Test State of Decay 2: Geschichten, die das Überleben schreibt

von Michael Krüger (17. Mai 2018)

Auf die große Frage, welches Verhalten im Falle einer Zombie-Apokalypse angebracht sein könnte, gibt es viele Antworten. Nun habt ihr wieder einmal die Möglichkeit, eure Ideen in die Tat umzusetzen.

Knapp fünf Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Teils erscheint State of Decay 2 und lädt erneut dazu ein, das Leben unter Untoten auszuprobieren. Gemeinsam mit anderen oder im Alleingang, baut ihr eine Siedlung auf, rekrutiert neue Überlebende, etabliert Gesellschaftsstrukturen und verbessert die Lebensbedingungen. Inwiefern sich die Formel seit dem Vorgänger verändert hat und wie die Mechaniken im Detail aufgebaut sind, könnt ihr in unserer Vorschau State of Decay 2: Taktische Zombie-Endzeit für Xbox und PC nachlesen.

Mittlerweile ist State of Decay 2 fertig und soll bereits am 22. Mai 2018 für PC und Xbox One erscheinen. Nun wollen wir klären, woher das Überlebensspiel sein Unterhaltungspotential zieht und ob es trotz wenig Innovation ein gelungenes Spielerlebnis bieten kann.

Trostlosigkeit 2.0

Es ist mal wieder Zeit für Zombies. Warum die Infizierten ihr Unwesen treiben und wer dafür die Verantwortung trägt, spielt dabei im Grunde keine Rolle. Für euch ist wichtig: Ihr befindet euch inmitten der Zombie-Apokalypse und versucht das Beste daraus zu machen. Und so schlüpft ihr in die Rolle diverser Überlebender und gebt euch Mühe, das harte Leben am Ende der Zivilisation zumindest ansatzweise lebenswert zu gestalten.

Panik wird in State of Decay 2 groß geschrieben.Panik wird in State of Decay 2 groß geschrieben.

Doch so groß eure Hoffnung ist, so widrig sind die Umstände und so gnadenlos die Bedingungen, die hier gelten. Allem voran steht die Tatsache, dass jeder Tod endgültig ist. Erliegt ein Überlebender seinen Wunden, findet ihr im Menü eurer Gemeinschaft an seiner Stelle lediglich einen Grabstein. Dieser erinnert euch immer wieder auf makabere Art an euer Versagen.

Es ist also weniger die Rahmenhandlung als viel mehr die Summe kleiner Geschichten, die State of Decay 2 zu seiner Tragik verhelfen und die dystopische Welt mit Leben füllen. Hier helfen einerseits Handlungsstränge aus Nebenmissionen und andererseits die Abläufe selbst. Denn was sich von Seiten der Spielmechaniken abspielt, könnte im Prinzip locker als Grundlage für Erzählungen der Marke The Walking Dead dienen.

Adaption als Spielprinzip

Dass die Spielmechaniken an sich das Zeug haben, die Handlung maßgeblich zu bestimmen, liegt vor allem an den vielen Entscheidungen und ihren Konsequenzen. Angetrieben von allerhand Bedürfnissen, die euer Überleben sichern, begebt ihr euch ständig in Gefahr. Selbst der Ausbau eurer aktuellen Heimatbasis kann so zum Problem werden. Denn Arbeiten am Haus verursachen Lärm. Und wo laute Geräusche vorkommen, sind gefräßige Untote nicht weit.

Kofferräume können Leben retten.Kofferräume können Leben retten.

Auch Ausflüge in die weite und offene Spielwelt von State of Decay 2 wollen gut geplant sein. Entscheidet ihr euch beispielsweise für das Auto und habt eure Vorräte nicht gut genug durchdacht, kommt es vor, dass euch unterwegs das Benzin ausgeht. Der Rückweg kann weit sein und ist euer aktueller Charakter bereits angeschlagen, stehen die Chancen für sein Überleben umso schlechter. Da wird aus der einfachen Idee, ein wenig Nahrung zu suchen, schnell eine schweißtreibende Flucht vor einer gierigen Zombie-Horde.

So atmosphärisch wie der Trailer sind auch die Eindrücke im Spiel.

Dabei ist es erstaunlich, dass trotz des einen oder anderen technischen Patzers, wie sie zumindest momentan noch gelegentlich vorkommen, der Gesamteindruck derart intensiv ausfällt. Nach nur wenigen Spielstunden entsteht das Gefühl, dass ihr euch wirklich inmitten einer klassischen Zombie-Erzählung befindet. Stress mit anderen Gruppen, Kämpfe gegen Infektionsherde, ausgiebige Roadtrips, blutige Schlachten - State of Decay 2 deckt ein unheimlich großes und ergiebiges Feld an Klischees ab. Und das ist durchaus positiv zu verstehen.

Da passt auch die Präsentation gut ins Bild. Die Spielwelt mag trotz des großen Sprungs in Sachen Qualität nicht die abwechslungsreichste sein, doch trifft sie den Ton ziemlich genau. Besonders die variierenden Lichtverhältnisse tragen einiges zur Atmosphäre bei. Denn wenn es in State of Decay 2 Nacht ist, dann ist es wirklich Nacht. Kommen dann noch markerschütternde Schreie von nahenden Untoten hinzu, ist ein Klos im Hals vorprogrammiert.

Meinung von Michael Krüger

Ich mag State of Decay 2. Dabei macht es eigentlich wenig anders als andere "Open World"-Spiele oder speziell der Vorgänger. Und doch ergibt sich aus der Summe der Teile ein Spielgefühl, das äußerst fesselnd sein kann. Erfolge kommen langsam und Niederlagen sind bitter, doch die ständige Hoffnung auf bessere Zeiten treibt mich konstant voran und gibt mir gleichzeitig das Gefühl, hier meine eigene Vision des Überlebenskampfes gegen Zombies in die Tat umzusetzen.

Dabei ist der Lernprozess für das Spielgefühl nicht unerheblich. Während ich zu Beginn noch per Fußmarsch mühselig Vorräte nach Hause tragen, spielen nach ein paar Stunden ganz andere Sorgen eine wichtige Rolle für mich. Ich passe mich den Umständen Schritt für Schritt an, verstehe die Spielwelt und ihre Regeln besser und feile an meinen Fähigkeiten. Und egal, wie gut ich vorankomme, wie sicher die Heimatbasis ist und wie entspannt ihre Bewohner sind, das nächste Unglück lässt meist nicht lange auf sich warten.

Alles in allem fühlt sich State of Decay 2 wie ein großer Sandkasten an, in dem ganz eigene Geschichten aus der Zombie-Apokalypse geschrieben werden. Ob diese gut sind, viele Opfer fordern oder von Sieg gekrönt sind, hängt mit Sicherheit vom jeweiligen Spieler ab. Das Grundgerüst ist jedenfalls klasse und kann sich trotz gelegentlicher Aussetzer durchaus sehen lassen.

81

meint: Gelungene Weiterentwicklung des Vorgängers. Kein neuer Meilenstein, doch für Zombie-Fans mit Sicherheit ein willkommener Leckerbissen.

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Tags: Singleplayer   Koop-Modus   Horror   Open World  

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