Die Zukunft der Switch: Ein Zelda allein reicht nicht für den weiteren Erfolg

(Special)

von Micky Auer (04. Mai 2018)

Es ist gerade mal ein wenig über ein Jahr her, seit Nintendo Switch hierzulande auf den Markt kam. Bisher sieht die Zukunft der Hybrid-Konsole rosig aus. Doch wie geht es weiter?

Dank innovativem Konzept, ein paar wenigen, dafür aber grandiosen Spielen und einem niedrigen Preis erfreut sich Nintendo Switch weltweit großer Beliebtheit. Den Usern ist ganz egal, dass die Konsole nicht mit den Techink-Protzern der Konkurrenz von Sony und Microsoft mithalten kann. Sie lieben ihr Zelda und ihr Super Mario, aber das kann nicht ewig so weitergehen. Nintendo wird sich nach dem Misserfolg der Wii U ganz sicher nicht auf den Anfangslorbeeren ausruhen, sondern denkt schon ein ganzes Stück weit in die Zukunft.

"Software sells Hardware" - dieser Marketing-Leitspruch gilt schon seit der ersten Konsolengeneration, und das ist bei Nintendo durchaus bekannt, ist der japanische Konzern doch ein Musterbeispiel dafür, wie starke Software vergleichsweise schwache Hardware in die höchsten Höhen der Verkaufs-Charts katapultieren kann. Maßgeblich am Einstiegserfolg der Switch beteiligt ist sicherlich The Legend of Zelda - Breath of the Wild. Der mutige Schritt, das klassische Zelda-Konzept von einer ganz neuen Seite aufzurollen, kam bei den Spielern hervorragend an und gefühlt jeder Zweite wollte die neuen Geheimnisse von Hyrule erforschen. Das geht aber nur, wenn man im Besitz einer Switch ist. Die bei Nintendo klingenden Kassen unterstreichen diese Beobachtung.

Irgendwann hat aber auch der sorgfältigste Spieler alles gesehen, alles gemacht, alles erforscht und alles vernichtet, was so ein virtuelles Land zu bieten hat. Und dann? Da steht nun eine 300 Euro teure Konsole bei euch rum und setzt langsam Staub an. Das soll verhindert werden. Aber wie? Wie lautet die nächste Station in der Erfolgsgeschichte der Nintendo Switch? Das mutige Konzept Nintendo Labo ist es erstmal nicht. Nintendo wollte den Hybrid-Gedanken ausweiten und Software mit speziellen Konstrukten aus Pappe kombinieren, die ihr euch selbst basteln sollt. Die Verkaufszahlen sind vorerst nicht beeindruckend. Was kann Nintendo also tun?

Lernt von der Konkurrenz

Es ist nicht das erste Mal, dass Nintendo eine Konsole auf dem Markt etabliert. Aber Zeiten ändern sich, Anforderungen, Käuferverhalten und Aufmerksamkeitsspannen ändern sich heute schneller denn je zuvor. Man stellt sich schon so ein wenig die Frage: Lernt Nintendo eigentlich aus seiner Vergangenheit? Denn schon zuvor wurden bei diversen Konsolen-Starts ein oder zwei starke Startspiele auf den Markt gebracht, doch dann kam stets viel zu lange Zeit nichts.

Siehe auch PlayStation Vita. Sony - nun auch nicht gerade ein Neuling auf dem Markt - hat zum Verkaufsstart ein paar famose Software-Glanzlichter für die Vita veröffentlicht. Nur, um im Anschluss das Handheld sterben zu lassen. Zumindest im Westen. Viel zu wenig gute Software, viel zu wenig Unterstützung, viel zu hohe Preise.

Auch Super Mario Odyssey gehört zu den Publikumsmagneten auf Nintendo Switch, wie diese Wertungsübersicht zeigt:

Diese Lektion hat Nintendo dann wohl zumindest gelernt. Denn die Unterstützung von Drittherstellern sieht erstmal recht gut aus. Wenig verwunderlich ist der Umstand, dass in der jüngsten Vergangenheit und in der näheren Zukunft Spielenamen auftauchen, die allesamt nicht neu sind. "Remake" und "Remaster" ist das Zauberwort.

Trotz des Absturzes der Wii U gibt es für die Konsole einige durchaus brauchbare Spiele. Warum sollten die mit dem toten Kasten in der Vergessenheit verrotten, wenn man sie leicht auf die Switch portieren und somit einem gänzlich neuen, sehr großen Publikum zugänglich machen kann? Genau so hat es Sony im ersten Jahr für die PlayStation 4 gemacht. Das hat zwar für einige kritische Stimmen gesorgt, jedoch im Endeffekt dem Erfolg der Hardware auch keinen Abbruch getan.

Daher: Auch Nintendo darf mal aus dem Fundus schöpfen, beziehungsweise das sollte die Firma auch tun, um nicht allzuviel Leerlauf im Lebenszyklus der Konsole zu haben.

Baut auf eigene Stärken - und die von anderen

Dieser Abschnitt lässt sich mit ein paar wenigen Worten zusammenfassen: Metroid, Super Smash Bros., Splatoon, Fire Emblem, Zelda, Mario, Pokémon, Pikmin ... Ihr wisst sicher, worauf wir hier rauswollen: Nintendo muss unbedingt seine eigenen, starken Marken ins Spiel bringen. Und zwar nicht bloß alle zwei Jahre einmal, sondern mehrfach innerhalb eines Jahres. Ein kontinuierlicher Spielefluß von hoher Qualität ist genau das, was all die Konsumenten erwarten, die Nintendo die Treue gehalten haben und/oder nach der Wii U nun wieder mit dabei sind. Nintendo kann es sich kaum erlauben, diese treue Gefolgschaft zu enttäuschen.

