Verständlich erklärt: Rechte und Pflichten von Online-Spielern

(Special)

von Thomas Stuchlik (02. Juni 2018)

Kaum jemand ist sich dessen bewusst: Beim Online-Zocken geht ihr einen Vertrag mit dem Betreiber des jeweiligen Spiels oder des Online-Services ein. Ihr stimmt (meist ungelesenen) Vorschriften zu und müsst euch daran halten. Schnell kommt es zu Verwarnungen und Banns. Doch was dann?

Viele Spieler wissen davon gar nichts: Wer online spielt (egal ob kostenlos oder kostenpflichtig), schließt einen rechtsgültigen Vertrag mit dem Betreiber des Spiels oder des Online-Services (zum Beispiel PSN oder Steam) ab. Denn ihr stimmt AGBs vorab zu, um Zugang zu entsprechenden Dienstleistungen zu erhalten. Nur: Kein Mensch schaut sich seine Verpflichtungen genau an, sondern klickt einfach auf "zustimmen". Ihr macht es doch auch, stimmt's?

Zunächst einmal zur Definition: Bei den AGBs (den allgemeinen Geschäftsbedingungen) oder Nutzungsbedingungen handelt es sich um einen vorformulierten Vertrag, dem beide Vertragsparteien (sprich: der Spielehersteller und ihr) zustimmen. Um Online-Server nutzen zu dürfen, verpflichtet ihr euch, euch an bestimmte Regeln und Vorschriften zu halten. Kaum einer kennt diese Regulierungen. Deshalb zitieren wir einmal aus einem typischen Vertrag (keine Angst, wir nehmen nur interessante Passagen).

Wer versteht schon die Nutzungsbedingungen?

Als repräsentatives Beispiel dienen die Nutzungsbedingungen der PlayStation, die sich hier einsehen lassen. Dort heißt es in Paragraph 6: "Die Lizenz der Software ist nicht-exklusiv, nicht-übertragbar und personengebunden", was bedeutet dass nur ihr persönlich PSN-Dienste nutzen dürft. Das von Zockern gern genutzte Spiele-Sharing (zwei Leute teilen sich einen Account) ist damit eigentlich nicht gestattet.

Bei Online-Spielen müsst ihr einige Regeln zur Nutzung einhalten, sonst drohen Verwarnungen oder Sperren.Bei Online-Spielen müsst ihr einige Regeln zur Nutzung einhalten, sonst drohen Verwarnungen oder Sperren.

Ebenso ist es untersagt, die Sicherheitsmaßnahmen (sprich Kopierschutz) zu umgehen oder Software auf anderen Systemen zu emulieren. Interessant ist Passage 7: "Sie dürfen weder Disc-basierte Software noch digitale Software weiterverkaufen". Bitte was? Letzteres ist ein klarer Fall, denn Downloads sind an euren persönlichen Account gebunden, ein Verkauf ist unmöglich. Doch Spiele auf Disc werden doch ständig getauscht und gehandelt? Richtig, hier könnte Sony dem Gebrauchthandel auf eBay und Co. einen Riegel vorschieben – tun sie aber offensichtlich nicht.

Ihr freut euch schon auf The Elder Scrolls Online - Summerset? Dann seid euch dessen bewusst, dass ihr dafür einen Vertrag eingehen müsst.

Überaus beachtenswert ist Artikel 10.2: "Wenn Sie mit uns oder anderen Benutzern (die Kinder sein könnten) interagieren, müssen Sie sich immer dem Gesetz entsprechend, anständig, respektvoll und rücksichtsvoll verhalten." Ergo ist es nicht erlaubt, zu Gewalt oder gar Volksverhetzung aufzurufen. Auch Drohungen sind ausdrücklich verboten. Letzteres führt in heißen Online-Gefechten schnell zum Bann, denn so manch hitzköpfiger Zocker schimpft unüberlegte Hasstiraden heraus. Derartige Verhaltensweisen rächen sich schnell. Übrigens darf keine der Regelungen in den Nutzungsbedingungen gegen deutsches Recht verstoßen, sonst ist eine derartige Klausel ungültig. Dabei ist es egal, in welchem Land die Betreiberfirma ansässig ist.

