Ist gut jetzt: Das wollen wir auf der E3 NICHT mehr sehen

(Special)

von Micky Auer (08. Juni 2018)

Das E3-Spektakel rückt spürbar näher. Und auch wenn wir uns tierisch darauf freuen, so gibt es durchaus einige Punkte, auf die wir absolut keinen Bock haben. Diese Dinge wollen wir auf der E3 schlicht und ergreifend nicht mehr sehen.

"Superlativ, Superlativ, episch, authentisch, ikonisch, exklusiv, großes Versprechen, noch mehr exklusiv!" - So lautet allgemeinhin der PR-Aufbau von Aussagen, die auf der E3 im Zuge der Präsentation von Spielen getätigt werden, während im Vorfeld eine Show-Einlage, umgesetzt von Mitarbeitern der eigenen Firma, für peinlich berührte Gesichter im Saal und ein hohes Maß an Fremdschämerei zu Hause vor den Monitoren gesorgt hat.

Die E3 trägt die Last großer Erwartungshaltung auf ihren Schultern. Ganz klar, dass PR und Marketing alles Erdenkliche tun, um die Produkte der eigenen Firma ins bestmögliche Licht zu rücken. Der Spaß endet aber nun mal dort, wo der Auftritt nur noch peinlich wird und man sich als Konsument in seiner Intelligenz beleidigt fühlt.

Was auch immer die große Spielemesse in Los Angeles dieses Jahr bringen mag, folgende Dinge wollen wir einfach nicht mehr sehen, weil sie uns tierisch auf die Nerven gehen. Ganz sicher gibt es auch für euch gewisse Reizpunkte, bei denen in euch bereits durch die schiere Erwähnung das kalte Grausen aufsteigt. Lasst es uns unbedingt in den Kommentaren wissen!

Bitte in Zukunft exklusive Exclusives!

  • Markus Rehmann, Chefredakteur von spieletipps

Versteht mich nicht falsch: Ich habe prinzipiell größtes Verständnis dafür, wenn Konsolenhersteller mit ihren Exklusivspielen hausieren gehen. Schließlich sind diese wichtige Argumente für ihr Videospielsystem - potenzielle Systemseller. Und so ein richtig gut auf eine einzige Plattform optimiertes Spiel hebt sich dann ja auch gerne mal qualitativ von der breiten Masse ab, ist also auch eine coole Sache für uns Spieler. Aber nach so mancher Pressekonferenz der letzten Jahre dachte ich mir nur: “Wie unfassbar plump wollt ihr mich eigentlich für dumm verkaufen?!?”

Microsoft hat das Thema definitiv nicht exklusiv (hihi!) für sich gepachtet, aber die Xbox-Show 2017 in L.A. ist für mich ein Paradebeispiel dafür, was in diese Richtung schief läuft. (Hier eine sehr treffende Zusammenfassung davon.) Gleich ein paar Dutzend exklusive Spiele wurden da im Laufe des Nachmittags auf der großen Bühne rausgefeuert. Wahnsinn, oder? Ja, ne. Bei genauerem Hinschauen, entpuppte sich das Meiste davon eher als wahnsinnig albern.

Denn neben dem laut hinausposaunten “Exclusive!” standen auf der Leinwand im Hintergrund immer wieder verschwurbelte Ausdrücke, wie “Xbox One Console Launch Exclusive” oder “Xbox One Console Exclusive World Premiere”. Ersteres bedeutet im Klartext: Das Spiel ist noch nichtmal am Erstverkaufstag exklusiv auf Xbox zu haben, sondern auch auf PC. Und später erscheint es noch für andere Konsolen. Was eine “Xbox One konsolenexklusive Weltpremiere” sein soll, wage ich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Ist aber auch egal. Klar ist: Das ist ein wirklich lächerlicher Versuch, Exklusivität vorzugaukeln.

