Demon's Souls: Für mich immer noch das bessere Dark Souls

(Kolumne)

von Micky Auer (31. Mai 2018)

Dark Souls - Remastered erfreut rund sieben Jahre nach Veröffentlichung des Originals fleißige Seelensammler. Zu Recht wird das bockschwere und finstere Abenteuer für das gefeiert, was es ist. Doch aus meiner Sicht gibt es ein besseres Spiel, das das Wort "Souls" im Namen trägt.

"Häresie! Sakrileg! Ketzerei! Wie kann man sagen, dass es was Besseres als Dark Souls gibt?" - So oder so ähnlich reagiert mein Umfeld, wenn ich diese zugegebenermaßen gewagte Behauptung in den Raum stelle. Dann wiederum lässt sich das auf fast jede beliebige Franchise ummünzen, in der knallharte Super-Fans bestimmen, was gut, was besser und was überhaupt am allerbestesten ist. Geschmack ist schon ein witziges Konzept.

Und gerade deswegen stelle ich mich breitbeinig hin, stemme trotzig die Fäuste in die Hüften und proklamiere mit donnernder Stimme: "Demon's Souls ist für mich das bessere Dark Souls!" Gleich möchte ich auch betonen, dass ich durchaus finde, Dark Souls ist ein grandioses Spiel, das in vielerlei Hinsicht ein Wegbereiter für Spiele wie Nioh oder The Surge, oder auch 2D-Eskapaden wie Salt and Sanctuary ist.

Einige der Punkte, für die Dark Souls zu Recht immer wieder hervorgehoben und gelobt wird, finden sich jedoch in Demon's Souls gar nicht wieder. Wie komme ich also zu der kühnen Behauptung, letzteres sei besser? Einfach nur deswegen, weil es das erste Souls-Spiel ist? Überraschung: Ist es gar nicht.

Die Kindheit von Dark Souls

Noch bevor sich ein Haufen von Göttern im Lande Lordran gegen die Drachen verschworen hat, konntet ihr das Königreich Boletaria erforschen. Dort sorgten die alten und verbotenen Seelenkünste dafür, dass das Land zwar unglaublichen Wohlstand erlangte, nur leider war sein Herrscher - der diese Seelenkünste ausübte - im Endeffekt der Meinung, die Welt müsste ausgelöscht werden. Das umschreibt grob die Rahmenhandlung von Demon's Souls.

Kenner wissen: Diesem Kollegen kommt man besser nicht zu nahe.Kenner wissen: Diesem Kollegen kommt man besser nicht zu nahe.

Genau wie im Nachfolger Dark Souls dreht sich alles um die im Namen vorhandenen Seelen. Sie dienen zum Kauf von Gegenständen, Waffen, Magie und Rüstung, können aber auch in die Verbesserung eures Charakters investiert werden. Seelen von Boss-Gegnern ermöglichen das Schmieden besonders mächtiger Waffen. Oder ihr verschlingt sie. Ganz, wie es euch beliebt.

Das Kampfsystem ähnelt dem von Dark Souls, mit kleinen Unterschieden. Die Grundelemente im Echtzeitkampf sind jedoch in beiden Teilen vorhanden. Bei richtiger Handhabung, Vorbereitung und einer guten Portion Geschick macht ihr euren Charakter damit zu einem Seelenkrieger, vor dem selbst Dämonen in die Knie gehen. Tatsächlich wurde dieses Prinzip aber schon zuvor erforscht.

Bereits 1994 kam mit der "King's Field"-Reihe eine Marke in den Handel, die als geistiger Vorfahre der Souls-Spiele gilt. Das unerbittliche und hochgradig komplexe Spielsystem wird in Demon's Souls und Dark Souls verfeinert und ausgebaut. Drei Teile sind auf der PlayStation erschienen, ein vierter Teil existiert für die PS2. Dort gibt es auch das Spin-Off Eternal Ring, das in erster Linie durch seine scheußliche Grafik und seine umständliche und grässliche Steuerung in Erinnerung bleibt.

