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Darüber hinaus wurden auch die Online-Mechaniken aufpoliert, sodass es jetzt wie bei Dark Souls 3 ein Passwort-Matchmaking-System gibt, das euch das gemeinsame Zocken erleichtern soll. Die maximale Spielerzahl wurde außerdem von vier auf sechs Personen angehoben (dazu braucht ihr allerdings das Item "Getrockneter Finger") und die Netzwerkverbindungen wurden von Peer-to-Peer auf dedizierte Server verlegt. So sollt ihr in Zukunft ohne lange Wartezeiten oder Latenzen online gegeneinander antreten können.

Außen hui, innen hui?

Die von vielen erfahrenen „Dark Souls“-Spielern befürchteten inhaltlichen Anpassungen halten sich in der Remastered-Version glücklicherweise in Grenzen. Selbst die Levelskips, Exploits und Glitches der Originalversion sollen größtenteils noch vorhanden sein, worüber sich vor allem die Speedrunner-Community freuen dürfte. Die ewige Frage danach, ob es sich im Zweifelsfall um einen Glitch oder ein gewolltes Feature handelt, wäre damit wohl ein für allemal beantwortet.

Die größte Änderung ist womöglich das zusätzliche Teleport-Leuchtfeuer bei Schmied Vamos im Grabmal der Riesen. Dorthin musstet ihr bisher für jede der ausschließlich dort erhältlichen Waffenverbesserung einen zehnminütigen Höllentrip durch nahezu vollständige Finsternis zurücklegen. Ebenfalls eine komfortable Neuerung ist, dass ihr zum Wechseln eurer Eide nun nicht mehr bis zu den jeweiligen Charakteren laufen müsst. Einmal entdeckt, könnt ihr diese lästige Routine jetzt nämlich einfach am nächsten Leuchtfeuer verrichten. Ob eines der vermeintlich schwierigsten Spiele aller Zeiten dadurch letztendlich aufgeweicht wird oder ob es sich dabei in der Tat um sinnvolle Ergänzungen handelt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Meinung von Marvin Heiden

Eines vorweg: Dark Souls ist immer noch Dark Souls. Viele der Änderungen sind rein kosmetischer oder praktischer Natur und fallen daher in Bezug auf das Spielgefühl kaum ins Gewicht. Lohnt sich also der Kauf?

Durch die aufgehübschte Grafik wird die einzigartige Stimmung dieses Klassikers genauso gut, wenn nicht sogar ein bisschen besser transportiert. Auch die ungewohnt hohe Framerate kommt dem Spiel zugute. Da es jetzt nur so über den Bildschirm flutscht, kommt das ursprünglich recht träge Dark Souls nun endlich auch fast an die Spielgeschwindigkeit der Nachfolger heran. Wenn ihr also bis jetzt noch nicht in den Genuss dieses Ausnahmerollenspiels gekommen seid, solltet ihr unbedingt zugreifen.

Für Spieler, die im Besitz der PC-Fassung des Originals (Prepare to Die Edition) und eines stattlichen Rechners sind, lassen sich viele der neuen Features jedoch auch mit kostenlosen Mods herbeiführen. Eine erneute Anschaffung wäre in diesem Falle allerhöchstens für die erweiterten Online-Funktionen interessant. Falls ihr euch selbst davon überzeugen wollt, wird das Spiel für Besitzer des Originals auf Steam deshalb bei der Veröffentlichung um 50 Prozent reduziert erhältlich sein.

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Tags: Fantasy   Remake   Fun  

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