Detroit - Become Human: Das Parkett der Begierde - ich liebe einen Fußboden

(Kolumne)

von René Wiesenthal (25. Mai 2018)

Detroit – Become Human ist Naschkram für die Augen, das steht außer Frage, ist aber auch erstmal nichts Besonderes. Der Moment, in dem ich merkte, dass das Aussehen des Spiels nicht reine Augenwischerei ist, hat ausgerechnet mit verschlissenem Bodenbelag zu tun. Klingt bescheuert? Lasst es mich näher erklären.

Gestern erst haben wir unseren Test zu Detroit – Become Human veröffentlicht. Ich musste mich darin trotz des bereits enthaltenen Lobes über die audiovisuelle Klasse des Spiels zurückhalten. Klar lassen sich sehr viele Aspekte von Detroit umfangreich beleuchten und diskutieren, aber so kurz nach dem ersten Durchlauf war es die optische Umsetzung der Zukunftsvision, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging.

Viele AAA-Spiele trumpfen heutzutage mit immer mehr Details und annähend realistischer Grafik auf. Viele sind ganz entzückend anzuschauen, dabei in ihrem Streben nach Perfektion aber gar nicht mal so beeindruckend. Die visuelle Darstellung von Detroit – Become Human stellt für mich eine Ausnahmeerscheinung dar. Denn sie verrät viel über die Herangehensweise bei der Entwicklung des Spiels. Der Moment, in dem mir das zum ersten Mal so richtig auffiel, fand recht nah zu Beginn des Spiels statt. Somit verrate ich euch auch keine großen Geheimnisse, wenn ich ihn beschreibe.

Die Kunst hinter Detroit - dieses Entwicklervideo spricht Bände:

Der Android Markus kehrt in der Episode, in der ihr ihn kennenlernt, von einem Einkauf in der Stadt zurück in das Anwesen seines "Besitzers" Carl. Er hat Malfarbe für den alten Mann besorgt. Während er sich anschließend um dessen Belange kümmert, ihm Essen serviert und seinen Rollstuhl schiebt, habt ihr als Spieler immer wieder ausreichend Zeit, euch in dem beeindruckenden Haus umzusehen. Dabei gibt es eine Menge zu entdecken, das dem Auge schmeichelt. Mich haben ausgerechnet kleine Details am Fußboden des Wohnzimmers aus einem bestimmten Grund am meisten begeistert.

Am Boden der Tatsachen

In dem Raum ist Parkett verlegt, das ihr in einzelnen Kamerafahrten geskripteter Filmsequenzen näher zu Gesicht bekommt, wobei sich darin schöne Spiegelungen zeigen. Erst als ich die Kamera wieder frei bewegen konnte, zeigte sich mir aber, wie viel Aufwand tatsächlich allein in den Bodenbelag gesteckt wurde. Durch eher versehentlich wildes Herumwirbeln des digitalen Kameramanns und einen dabei ideal durch das Fenster scheinenden Lichtstrahl, fing ich zufällig den Fußboden ein, wie ich ihn in den inszenierten Sequenzen wohl nie zu Gesicht bekommen hätte.

Und das ist das Parkett der Begierde: In der Sequenz wird die Detailtiefe kaum ersichtlich.Und das ist das Parkett der Begierde: In der Sequenz wird die Detailtiefe kaum ersichtlich.

Was ich sah, war erstaunlich: Die Entwickler haben dezente Verzierungen in das Parkett eingearbeitet, die wunderschöne Muster ergeben. Überall sind kleine Einkerbungen verstreut, die davon zeugen, wie verlebt das Haus bei genauer Betrachtung eigentlich ist.

Für mich war das hohe Alter von Carl jetzt nicht mehr nur durch sein zerfurchtes Gesicht, seine körperlichen Einschränkungen, seine Redeweise und die Gestik spürbar. Es wurde zusätzlich durch den von der Zeit geprägten Untergrund, auf dem er sich seit Jahrzehnten bewegt haben muss, unterstrichen. Natürlich ist der Boden an dieser Stelle nur exemplarisch – an vielen Stellen im Spiel gibt es solche kostbaren Fundstücke – aber er war ein frühes Zeichen für mich, wie viel Wert Quantic Dream der Entwicklung einer ganzheitlichen Welt beigemessen hat.

Unter den Füßen, unterm Radar

Und das ist es, was die Grafikpracht in Detroit meiner Ansicht nach von manch anderem High-End-Spiel unterscheidet. Die Welt wurde dadurch für mich noch ein ganzes Stück wirklicher. Durch das aufwendige Verzieren von Winkeln in der Spielwelt, die beim normalen Spielen überhaupt nicht ersichtlich werden, haben die Entwickler der Immersion einen kräftigen Schub gegeben.

Ich spiele gern mit der Kamera, um Nuancen zu finden, die für gewöhnlich untergehen, weil sie dem Blick der Spieler verwehrt bleiben. Und immer wieder freue ich mich darüber, wenn ich merke, dass Entwickler an Leute wie mich denken. Detroit – Become Human hat meine Motivation erneut bestärkt, mich ausgiebig mit meiner virtuellen Umwelt zu beschäftigen, die stillen Momente zu genießen und nicht einfach nur überall durchzurammeln.

Habt ihr vergleichbare Erfahrungen gemacht? Dann lasst es uns wissen und schreibt uns eure Geschichten in die Kommentare, in denen ihr kleine, aber feine Details in Videospielen entdeckt habt, die euch umgehauen haben!

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