Eine Gemeinsamkeit: Rote Phantome zeigen euch in Demon's Souls und Dark Souls, auf welche Weise andere Spielfiguren gestorben sind.Eine Gemeinsamkeit: Rote Phantome zeigen euch in Demon's Souls und Dark Souls, auf welche Weise andere Spielfiguren gestorben sind.

Demon's Souls stellt in dieser langen Reihe von Spielen einen Kreuzugspunkt dar. Alles, war zuvor erschien, wirkt ein wenig wie das Experiment eines Wissenschaftlers, der seine überaus schwierigen Thesen zuerst an Versuchsobjekten ausprobiert, die besten Bestandteile herausfiltert und sie dann in eine neue Form gießt. Alles was danach erschien - von Dark Souls bis zu Bloodborne - ist Legende. Das Experiment scheint also gelungen.

Man könnte sagen, Demon's Souls ist Dark Souls in seiner rohen, wenn nicht sogar seiner reinsten Form. Ebenso gut hätte danach Demon's Souls 2 erscheinen können, jedoch gab es trotz aller Gemeinsamkeiten dann doch einige signifikante Unterschiede, die einen Namenswechsel erforderten.

Weniger ist mehr

Ein großer und wichtiger Unterschied zwischen Demon's Souls und Dark Souls ist der Aufbau der Spielwelt. In Dark Souls erkämpft ihr euch einzelne Bereiche, bis ihr eine verschlossene Tür öffnen könnt. Die gewährt euch meist eine Abkürzung in bereits besuchte Abschnitte. Insgesamt entsteht dadurch eine komplett zusammenhängende Welt, die ihr beinahe von Anfang bis zum Ende zu Fuß und ohne Unterbrechung durchwandern könnt.

Desolat und trostlos: Das mag ich so sehr an Demon's Souls.Desolat und trostlos: Das mag ich so sehr an Demon's Souls.

In Demon's Souls hingegen handelt es sich um mehr oder minder lineare Levels, in denen dicke Boss-Gegner euren Fortschritt verhindern. Habt ihr sie von einem Ende zum nächsten durchforstet, könnt ihr jederzeit wieder rein, um zu grinden.

Vor allem zwei Dinge sind es, aufgrund derer mir das Level-Design von Demon's Souls einfach mehr liegt. Erstens finde ich die klare Struktur der Wege von A nach B ansprechender. Ich habe ein Ziel vor Augen, auf das ich hinarbeite. Meist mit arg kleinen Schritten, weil die Gegner natürlich besonders heftig sind. Wenn ich erneut in den Level einsteige, muss ich den gleichen Weg nochmal gehen (es sei denn, ich habe bereits einen der Bosse bezwungen).

Auf diese Weise wird mir verdeutlicht, wie sehr sich die Stärke meines Charakters verändert hat. Habe ich am Anfang noch mit viel Blut, Schweiß und Tränen mein virtuelles Leben gegen eine schepperndes Skelett verteidigt, mähe ich nach einiger Zeit mit fast beiläufig wirkenden Schwertstreichen durch die gegnerischen Reihen.

Ja, das geht auch in Dark Souls, jedoch entsteht aufgrund der Verzweigung und Vernetzung der Abschnitte bei mir nicht das Gefühl eines sauberen Abschlusses. Das ist rein subjektiv und lässt sich nur schwer in Worte fassen. Wer aber ähnlich tickt wie ich, dürfte verstehen, was ich meine.

Die einzelnen Abschnitte in Demon's Souls bieten nur wenige Verzweigungen. Das ist nicht zwangsläufig etwas Schlechtes.Die einzelnen Abschnitte in Demon's Souls bieten nur wenige Verzweigungen. Das ist nicht zwangsläufig etwas Schlechtes.

Hinzu kommt, dass ich die jedem Abschnitt zugeordnete Thematik sehr zu schätzen weiß. Ein Level stellt eine verfallene Ruine dar, ein anderer ist in den tiefen Sümpfen unter der Erde angesiedelt, ein weiterer spielt in den gar nicht mal so verlassenen Straßen einer umkämpften Stadt. Das Witzige daran ist: ich finde tatsächlich, dass Dark Souls die abwechslungsreichere und hübschere Grafik hat. Dennoch bin ich diesem desolaten, trostlosen und oft äußerst farbarmen Stil in Demon's Souls gefühlsmäßig einfach näher.

