Shadow: Zocken wir bald nur noch auf fremden Rechnern?

(Special)

von Marvin Heiden (09. Mai 2018)

Shadow ist ein besonderer Cloud-Gaming-Service, den wir unter Realbedingungen ausprobieren durften. Was genau steckt dahinter? Wie funktioniert es? Und was bedeutet das Konzept für die Zukunft des Gamings? Hier erfahrt ihr es!

Besucht ihr die Shadow-Homepage des französischen Startup-Unternehmens Blade, fällt euch als erstes die rot beleuchtete Box auf, die mit ihren abgeschrägten Kanten ziemlich futuristisch ausschaut. Mithilfe dieses Mini-PCs sollt ihr jedes beliebige Spiel immer mit den höchsten Grafikeinstellungen abspielen können. Sofort fühlt man sich an die Steam Machines von Valve erinnert, die Hochleistungs-Gaming-Rechner zum erschwinglichen Preis für jeden zugänglich machen wollten. Im Gegensatz zu den jedoch nach wie vor als eher hochpreisig zu betrachtenden Fabrikaten soll euch die sogenannte Shadowbox tatsächlich nur 119 Euro kosten. Wie soll das gehen?

Aus der Wolke gefallen

Tatsächlich verbirgt sich hinter Shadow mehr als nur kostengünstige Hardware. Viel wichtiger als das Endgerät ist nämlich die Dienstleistung, die das Unternehmen anbietet. Die eigentliche Rechenleistung, die für eure Spiele nötig ist, wird nicht in eurem heimischen Wohnzimmer erbracht, sondern irgendwo in Paris oder Amsterdam. Die Eingaben, die ihr mit Maus, Tastatur oder Controller tätigt, werden über das Internet an einen Server des Unternehmens gesendet und im Gegenzug wird euch das Bildsignal auf euren Bildschirm gestreamt.

So sehen die Hochsicherheits-Serverräume bei Shadow aus.So sehen die Hochsicherheits-Serverräume bei Shadow aus.

Das Prinzip Cloud-Gaming ist bei weitem nichts Neues. Doch anders als vergleichbare Anbieter wie PlayStation Now oder GeForce Now verspricht Shadow, nicht bloß ein „Netflix für Games“ zu sein. Für 29,95 Euro im Monat wird jedem Nutzer nämlich der persönliche Zugang zu einem realen Windows-PC zur Verfügung gestellt, der jährliche Hardware Upgrades erhält. Welche Komponenten langfristig erneuert werden sollen, darf die Community mitbestimmen. Was ihr mit dem Remote-Rechner anstellt, ist letztendlich voll und ganz eure Sache: Egal ob ihr nun zocken, Grafiken bearbeiten oder Videos schneiden wollt. Genau wie bei jedem gewöhnlichen Rechner müsst ihr euch daher um die Software, das heißt auch um eure Spielebibliothek, selbst kümmern.

PC-Gaming auch unterwegs

Der Clou: Ihr braucht die eingangs erwähnte Shadowbox überhaupt nicht zu besitzen. Per App kann auf den Service nämlich von praktisch jedem beliebigen Endgerät zugegriffen werden. Falls ihr also überzeugte Mac-Nutzer sein solltet, könnt ihr auf diese Weise trotzdem sämtliche PC-Spiele genießen, die für euch ansonsten gar nicht abspielbar wären. Auch unterwegs könnt ihr zum Beispiel vom Smartphone aus auf euren Remote-PC zugreifen. All das soll euch vollkommen ohne Latenzen und selbst bei geringer Internet-Bandbreite von 15 Mbit pro Sekunde zur Verfügung stehen.

Hier wird die Funktionsweise von Shadow kurz und knackig auf den Punkt gebracht:

Was uns bei der Demonstration des Angebots jedoch am meisten beeindruckt hat, war die Download-Geschwindigkeit. Auf eurem Remote-Rechner erreicht ihr nämlich bis zu sage und schreibe 900 Mbit pro Sekunde! Spiele wie Far Cy 5, die mehrere Dutzend Gigabyte groß sind, werden binnen Sekunden heruntergeladen und sind sofort spielbar. Jedoch ist der Steam-Client leider noch nicht bereit für diese enorme Downloadrate und sorgt damit für eine (kaum spürbare) Drosselung des Potenzials.

Hardware as a Service?

Handelt es sich hierbei also um den High-End-Gaming-PC der Zukunft? Werden teure Hardware-Komponenten womöglich bald nicht mehr für den Eigengebrauch gekauft, sondern nur noch als fertiges Paket gemietet? Denkt man genauer darüber nach, wäre das durchaus mit einigen Vorteilen verbunden. Beispielsweise würde euer weniger leistungsstarkes Endgerät auch deutlich weniger Strom verbrauchen und damit eure Nebenkostenrechnung schmälern. Auch um Wartung und Austausch von Grafikkarten oder Prozessoren müsstet ihr euch keine Sorgen mehr machen. Wie bei einer Mietwohnung fallen diese Aufgaben nämlich dem Vermieter zu.

In Hinblick auf Datensicherheit sei Shadow zufolge ebenfalls nichts zu befürchten. Immerhin würden sie keinen Cloud-Speicherplatz anbieten, sondern reale, anonyme Festplatten, auf die das Unternehmen selbst keinen Zugriff habe. Da die Verbindung zwischen externem Rechner und Endgerät überdies verschlüsselt werde, gebe es keine Möglichkeit die Verbindung von außen zu überwachen.

Das Problem mit der Verbindung ...

Ein Knackpunkt den wir jedoch nicht übersehen können, ist die Übertragung von Daten zwischen Wechselmedien wie USB-Sticks und dem Remote Desktop. Da in diesem Fall wieder die heimische Internetverbindung zur Übertragung genutzt wird, kann die Datenrate je nach persönlichem Internetanbieter stark schwanken. Auch die Tatsache, dass ihr ohne Internetverbindung überhaupt nicht auf eure Spiele oder Daten zugreifen könnt, ist im Zweifelsfall natürlich ungünstig. Denn mit einem leistungsstarken Desktop-PC in den eigenen vier Wänden wärt ihr selbstverständlich nicht auf das Internet angewiesen.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei Shadow um ein überaus interessantes Konzept, das in Zukunft allerlei Möglichkeiten eröffnen könnte. Wenn ihr bereit seid, monatlich circa 30 Euro für den Service zu zahlen, könnt ihr ab sofort austesten, ob ihr schon bald gänzlich auf euren teuren Gaming-PC verzichten wollt.

Tags: Steam   Online-Zwang   Hardware  

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