Vorschau Metro - Exodus: Das Ende einer Apokalypse

von Micky Auer (12. Juni 2018)

Die endlos triste und nicht minder spannende Dystopie rund um die Überlebenden eines Atomkrieges in der Moskauer Metro geht mit Metro - Exodus vorläufig zu Ende. Wir durften in London bereits mehrere Stunden zeigen, ob wir das Zeug zum Überleben haben.

Zuerst die bittere Pille: Ihr habt sicher schon mitbekommen, dass der dritte Teil der Metro-Reihe nicht mehr wie ursprünglich geplant noch in diesem Jahr, sondern erst 2019 für PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheinen wird.

Publisher Deep Silver nennt im Rahmen einer Pressemitteilung Gründe für diese Verschiebung. So wurde uns mitgeteilt, dass die Entwicklung des Spiels nach wie vor voranschreite, das Team sich jedoch darauf konzentrieren möchte, die bestmögliche Spielerfahrung zu bieten, die sich Fans auch erwarten. Dies erfordere natürlich entsprechend Zeit.

Frisch von der E3: Brandneue Spielszenen aus Metro - Exodus:

Noch vor dieser Mitteilung wurden wir jedoch zu einem Anspieltermin in London eingeladen, wo wir uns mehrere Stunden in die triste Welt von Protagonist Artjom zurückziehen und um unser Überleben kämpfen durften. Dabei fiel auf: Ja, es gibt noch Dinge, die weitere Arbeit seitens der Entwickler erfordern. Und trotzdem hinterlässt Metro - Exodus bereits jetzt einen sehr guten Eindruck, der auf den Tugenden der Vorgänger aufbaut und viele neue und auch sinnvolle Elemente hinzufügt. Gespielt haben wir die Version für Xbox One, erscheinen soll das Spiel auch für PC und PS4. Als Termin wurde der 22. Februar 2019 genannt.

Ein großes Abenteuer geht zu Ende

Die Spiele der Metro-Reihe basieren auf den Romanen des russischen Autors Dmitri Gluchowski, der ebenfalls in London vor Ort war. Im Interview verriet er uns, dass für ihn das Metro-Universum vorerst ausgeschöpft sei. Gluchowski selbst ging nie mit der Absicht an die Sache heran, ein Autor für Videospiele zu sein, so zieht es ihn nun zu neuen Projekten, die sich nicht zwingend mit Fantasy oder Science Fiction auseinandersetzen. Das bedeutet auch, dass es voraussichtlich keine weiteren Metro-Romane mehr geben wird. "Voraussichtlich", wohlgemerkt. Denn eine vollständige Abkehr von dieser bereits hervorragend umgesetzten Welt hat er nicht ausgesprochen. Wozu auch?

An Bord eines Zuges reist ihr über die zerstörte Oberfläche der Erde.An Bord eines Zuges reist ihr über die zerstörte Oberfläche der Erde.

So ist es auch wahrscheinlich, dass sich auch in spielerischer Hinsicht die Apokalypse dem Ende zuneigt. Mit Metro - Exodus begibt sich sowohl die Geschichte als auch die Spielereihe in eine Umgebung, die in den Vorgängern Metro 2033 und Metro - Last Light hauptsächlich in Erzählungen aus der Welt vor der atomaren Katastrophe genannt wurde: die Oberfläche unserer Erde, die zu einem lebensfeindlichen Ort voller tödlicher Anomalien, radioaktiver Verseuchung und mörderischer Mutationen geworden ist.

Artjom zur Seite stehen Miller, der Anführer der Rangers und seine Tochter Anna. Beide spielten bereits zuvor wichtige Rollen in der Geschichte. Anna hatte ihren ersten Auftritt in Metro - Last Light. Im Laufe des Spiels wurde aus ihr und Artjom ein Paar, mittlerweile ist sie seine Frau.

Gemeinsam sind sie mit ihrer mobilen Basis "Aurora" nun auf der Oberfläche der zerstörten Erde unterwegs. Bei der Aurora handelt es sich um eine Lokomotive mitsamt Anhänger, die über das noch intakte Schienennetz dampft. Es zeigt sich schnell, dass die gesellschaftlichen Strukturen, die sich im Untergrund der zerstörten russischen Hauptstadt gebildet haben, in gewisser Form auch auf der Oberfläche etablieren.

