Test Dark Souls - Remastered: Nicht neu, aber besser

von Micky Auer (30. Mai 2018)

Vor sieben Jahren fegte ein dunkler Sturm über die Spielelandschaft, der in Gestalt von Dark Souls ein eigenes Genre erschuf. Trotz des gigantischen Erfolges muss festgehalten werden: Perfekt war das Spiel nie. Das soll sich nun mit der Remastered-Version ändern.

Fans werden es beinahe als Sakrileg erachten, dass ich es wage hier nochmal festzuhalten, was Dark Souls eigentlich ist. Bitte übt Nachsicht, denn vielleicht kann auf diese Weise noch der eine oder andere Unwissende dazu bekehrt werden, die finsteren Lande von Lordran zu durchstreifen. Die Möglichkeit dazu besteht auf PC, PS4 und Xbox One, im Sommer dieses Jahres voraussichtlich auch auf Nintendo Switch.

Grundsätzlich ist Dark Souls ein Action-RPG, das in so gut wie jedem Aspekt seines Daseins durch Komplexität auf sich aufmerksam macht. Das betrifft die Level-Struktur, das Crafting, die Erzählweise und das Kampfsystem. All das ist bis ins kleinste Detail gut durchdacht und aufeinander abgestimmt. Jedoch die wichtigste Eigenschaft von Dark Souls, der Punkt, aufgrund dessen der genredefinierende Name ein Begriff ist, ist der hammerharte, absolut gnadenlose Schwierigkeitsgrad.

Wer den Fehler begeht und sich mit Gebrüll und Bravado ins Kampfgeschehen stürzt, wird nicht weit kommen. Der Einsatz von Waffen und Magie will bedachtsam erfolgen, ihr sollt eure Gegner studieren und mit einer guten Balance aus Taktik, Geschick und Grinding euren Weg zum finalen Boss finden.

Das ist wahrlich kein einfaches Unterfangen und fordert euch auf jeder Ebene. Im Gegenzug dürft ihr auch vom Spiel erwarten, dass es euch technisch nicht an entscheidenden Stellen hängen lässt. Und genau das ist der Knackpunkt in der Originalversion von Dark Souls. Nur, um es klarzustellen: Dark Souls war niemals ein unspielbares Desaster (zumindest nicht auf den Konsolen), jedoch gab es an so mancher Stelle technische Probleme, die das Geschehen zu einem stark ruckelnden Gestottere werden ließen. In einem Spiel, in dem das Überleben der Spielfigur so dermaßen von Präzision und Timing abhängt, ist das natürlich ein großer Kritikpunkt. Wie geht nun die Remastered-Version damit um?

Wo wurde eigentlich Hand angelegt?

Der Name verrät es bereits: Dark Souls - Remastered ist das originale Dark Souls inklusive aller dafür veröffentlichten DLCs in einer verbesserten Version. Es gibt keine spielerischen Neuerungen, keine neuen Waffen, keinen neuen Bereiche, keine neuen Gegner oder gar Bosse. Es ist rein inhaltlich das Dark Souls, das bereits 2011 euren kühlen Kopf forderte (ja, das ist durchaus zweideutig gemeint).

Dank höherer Auflösung seht ihr jetzt noch besser, was euch den Garaus macht. Danke auch ...Dank höherer Auflösung seht ihr jetzt noch besser, was euch den Garaus macht. Danke auch ...

Erwartet also nicht ein "Remake" im Stile von Shadow of the Colossus, das von Grund auf neu gestaltet und programmiert wurde. Die Änderungen in Dark Souls sind rein technischer Natur. Die sind allerdings nicht zu unterschätzen. In der getesteten Version für PlayStation 4 ist das gesamte Geschehen runder, flüssiger und angenehmer für die Augen.

Texturen wurden für eine Auflösung von 1080p angepasst. Die Bildwiederholrate liegt - zumindest die meiste Zeit über - im Bereich von 60 Bildern pro Sekunde. Auf PS4 Pro sollen die nativen 1080p auf eine 4K-Auflösung hochskaliert werden. Im Vergleich zur Erstveröffentlichung, die mit 720p und 30 FPS hantierte, ist diese Verbesserung in vielerlei Hinsicht signifikant.

Damit hat es sich auch schon. Es gibt kein Hintergrund-Material für Fans, keine Interviews, kein Making-Off. Tatsächlich möchte ich aber festhalten, dass ich persönlich derlei Kram nicht wirklich vermisse. Dark Souls erstrahlt in dem Glanz, der ihm schon seit sieben Jahren zusteht. Erst jetzt, so habe ich das Gefühl, ist es das Spiel geworden, das es von Anfang an hätte sein sollen.

Überzeugt euch selbst davon, wie Dark Souls in der Remastered-Version aussieht:

Speziell die verbesserte Bildwiederholrate ist der größte Gewinn für das Spiel. Die verbesserte Technik erfordert vom Spieler eine noch präzisere Handhabung der Steuerung, macht diese aber auch gleichzeitig greifbarer und nachvollziehbarer. Die Bereiche, die am meisten von den Verbesserungen profitieren, sind glücklicherweise auch genau die, die es am dringendsten nötig hatten, nämlich Blighttown und The Depths.

So mancher Bildschirmtod ist dem Geruckel und Gezuckel auf PS3 und Xbox 360 geschuldet. Zum ersten Mal ohne nennenswerte Einbrüche der Bildwiederholrate durch diese Abschnitte zu laufen, gleicht einer Offenbarung. Die flüssige Darstellung nimmt dem Geschehen den Schrecken der Unfairness und verstärkt noch mehr das typische "Dark Souls"-Credo: Wenn man draufgeht, ist man selber dran schuld. Versagen kann nun nicht mehr mangelhafter Technik zugeschrieben werden.