Ein Psychologe könnte aus diesen Informationen vermutlich eine recht bedenkliche Geschichte zu meiner seelischen Grundstimmung destillieren. Und um es noch schlimmer zu machen: Manche Bereiche in Dark Souls sind mir einfach zu bunt! Ja, ich weiß, wie sich das anhört. Das ist so als würde ich einen Stummfilm als zu laut bezeichnen. Seltsam, aber so empfinde ich das tatsächlich.

Die vielen Geschichten abseits des Weges

Ein großer Punkt von Demon's Souls fehlt mir sehr. Nämlich das "Licht und Dunkelheit"-System. Ihr müsst euch das so vorstellen: Wenn ihr einen Boss-Gegner vernichtet habt, zeigt ein Symbol auf der Übersichtskarte an, wie etwas mehr Licht in den Abschnitt zurückgekehrt ist. Umgekehrt: Wenn ihr ständig draufgeht, wird dieses Symbol immer dunkler. Das hat durchaus signifikante Auswirkungen.

Licht und Schatten: Eure Erfolge und Misserfolge bestimmen, welche Tendenz ein Level nimmt.Licht und Schatten: Eure Erfolge und Misserfolge bestimmen, welche Tendenz ein Level nimmt.

Denn es gibt gewisse Bereiche im Spiel, die ihr erst betreten könnt, wenn ein Level vollständig in Licht oder Dunkelheit gehüllt ist. Im ersten Abschnitt steht ihr zum Beispiel vor einer verschlossenen Gittertür. Egal, was ihr macht, sie lässt sich einfach nicht öffnen, ein Schlüssel ist nicht zu finden. Doch seht ihr genau: Dahinter ist was. Da ist noch ein Bereich. Ihr wollt rein und ihn erforschen! Dieser Gedanke nagt an euch, bis ihr erkennt, wie ihr Licht und Dunkelheit gezielt manipulieren könnt, um neue Bereiche zu betreten.

Das gilt auch für das Auftauchen bestimmter NPCs - freundlich wie feindlich gestimmter. Oft wird mit dieser Mechanik euer spielerisches Können auf die Probe gestellt. Denn um Licht dominant werden zu lassen, müsst ihr euch gut schlagen und dürft nicht zu oft ins Gras beißen. Damit ist - neben der Motivation das Spiel zu meistern - noch ein weiterer Punkt ausschlaggebend: Ihr wollt der Vollständigkeit halber alles gesehen und erforscht haben.

Erneut ist dies ein Gedanke, der vermutlich auf eine bei mir vorhandene Zwangsstörung hinweist, die mich davon abhält, einfach mal schulterzuckend an etwas vorbeizulaufen, was ich nicht gleich erforschen kann. Auf jeden Fall haben die Entwickler solcherlei Spielereien nicht umsonst eingebaut. Denn damit fangen sie Gestalten wie mich ein und fesseln sie ans Spiel.

Abgesehen davon, dass dadurch die auf den ersten Blick linear erscheinenden Bereiche plötzlich gar nicht mehr so linear werden, gab es zu Zeiten der aktiven Server noch ein paar nette Spielereien. So wurden in der Zeit rund um den 31. Oktober alle Welten in tiefste Dunkelheit gehüllt. Wie es sich eben für Halloween gehört. Zum Ausgleich gab es in der Weihnachtszeit ein paar Tage, in der sämtliche Abschnitte von Licht erfüllt waren.

Alles in allem sei gesagt, dass Demon's Souls bei mir auch heute noch sehr hoch in der Gunst steht. Das tut Dark Souls natürlich auch! Wenn mich aber hier und da der Wunsch überkommt, mich mal wieder einer richtigen Herausforderung zu stellen, werde ich in zwei von drei Fällen eher zu Demon's Souls greifen. Es hat mich halt damals in die dunkle Welt der Seelen eingeführt. Wie ich schon eingangs erwähnte: "Einfach nur deswegen, weil es das erste Souls-Spiel ist?"

Nein, weil es MEIN erstes Souls-Spiel ist.

Tags: Fantasy  

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