Episoden-Games: Zum Glück ist der Hype vorbei

(Kolumne)

von René Wiesenthal (14. Mai 2018)

2023 soll das episodische Remake von Final Fantasy 7 also erscheinen, wie wir nun wissen. Viele Jahre nachdem das Episodenformat abseits von Adventure-Games ziemlich abgestunken ist. Wenn ich so drüber nachdenke, fällt mir nachträglich ein Stein vom Herzen. Es ist gut, dass episodische Spiele nie zur Norm geworden sind.

Sang- und klanglos ging der Hype vorbei. Doch es war sehr knapp und hätte übel für uns Spieler ausgehen können: Um ein Haar sind wir einer weiteren – meiner Meinung nach - unangenehmen Geschäftspraxis entgangen, deren Erfolg wir abermals nicht unwesentlich in der Hand hatten. Im Gegensatz zu Season Passes, Mikrotransaktionen, Lootboxen und was wir uns sonst so durch reges, unkritisches Kaufen aufgehalst haben, wurde das Konzept der Episodenspiele aber offenbar weniger gut aufgenommen. Es mag Gründe geben, das schade zu finden. Ich persönlich bin froh darüber, dass der Episoden-Hype nichts weiter als ebendas war und nun wieder verschwunden ist.

Alles wird aus Hack gemacht

Ein vollwertiges Spiel, zerhackt in einzelne Häppchen: Episoden-Games sind eine besondere Form der Vermarktung im Gaming-Bereich. Heutzutage gibt es sie noch vereinzelt im Adventure-Genre, eine Zeit lang versuchten sich aber sehr viele Entwickler und Publisher an dem Format, darunter auch größere und namhafte. Half-Life 2 ist hier als echter Vorreiter zu betrachten, ins Rollen kam das Ganze aber erst so richtig durch den Erfolg von Adventures wie sie zahlreich von Entwickler Telltale in die Welt gesetzt wurden. Die kommen gerne aufgeteilt in Seasons, die wiederum aus einzeln erwerblichen Episoden bestehen.

Telltale feiert große Erfolge mit dem Episodenformat:

Capcom machte es mit Resident Evil – Revelations 2 nach, das aus vier Kapiteln bestand, die im Zeitraum eines Monats veröffentlicht wurden; Hitman, vertrieben von Square Enix, erschien im Jahr 2016 in Form von sechs Teilen. Zu den bekannten Episoden-Adventures gehören neben den üblichen verdächtigen Telltale-Spielen Life is Strange und Dreamfall Chapters. Die Welle, die in etwa im Zeitraum von 2015 bis 2016 anrollte, ist mittlerweile größtenteils abgeebbt.

Wenn Entwickler auf Zeit spielen

Episodenspiele sind, wenn sie einmal vollständig veröffentlicht wurden, abgeschlossene Geschichten, die auf Grundlage ein- und desselben Spiels basieren. Jede neue Episode stellt dann also nicht etwa eine Weiterentwicklung der Spielmechanik und Grafik dar. Sie ist ein Teil des Spiels, der euch zeitlich begrenzt vorenthalten und dann für einen eigenen Preis verkauft wird. Im besten Fall nimmt sich der Entwickler Feedback zu Herzen und justiert an bestimmten Punkten zwischen den Episoden nach. Grundlegende Veränderungen sind aber nicht drin. Die einzelnen Episoden kosten dann in Summe etwa so viel, wie ein Vollpreisspiel. Mit dem Kauf der ersten Episode habt ihr aber im Grunde die Katze im Sack vorbestellt.

Die Katze im Sack kann sich als liebenswert entpuppen. Wie es bei Life is Strange der Fall war.Die Katze im Sack kann sich als liebenswert entpuppen. Wie es bei Life is Strange der Fall war.