Wo bleibt das nächste Metroid? Bestätigt ist es zumindest schon.

Seit jeher schreibt sich Nintendo auf die Fahne, dass der Name für familienfreundliche Unterhaltung steht. Dieses Konzept allein wird heute vermutlich nicht mehr funktionieren, aber das heißt auch nicht, dass es abgeschafft werden sollte. Nichts spricht dagegen, dass Nintendo neben kindgerechter Software auch Spiele anbietet, die den Core-Gamer und Erwachsene ansprechen. Dass die Firma dieser Idee gegenüber nicht mehr so verschlossen ist wie in der Vergangenheit, zeigen schon die Schritte in Richtung Wolfenstein, Doom und Dark Souls.

Die oben angesprochene Spieleversorgung kann Nintendo kaum ganz allein bewältigen, selbst wenn in Kyoto in den hauseigenen Entwicklungsabteilungen rund um die Uhr gearbeitet werden würde. Gut, dass es Dritthersteller gibt! Und auf die kann Nintendo auf keinen Fall verzichten! Publisher wie Ubisoft, Electronic Arts, Activision und Bethesda - um nur einige zu nennen - sind von größter Wichtigkeit für das Überleben der Switch. Nicht alle Spiele dieser Hersteller werden den Weg auf Nintendos Konsole finden, so viel sollte klar sein.

Link in Skyrim? Mitnichten, aber in der Switch-Version des Rollenspiels gibt es exklusive Ausrüstungsgegenstände.Link in Skyrim? Mitnichten, aber in der Switch-Version des Rollenspiels gibt es exklusive Ausrüstungsgegenstände.

Besonders aufwändige Technik, die sich nur auf PC, PS4 und Xbox One verwirklichen lässt, kann vielleicht nicht in ansprechender Form auf Switch portiert werden. Dafür bietet die Hybrid-Konsole aber Möglichkeiten, die der Konkurrenz nicht zur Verfügung stehen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Möglichkeiten auch bei Drittherstellern wahrgenommen werden und nicht brach liegen. Exklusivspiele für Switch von Ubisoft und Co.? Ja, das wäre wichtig.

Und natürlich bedeutet eine technische Limitation nicht automatisch das Aus für eine Portierung, wie man am elegant gelösten Beispiel von Doom gesehen hat. Letzten Endes wäre es auch von größter Wichtigkeit, das Angebot für Virtual Console zu pflegen, zu erweitern und attraktiv aufzubereiten. Indie-Entwickler sind ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Wohlergehen einer neuen Hardware, speziell wenn sie über solche Besonderheiten verfügt wie Nintendo Switch.

Meinung von Micky Auer

Wenn ich mir den wachsenden Erfolg der Switch ansehe, freut es mich für Nintendo, dass nach einer längeren Dürreperiode jetzt wieder alles in die richtige Richtung geht. Um diesen Auftrieb beizubehalten, sollte Nintendo aber nicht nur die in diesem Beitrag erläuterten Pläne aufrecht erhalten, sondern auch bitte, bitte, bitte endlich lernen, dass wir im Jahr 2018 sind. Nintendo muss endlich in der Gegenwart ankommen, um in der Zukunft bestehen zu können. Was meine ich damit?

Alles ist heute Online: Das Handy, der Fernseher, die Uhr, mitunter sogar der verdammte Kühlschrank! Gerade eine Spielekonsole muss einen einfachen und umfangreichen Online-Dienst anbieten. Wenn der was kosten soll, wird damit kaum jemand ein Problem haben. Sony und Microsoft bieten ihre Dienste auch nicht gratis an.

Und auch wenn sich Nintendo nach wie vor sehr traditionsbewusst gibt und nicht mag, dass die eigene Hardware zu sehr mit fremder Technik verschmilzt: Netflix, Spotify, Amazon Video und so weiter - darauf darf einfach nicht mehr verzichtet werden. Entsprechende Apps, so finde ich, sind von größter Wichtigkeit.

Wenig Sorgen mache ich mir bezüglich vernünftiger Accessoires für Nintendo Switch. Nintendo war schon immer recht experimentierfreudig und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis es neue Controller oder andere Hardware-Zusätze oder -Erweiterungen geben wird. Bleibt jedoch zu hoffen, dass auch entsprechend viel Software auf den Markt kommt, für die neue Peripherien sinnvoll sind. Denn wer kauft sich schon gerne einen teuren, neuen Controller, wenn es dafür dann nur zwei Spiele gibt?

Zwar liegt Nintendo Switch preislich deutlich unter den Angeboten der Konkurrenz, doch wird auch Nintendo über kurz oder lang an eine Preissenkung der Hardware denken müssen. Das ist aktuell sicher noch nicht nötig, aber es gibt immer diesen einen kritischen Punkt im Lebenszyklus einer Hardware, in der eine vernünftige Preiskorrektur gepaart mit interessanten Spielen nochmal für ordentlich Aufschwung sorgen kann. Ich hoffe, Nintendo verpasst diesen Punkt nicht.

Tags: Hardware  

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