Nichts für Minderjährige!

Was einige Spieler nicht wissen: Die Online-Dienste von PlayStation und Xbox sind in vollem Umfang nur für Volljährige verfügbar. Beim PlayStation Network dürfen beispielsweise nur Erwachsene ein Hauptkonto anlegen, mit dem man Unterkonten für minderjährige Familienmitglieder ab sieben Jahren verwalten darf. Für letztere lassen sich PSN-Guthaben, Spielzeit und Altersfreigaben beschränken.

Jegliche Nutzungsbedingungen sind nicht nur bei erstmaliger Anmeldung, sondern auch online einsehbar.Jegliche Nutzungsbedingungen sind nicht nur bei erstmaliger Anmeldung, sondern auch online einsehbar.

Überaus undurchsichtig wirken die AGBs von Microsofts Xbox und dem Service Xbox Live. Denn hier wird der Leser von einer Webseite zur nächsten verwiesen, die teils nur in Englisch ausgeführt wird. Der Xbox-Dienst unterscheidet - ähnlich wie das PSN - vollwertige Konten für Erwachsene sowie Kinderkonten.

Ganz simpel handhabt es übrigens das Spieleportal Steam, das in seinen Nutzungsbedingungen einfach besagt: "Steam ist nicht für Kinder unter 13 Jahren gedacht". Das entspricht US-amerikanischem Recht, da Hersteller Valve dort ansässig ist.

Zusätzlich gilt bei jeder Online-Plattform die bindende USK-Altersfreigabe des jeweiligen Spiels. Ein Call of Duty oder ein Battlefield sind natürlich erst ab 18 Jahren verfügbar.

Was tun bei Bann?

Bei Verstößen gegen die Nutzungsregeln droht eine Verwarnung oder schlimmstenfalls ein Bann. Derartige Verstöße werden meist von Mitspielern gemeldet und danach vom Hersteller geprüft. Dieser kann Missverhalten (je nach Schwere des Vergehens) mit vorübergehender oder dauerhafter Verbannung ahnden.

Microsoft und Sony drohen im Extremfall sogar mit einer Gerätesperrung auf alle Online-Dienste. Das merkt ihr ganz schnell, wenn ihr euch nicht mehr einloggen könnt (auf PS4 beispielsweise mit dem Fehlercode WS-37338-4). Ebenso sollte eine Email mit einer Stellungnahme in euer Postfach flattern. Weitere Infos gibt es auch auf Sonys offizieller Hilfe-Seite.

Bei einem kurzzeitigen Bann solltet ihr einfach geduldig sein und die gesperrte Zeit abwarten. Bei einem permanenten Bann könntet ihr direkt beim Support (bei Sony, Microsoft, Steam etc.) nachhaken, um genauere Infos zu erhalten. Bei schwerwiegendem Fehlverhalten eurerseits habt ihr jedoch kaum Chancen, daran zu rütteln. Im besten Falle könntet ihr eine Entschädigung verlangen, schließlich könnt ihr auf bereits bezahlte Online-Services oder Guthaben nicht mehr zugreifen.

Geliehene Konten und falsches Alter

Schwierig wird es, wenn ihr euren Account an einen Freund verliehen habt, der damit Dummheiten anstellt. Schließlich verstößt bereits das Weitergeben eurer Kontodaten gegen die Nutzungsbedingungen. Anders liegt der Fall, wenn der Login samt Passwort von einem Bekannten oder Unbekannten entwendet oder wenn euer Account gehackt wurde. Dann befindet ihr euch bei einem etwaigen Bann im Recht.

Vorsicht bei der korrekten Altersangabe, sonst sperrt euch der Hersteller vielleicht aus.Vorsicht bei der korrekten Altersangabe, sonst sperrt euch der Hersteller vielleicht aus.