Überfälle und Hilfestellung in verbesserter Form

Ebenso berühmt und berüchtigt ist die Multiplayer-Funktion in Dark Souls, ist sie doch Fluch und Segen zugleich. Einerseits könnt ihr die Hilfe von anderen Spielern anfordern, um ganze Abschnitte mitsamt Bossen im Koop zu bestreiten, andererseits könnt ihr jederzeit von anderen Spielern überfallen werden, die nach euren sauer verdienten Seelen trachten (die Allzweck-Währung in Dark Souls, gleichzeitig auch die Erfahrungspunkte zur Charakterentwicklung).

Gern gesehen: Hilfreiche Phantome gibt es an manchen Stellen im Spiel auch als NPCs.Gern gesehen: Hilfreiche Phantome gibt es an manchen Stellen im Spiel auch als NPCs.

Im Original stand der Modus für maximal vier Spieler gleichzeitig zur Verfügung, jetzt dürfen sich bis zu sechs Spieler in Arena-Kämpfen bekriegen. Dedizierte Server sind vorhanden, private Matches mit Freunden gibt es endlich auch. Vorbei sind die Zeiten von Kämpfen, in denen ihr mit vollkommen überpowerten Spielern zusammengesteckt werdet.

Selbst die oft so willkommenen Hilfestellungen sind nun leichter verfügbar. So werden zu hohe Level von Gast-Spielern automatisch an die Stärke des Gastgebers angepasst. Auch gibt es im PvP nun keine Möglichkeit mehr, euch durch Items zu heilen. Estus bildet hier die Ausnahme, allerdings dürfen Phantome nur noch halb so viele im Gepäck führen. Auf diese Weise wird vermieden, dass Duelle sich zu sehr in die Länge ziehen. Dafür wird euer eigener Estus-Vorrat wieder aufgefüllt, wenn es euch gelingt, einen Eindringling zu besiegen. Oh, wie viel süßer sich der ohnehin schon süße Sieg anfühlen kann ...

Man freut sich über die kleinen Dinge im Leben

Rein optisch wird euch das neue Beleuchtungs-Modell auffallen. Die volumetrischen Lichteffekte sorgen dafür, dass die Feinheiten der Umgebung besser zu Tage treten. Dabei ist zu erwähnen, dass das Design und die Gestaltung von Dark Souls über die Jahre nichts von ihrer morbiden Schönheit verloren haben. Das Spiel sieht auch ohne grundlegende Neugestaltung noch immer sehr gut aus.

Der Einsatz von Magie sieht durch zusätzliche Effekte jetzt noch ein Stück weit besser aus.Der Einsatz von Magie sieht durch zusätzliche Effekte jetzt noch ein Stück weit besser aus.

Die aktuellen Standard-Grafikeffekte kommen auch nicht zu kurz, werden jedoch nie zum reinen Selbstzweck eingesetzt. Partikel, Rauch und Flammen inklusive Licht- und Schattenspiele unterstreichen die Atmosphäre, ohne zum reinen Show-Effekt zu verkommen.

Der Rest der Änderungen hält sich stark in Grenzen und fällt klar in den Bereich "Feinschliff". Ein Beispiel: In Dark Souls steht das Geschehen niemals still. Auch nicht, wenn ihr das Menü öffnet. Eine klassische Pausenfunktion gibt es nicht. Nun ist das Menü aber bildschirmfüllend. Wenn ihr angegriffen werdet, während ihr durch euer Inventar stöbert, ist es meist zu spät, um sinnvoll darauf zu reagieren.

Das wird nun zumindest ein wenig abgeschwächt, indem die Größe des Menüs verkleinert werden kann. Somit wird nicht mehr der ganze Bildschirm beansprucht. Eine kleine Änderung zwar, aber durchaus eine feine.

Später diesen Sommer soll auch eine Version für Nintendo Switch folgen:

Meinung von Micky Auer

Mein ursprünglicher Plan, mal kurz ins Spiel reinzuschauen, einen Rundumblick in die neue Technik zu tätigen und meine Erkenntnise niederzuschreiben, hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Das war nämlich schon vor ein paar Tagen. Seitdem komme ich nicht mehr von Dark Souls - Remastered los. Mal wieder.

Bei der Erstveröffentlichung von Dark Souls stellte sich damals schnell folgender Effekt ein: "Nur noch bis zum nächsten Leuchtfeuer und dann mal schauen, was danach kommt." So ähnlich läuft es jetzt auch wieder, mit einer kleinen Änderung: "Nur noch bis zum nächsten Leuchtfeuer und dann mal schauen, wie der nächste Bereich in verbesserter Form aussieht."

Das Seltsame daran: Nichts davon ist überraschend, nichts davon ist so dermaßen grundlegend spielverändernd, dennoch sind die Verbesserungen in der Gesamtheit ein großes Plus für den Spielablauf! Dark Souls - Remastered bietet wirklich nichts Neues. Dafür verbessert es den gesamten Bestand an grafischen, spielerischen und technischen Inhalten so weit, dass sich selbst für Veteranen des Spiels ein erneuter Blick lohnt.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

86 Spieletipps-Award

meint: Das Dark Souls, das es von Anfang an hätte sein sollen. Keine neuen Inhalte, aber verbesserte Technik heben die Qualität auf ein neues Niveau.

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Tags: Fantasy  

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