Zog man alle zeitexklusiven Spiele, sämtliche exklusiven DLCs und jede konsolenexklusive Weltpremiere ab, blieb am Ende nicht mal eine Handvoll Spiele übrig, die wirklich nur für Xbox erscheinen. Diese windige Schaumschlägerei finde ich nicht nur armselig, davon fühle ich mich fast schon persönlich beleidigt! Also, liebe Konsolenhersteller: Lasst bitte in Zukunft eure “Exclusives” stecken, wenn euer Game nicht exklusiver ist als das Viagra-Angebot, das ich gerade in meinem Postfach gefunden habe.

Die „Gamer“-Messe

  • Matthias Kreienbrink, Senior Social Editor bei spieletipps

Die E3 ist eine spannende Zeit – wegen der Spiele. Es macht schon Spaß, selbst als Berichterstatter noch, dem zu harren, was da kommen mag. Immer mal wieder überraschen die Publisher dann doch mit einer unvorhersehbaren Spiele-Ankündigung. Oder sie verraten endlich das Veröffentlichungsdatum des Spiels, das so heiß erwartet wird.

Seht mal, das sind auch Gamer.Seht mal, das sind auch Gamer.

Aber dann gibt es eben auch dieses Drumherum. Vor allem diese Pressekonferenzen, auf denen die große Bühne nicht nur genutzt wird, um den Spielen Raum zu geben. Vielmehr werden diese „Messen“ auch jedes Jahr wieder als Ort der Inszenierung des sogenannten „Gamers“ genutzt. Jener Spezies also, die nur Videospiele als Hobby hat, jeden Hype mitmacht und generell ziemlich unkritisch ist.

Es wird eine Gemeinschaft konstruiert, die es eigentlich nicht gibt. Eigenschaften erfunden, die den „Gamer“ ausmachen sollen. Und natürlich auch gleichzeitig immer die restliche Gesellschaft mitgedacht, die diese „Gamer“ vermeintlich nicht versteht. Kurzum, man baut sich auf diesen semireligiösen Messen ein krudes Konstrukt, das viele Zuschauer dann auch gerne annehmen. Dabei sind „Gamer“ vor allem Menschen, die gerne zocken. Und die hoffentlich auch noch sehr viel mehr ausmacht als dieser Umstand.

Weniger Show, mehr Substanz

  • Ewelina Walkenbach, SEO Editor Games bei gamona

Sieht toll aus, aber ... worum geht's hier eigentlich?Sieht toll aus, aber ... worum geht's hier eigentlich?

Was macht man, wenn man etwas präsentieren möchte, das nicht allzu viel Substanz aufweist? Was tut man, wenn man als Publisher ganz genau weiß, dass das nächste große Spiel eigentlich nur ein unfertiges Stück Mist ist, das dann auch noch in erster Linie dazu dienen soll, als Verkaufsplattform für Mikrotransaktionen und vorab ausgesparte DLCs herzuhalten? Richtig, man bastelt einfach eine fette Show drumherum, die mit jeder Menge Bling und Laser-Effekten einen bombastischen Rahmen schaffen soll, in dem das recht farblose Bild gar nicht mal mehr so wichtig ist. Wenn die Konsumenten dann im Laden stehen, sollen sie sich nur an diesen knalligen Rahmen erinnern und geben dann ihr Geld in dem Glauben aus, genau diese Show mit sich nach Hause zu nehmen.

Braucht keine große Show: Fallout 76 macht schon durch seinen großen Namen auf sich aufmerksam.

Hinzu kommt noch ein Punkt: Die Präsentationen bei der E3 verwandeln sich zunehmend zu einem Spektakel, das vor allem nach einem aussieht: Viel Geld! Der Trend mag vielleicht den Publishern in die Hände spielen, die sich solche Sensationen leisten können, doch die kleineren Schmieden bleiben dabei zurück. Immerhin haben diese noch die Chance, mit ihren Spielen zu überzeugen, denn ein großes Spektakel bedeutet nicht immer gleich ein gutes Spiel, sondern ist gut und gerne mal ein Hinweis darauf, dass nicht viel dahintersteckt.

Weiter mit: Leere Versprechen und grundlose Euphorie

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Tags: E3 2018  

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