Denn die kleckerweise Veröffentlichung bietet Entwicklern mehr Zeit, ein Spiel tatsächlich fertigzustellen. Wo andere Produkte unter Termindruck halbfertig verkauft und nachträglich gepatcht werden, wird euch so schon mal ein Häppchen des Spiels verkauft, das euch motiviert, auch den Rest zu erwerben. Im Grunde kauft ihr – ähnlich dem Season-Pass, den es auch schon mal in Kombination mit Episodenspielen gibt – die Erwartung, dass da noch was kommt und am Ende eine vollwertige Erfahrung entsteht. Ob und in welcher Qualität, ist allerdings mit der Veröffentlichung der Pilotepisode nicht gewiss.

Da ihr aber einmal investiert habt, seid ihr vermutlich auch eher gewillt, noch weiter zu bezahlen, selbst wenn die Qualität mit jeder Episode nachlässt. So bekommt ihr schon mal ein eher mittelmäßiges Spiel auf Raten. Endet eine Episode dann noch wie in Fernsehserien mit einem Cliffhanger, den ihr unbedingt aufgelöst haben wollt, zappelt ihr erst einmal ein wenig. Das kann die Kaufbereitschaft zusätzlich steigern, auch wenn kein richtig gutes Spiel mehr draus wird.

Warten ohne Mehrwert

Der Serien- und Streaming-Boom der letzten Jahre zeigt, was mit genügend Einfallsreichtum aus Geschichten rauszuholen ist, wenn sie episodisch über einen längeren Zeitraum hinweg erzählt werden. Die Raffinesse, die hier möglich macht, dass Filme in erzählerischer Hinsicht mittlerweile abgehängt sind, lässt sich auf Spiele leider nicht besonders gut anwenden. Diese können sich ohnehin über sehr viele Stunden erstrecken, ohne, dass es Ermüdungserscheinungen gibt. Somit steht hier viel Zeit zur Verfügungen eine lebendige Welt zu erschaffen, die neben der Haupthandlung kleine, interessante Nebengeschichten erzählt. Eine Aufteilung in Episoden reißt eigentlich nur aus dem Spielfluss und wird bisher kaum wirklich kreativ genutzt.

Hitman ist eines der Spiele, das die episodische Form recht sinnvoll einsetzt.Hitman ist eines der Spiele, das die episodische Form recht sinnvoll einsetzt.

Und wozu das Ganze? Es ist immer abzusehen, dass ein Spiel früher oder später als Komplettpaket herausgebracht wird, sobald alle Episoden verfügbar sind. In der Regel dann sogar für einen deutlich geringeren Gesamtpreis, mit allen verfügbaren Extras und mit dem Komfort, alles am Stück spielen zu können. Zudem mit der Garantie, dass die Geschichte zu Ende erzählt wurde und der Entwickler das Projekt nicht irgendwann einfach abgebrochen hat.

Wie es beispielsweise beim Action-Adventure Blues and Bullets der Fall ist, dessen Schöpfer A Crowd of Monsters den Spielern vier von sechs geplanten Episoden seit 2016 schuldig ist. Das ist natürlich nicht die Regel, wäre aber ein immanentes Risiko, wenn Episodenspiele Gang und Gäbe geworden wären, wie sich das Publisher eine Zeit lang sicher erhofft haben. Die nutzen zwar ganz andere fiese Instrumente, um unsere Spielerseelen zu quälen, aber zumindest sind wir drum herumgekommen, auch diesem Quatsch in Größenordnung ausgesetzt zu sein. Ob Final Fantasy 7 Remake angesichts des abgeflauten Hypes überhaupt noch als Episodenspiel erscheinen wird? Wird werden es (vielleicht) sehen. Hoffentlich tritt es keine neue Welle los.

Seid ihr ebenso froh drum, oder seht ihr viel mehr positive Aspekte in einer episodischen Veröffentlichung? Lasst uns in den Kommentaren wissen, was ihr von dieser Praxis haltet und diskutiert mit uns. Wir freuen uns wie immer über einen regen Austausch.

Tags: Episoden  

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