So findet Artjom die legendäre Aurora im Spiel:

Es ewarten euch marodierende Plündererbanden, sektenähnliche Kommunen, politische Fraktionen und die Schrecken der Ödnis, nämlich mutierte Tiere und unerklärliche Phänomene. Metro - Exodus bleibt sich in seiner Substanz treu und verlagert die beklemmende Stimmung gekonnt aus den klaustrophobischen Gewölben unter der Erde in eine nicht minder gefährliche Welt über der Erde.

Eine Prise Survival, ein Esslöffel voll Open World

Eine weitestgehend erkundbare Welt sollte auch über die entsprechenden Dimensionen verfügen, um sie als "Welt" erkenn- und fühlbar zu machen. Das geschieht in Metro - Exodus mit sehr großen, frei erkundbaren Bereichen, die sich am Aufbau einer klassichen "Open World" orientieren, jedoch nicht ganz so ausufernd und zusammenhängend. Die einzelnen Bereiche sind jedoch riesig und lassen durchaus das Gefühl zu, dass ihr einen großen Landstrich erkundet.

Selbst in der kargen Ödnis einer vom Atomkrieg zerstörten Welt versuchen die Überlebenden so etwas wie ein Zuhause aufzubauen.Selbst in der kargen Ödnis einer vom Atomkrieg zerstörten Welt versuchen die Überlebenden so etwas wie ein Zuhause aufzubauen.

Zwar durftet ihr euch in wenigen Sequenzen bereits in den Vorgängern an die Oberfläche begeben, jedoch niemals für lange Zeit. Zu vergiftet ist die in Trümmern liegende Welt, als dass ihr in Gestalt von Artjom die Schutz bietenden Tunnel der Metro für längere Zeit verlassen konntet. Und wenn, dann auch nur mit Atemmaske und ausreichend Luftfiltern im Gepäck, die euch den Aufenthalt für wenige Minuten ermöglichten.

Dieses gleichzeitig nervtötende und ein Gefühl der Dringlichkeit aufbauende Spielelement wurde in Metro - Exodus übernommen, jedoch glücklicherweise nicht ununterbrochen! Das heißt, auch wenn ihr die meiste Zeit im Spiel unter freiem Himmel unterwegs seid, so seid ihr nicht ständig auf funktionerende Schutzmechanismen angewiesen. Denn es stellt sich heraus: Nicht die gesamte Oberfläche ist so radioaktiv, dass ihr sofort den Strahlentod erleiden müsst.

In den versteckten Tunneln der Welt erwarten auch Schrecknisse ungeahnter Natur.In den versteckten Tunneln der Welt erwarten auch Schrecknisse ungeahnter Natur.

Dennoch gibt es Bereiche, die ihr nicht so ohne Weiteres betreten könnt. Da kommen dann wieder die altbekannten Schutzmasken zum Einsatz, die bei zu heftigen Kämpfen auch kaputtgehen können. Da es sich nach wie vor um eine wichtige Ressource handelt, die entsprechend selten vorkommt, habt ihr diesmal glücklicherweise die Möglichkeit, einzelne Schäden per Knopfdruck sofort auszubessern. Aber übertreibt es besser nicht.

Eine weitere Neuerung ist dem Überlebenskampf auf der Oberfläche geschuldet: Crafting. Das teilt sich in zwei große Bereiche auf. Unterwegs solltet ihr aufmerksam eure Umgebung erforschen, denn sie bietet zahlreiche Einzelteile und Rohstoffe, die ihr unbedingt braucht, um euch eure eigene Ausrüstung zu basteln. Unterwegs könnt ihr auf ein reduziertes Crafting-Menü zugreifen, um euch quasi überall Munition oder Heilmittel zu basteln. Das ist der eine Teil.

Die Aurora in all ihrer Pracht.Die Aurora in all ihrer Pracht.

Der andere Teil benötigt eine Werkbank, die ihr an vielen Orten im Spiel finden könnt. Dort geht ihr mehr ins Detail, verbessert eure Waffen und Ausrüstung, schraubt Erweiterungen an Gewehre und Pistolen und - ganz besonders wichtig - reinigt eure Geräte. Denn Benutzung im freien Feld lässt Waffen verschmutzen. Und total verdreckte Waffen wiederum neigen zu Fehlfunktionen. Seid also vorsichtig!

