Streitgespräch: Bloodborne ist besser als Dark Souls - oder nicht?

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (05. Juni 2018)

Diese SoulsBorne-Reihe ist eine besondere Spielereihe. Angeblich einer der letzten Horte sogenannter Hardcore-Gamer. Kaum eine andere Serie wird so vehement verteidigt wie diese. Und jetzt streiten sich unsere Redakteure auch noch darum, was denn eigentlich besser ist: Bloodborne oder Dark Souls?

Auch bei uns in der Redaktion sind wir nicht immer einer Meinung - schockierend, nicht wahr? Wir präsentieren euch in dieser Reihe zwei Perspektiven zu einem Thema. Zwei Redakteure streiten sich, damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienen Artikel.

Es kam dazu, dass sich Marvin und Matthias, totz der etwas ähnlichen Namen in der Redaktion von spieletipps anraunten. "Natürlich ist Blooborne besser als Dark Souls", proklamierte Matthias, wild gestikulierend. Marvin aber war anderer Meinung. Grund dieser Diskussion war die Veröffentlichung von Dark Souls - Remastered und der damit einhergehenden zunehmenden Berichterstattung über das Spiel. (Kollege Micky ist übrigens der Meinung, Demon's Souls sei das bessere Dark Souls, aber das gehört nicht hierher.) Bevor jedoch einer anfangen konnte, eine Powerpoint-Präsentation über sein liebstes SoulsBorne-Spiel anzufertigen, entschieden sich beide, einfach ein Streitgespräch in schriftlicher Form niederzulegen. Auf geht's:

Matthias:

Dark Souls 2 war mein erstes Souls-Spiel. Es hat mir echt gut gefallen, auch wenn ich mich erst ziemlich “einarbeiten” musste - daran gewöhnen, was das Spiel von mir will. So richtig ging es bei mir aber erst los, als Bloodborne in meiner PlayStation 4 lag. Denn dieses hatte für mich einen großen Makel nicht, den mir Dark Souls immer wieder um die Ohren haute: es war nicht so verdammt behäbig. Es wollte viel mehr, dass ich Gegner nicht als Kolosse betrachte, sondern als agile, aber auch verletzbare Widersacher. Darum sage ich: Bloodborne ist das bessere Dark Souls.

Marvin:

Lieber Matthias, kein Wunder, dass du von Dark Souls nicht so viel hältst, wenn du erst mit dem zweiten Teil eingestiegen bist. Der ist bekanntermaßen eher sowas wie das hässliche Stiefkind der Souls-Reihe und kann mit dem ersten Teil nicht mal ansatzweise mithalten. Im Vergleich dazu ist natürlich auch Bloodborne um Längen besser. Aber gegen das unerreicht komplexe Level-Design und die wundervoll verschachtelt erzählte Handlung des allerersten Dark Souls kommt keiner der Nachfolgeteile heran!

Dark Souls 2: "Das hässliche Stiefkind der Souls-Reihe", findet Marvin.Dark Souls 2: "Das hässliche Stiefkind der Souls-Reihe", findet Marvin.

Ja, die Gegner sind wie du schreibst "agil aber auch verletzlich", aber auch das sind sie schon immer. Jeder Gegner verlangt seine eigene "Spezialbehandlung", das ist schließlich das Besondere am Kampfsystem. Aber Dark Souls hat das als erstes Spiel perfektioniert.

Matthias:

Seit Dark Souls 2 habe ich aber auch den dritten und den ersten Teil gezockt - zugegebenermaßen nicht durch. Und auch wenn ich die Spiele mag, bleibt Bloodborne für mich unerreicht. Denn es hat das Kampfsystem perfektioniert - nicht Dark Souls, wie du schreibst. In Bloodborne habe ich die Möglichkeit, begangene Fehler direkt wieder auszugleichen - indem ich die kurze Zeit nach einem Treffer nutze, um zum Gegenschlag auszuholen und mir einen Teil meiner Energie zurückzuholen. Dadurch sind die Kämpfe hier viel agiler, schneller, auch spannender. Bieten sogar noch mehr taktische Tiefe - wage ich es jetzt einfach mal, einen schweren Treffer einzustecken, um dann direkt zurückzuschlagen? Hinzu kommt die Schusswaffe, die die Gegner im richtigen Moment ins Schwanken bringt. Und überhaupt sind die Waffen in Bloodborne vielseitiger und interessanter als in Dark Souls.