Einen Hacker-Vorfall solltet ihr jedoch möglichst umfassend nachweisen können. Gebt derlei Begründung nicht leichtfertig an, denn die Hersteller können nötigenfalls die IP-Adresse zur Prüfung nachverfolgen. Im besten Fall wird der Bann aufgehoben und entstandener Schaden (sprich: vom Hacker getätigte Transaktionen) ersetzt.

Vorsicht: Hersteller können euch genauso sperren, wenn ihr ein falsches Geburtsdatum vorgebt. Oftmals geben Minderjährige ein höheres Alter an, um als volljährig zu gelten und online zocken zu dürfen. Bei Support-Anfragen solltet ihr übrigens immer eure Personalausweisdaten parat haben, wenn ihr danach gefragt werdet. Dann haben Minderjährige natürlich schlechte Karten.

Kein Umtausch, wie das?

Laut EU-Recht steht jedem Käufer ein Widerrufsrecht von 14 Tagen zur Verfügung. Doch das gilt oft nicht für digitale Produkte. Denn: Meist erlischt dieses Recht beim ersten Download oder Streaming eines Digitalprodukts. Fieserweise wird eine derartige Regelung oft in den Nutzungsklauseln versteckt. Rein rechtlich müsste diese Verzichtserklärung in einem eigenen Informationstext kenntlich gemacht werden, dem man beispielsweise per Häkchen zustimmt.

Digitale Angebote sind verführerisch, lassen sich aber nur mit Einschränkungen zurückgeben.Digitale Angebote sind verführerisch, lassen sich aber nur mit Einschränkungen zurückgeben.

Im PlayStation Network ist der Umtausch an sich ausgeschlossen. In Ausnahmefällen könnt ihr jedoch innerhalb 14 Tagen eine Rückerstattung anfordern. Das passende Formular findet ihr hier. Auch das vorzeitige Abbrechen noch laufender Abonnements (wie PS Plus) ist damit möglich. Microsoft gibt sich dagegen unnachgiebig: Bei Xbox Live kann man gekaufte Download-Spiele nicht zurückgeben, weder für Guthaben noch für Echtgeld.

Steam ermöglicht Rückgaben von Downloads auf simplere Weise. Allerdings nur innerhalb von zwei Wochen ab Kaufdatum und einer Spielzeit von weniger als zwei Stunden. Allerdings ist diese Funktion auf den Support-Seiten ein wenig versteckt. Unter help.steampowered.com/de klickt ihr auf das versehentlich gekaufte Spiel und dort auf Rückerstattung. Falls dieser Menüpunkt nicht erscheint, ist das Zeitfenster bereits abgelaufen.

Was tun bei unfairer Behandlung?

Manchmal halten sich dubiose Anbieter nicht an gesetzliche Regelungen oder umgehen sie mit ihren Nutzungsbedingungen (die ihrerseits ungültig sein können). Bei gröberen Verstößen oder bei unseriösen Angeboten ziehen Verbraucher leider oft den Kürzeren.

Ihr könnt zwar Einspruch direkt beim Hersteller einlegen, doch meist stoßt ihr ohne Rechtsanwalt auf taube Ohren. Doch selbst mit (meist nicht billigem) Rechtsbeistand gestalten sich solche Fälle komplex und ziehen sich über Jahre hinweg. Vor allem wenn die betreffende Firma nicht in einem EU-Land ansässig ist, sondern außerhalb.

Die Verbraucherzentrale informiert über digitale Inhalte und bietet Beratung an.Die Verbraucherzentrale informiert über digitale Inhalte und bietet Beratung an.

Eine gute Möglichkeit für Einsprüche ist die Verbraucherzentrale (www.verbraucherzentrale.de), die jedermann einschalten kann. Diese kann man vor Ort zu einem Beratungsgespräch heranziehen. Ebenso sind telefonische Beratungen oder Anfragen via Mail möglich.

Tags: Steam  

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