Willkommen in der blutigen Welt von Bloodborne:

Aber kommen wir zu einem mindestens genaus wichtigen Punkt: Das Szenario, die Geschichte und die Charaktere in Bloodborne wischen mit Dark Souls den Boden auf.

Marvin:

Gut, das Kampfsystem ist deutlich schneller. Aber dadurch auch besser? Puh. Konfrontationen mit Gegnern - egal ob menschlich oder computergesteuert - verlaufen in Dark Souls mit deutlich mehr Respekt und Taktik. Anstatt blindlings drauflos zu hacken und zu hoffen, dass du nicht getroffen wird, musst du versuchen, den Gegner kennenzulernen. Du musst ihn studieren und dabei eben manchmal auch minutenlang austarieren, wann es klug wäre anzugreifen und wann nicht. Bei Bloodborne habe ich den Eindruck, dass solche Feinheiten mehr als oft dem Zufall entsprechen. Dazu kommt noch, dass das Kampfsystem bei Bloodborne sogar an Komplexität verloren hat. Die Visceral Attack ist im Gegensatz zum Backstab und Parry aus Dark Souls nämlich deutlich einfacher auszulösen.

Seath der Schuppenlose: Die Bosse in Dark Souls sind oft zum Haareraufen!Seath der Schuppenlose: Die Bosse in Dark Souls sind oft zum Haareraufen!

Beim Szenario muss ich dir leider Recht geben. Da gewinnt Bloodeborne mit seinen lovecraftartigen Totenstädten und Ekelmonstern haushoch. Aber die Geschichte von Dark Souls mit ihren zahlreichen Nebenhandlungen und der schlüssigen und konsequenten Lore begeistert um einiges mehr. An einigen Stellen - so fair musst du sein - ist Bloodborne mehr Schein als Sein.

Matthias:

In Bloodborne musst doch genauso jeden Gegner studieren und genau die Schwächen ausnutzen. Das Spiel lässt aber eben zusätzlich noch zu, dass du selbst lernst, deine Fehler direkt wiedergutzumachen. Ich jedenfalls habe bei Bloodborne nie drauflosgehauen - gerade am Anfang wäre ich sonst wohl auch sofort draufgegangen.

Wenn wir ehrlich sind, ist natürlich weder die Geschichte in Bloodborne noch in Dark Souls wirklich brillant. Das will sie wohl auch gar nicht sein, viel mehr geht es ja um ein Gefühl, um die Andeutungen, die man entweder wahrnimmt, oder nicht. Für mich aber macht Bloodborne das viel besser. Besonders den Gefühl-Part. Alles ist ekelhaft, aber eben auch faszinierend getrimmt. Was hältst du von einem Kompromiss? PC- und Xbox-Spieler sollten auf jeden Fall die "Dark Souls"-Spiele zocken, denn die sind allesamt super. "PlayStation 4"-Spieler jedoch sollten zu Bloodborne greifen. Eines der besten Exklusivspiele dieser Konsole.

Marvin:

Auch wenn ich die unverfrorene Behauptung, die Handlung mit all ihren klugen Kommentaren zum Thema Menschlichkeit und ihren Grenzen sei nicht brillant (denn das ist sie!) nicht dulden kann: PS4-Besitzer sollten Unbedingt einen Blick in Bloodborne werfen. Und wenn sie schon dabei sind, auch in die "Dark Souls"-Reihe, denn mittlerweile sind die Spiele schließlich alle auf einer Konsole erhältlich. PC- und Xbox-Besitzer haben hier leider einen Nachteil, da ihnen ein zweifellos geniales Spiel wie Bloodborne entgeht.

In diesem Sinne: Kuchen?

Matthias:

TORTE!

Tags: Streitgespraech   Fantasy  

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