Ein Adventure im Shooter-Gewand

Auf den ersten Blick wirkt Metro - Exodus wie ein Ego-Shooter. Die grundlegende Kampfmechanik baut auch darauf auf, jedoch ist der Fortschritt im Spiel stark erzählungsbasierend und lebt von den einzelnen Aufträgen und den damit verbundenen Geschichten. Damit fällt Metro - Exodus mehr in eine Sparte, in der zum Beispiel Far Cry 5 oder Wolfenstein 2 - The New Colossus angesiedelt sind. Nur mit noch mehr Fokus auf die Handlung und die Personen.

Schon bei der ersten Ankündigung war klar: Metro Exodus entführt euch an die Oberfläche.

Beim Anspieltermin gerieten wir mit Artjom in eine Mission, in der er eine Siedlung betritt, deren Bewohner Technik mit religiösem Eifer ablehnen. Während seines Aufenthalts wird die Siedlung von einer kriegerischen Fraktion heimgesucht und Artjom muss entkommen. Das muss nicht zwingend in eine Schießerei ausarten, wie wir selbst ausprobiert haben.

Erster Versuch: Mit rauchenden Kanonen alles niederballern, was sich rührt! Das hat nicht so gut funktioniert. Denn schon beim ersten Schuss wurden so gut wie alle Gegner alarmiert, kamen angerannt und haben Artjom vernichtend geschlagen.

Zweiter Versuch: Lasst uns schleichen! Es gibt wohl in jeder Situation so etwas wie einen idealen Weg. Diesen rauszufinden haben wir uns in diesem Fall bemüht. Und siehe da: Wenn ihr die Sache taktisch angeht, erkennt ihr, dass die meisten Gegner so stehen, dass ihr an ihnen mit Geduld und Vorsicht vorbeischleichen könnt oder sie lautlos von hinten ausschalten dürft. Beides empfiehlt sich sehr. Ihr erinnert euch sicher: Bestimmte Bereiche in den Vorgängern zu absolvieren, OHNE jemanden zu töten, brachte euch mitunter einer Trophäe ein. Dieses Prinzip verfolgt auch Metro - Exodus.

Im Visier: Nicht immer lassen sich Konflikte in Metro - Exodus friedlich lösen.Im Visier: Nicht immer lassen sich Konflikte in Metro - Exodus friedlich lösen.

Das funktioniert ganz gut bei menschlichen Gegnern. Solltet ihr aber auf ein Rudel mutierter Raubtiere treffen oder - noch schlimmer - auf zombieähnliche Kreaturen in den vielen düsteren Kavernen und Tunneln, die ihr erforschen könnt, hilft nur ein gutes Ziel und ein flinker Finger am Abzug. Glücklicherweise funktioniert die Shooter-Mechanik einwandfrei und so entsteht in der Gesamtheit eine ausgewogene Mischung aus Erkundung, Crafting und Shooter-Abschnitten.

Meinung von Micky Auer

Die beiden Vorgänger in der Redux-Version habe ich geliebt, vor allem wegen ihrer dichten Atmospähre und der packenden Geschichte rund um Artjom und die seltsamen, übernatürlichen Vorkommnisse, die ihn auf seinen Abenteuern in den finsteren Tunneln der Moskauer Metro begleiten. Ich hatte befürchtet, dass der Schritt auf die Erdoberfläche dem Spiel viel von seiner Identität nehmen würde.

Glücklicherweise scheint das nicht der Fall zu sein. Zwar konnte ich im Zuge des Anspieltermins nur einen vergleichsweise kleinen Ausschnitt der Spielwelt erleben, diese hat jedoch trotz größtenteils neuer Umgebung sehr viel von dem vermittelt, was ich schon zuvor geschätzt habe.

Ich kann gar nicht genug betonen, dass Metro - Exodus KEIN Shooter im herkömmlichen Sinne ist. Mit der quasi offenen Welt habt ihr eine gewisse Freiheit darüber, was ihr wann machen wollt. Es gibt einen Haupthandlungsstrang, es gibt dazugehörige Nebenmissionen und es gibt freie Erkundung. Welchen Stellenwert ihr diesen Komponenten zumesst, bleibt wohl weitestgehend euch selbst überlassen.

Dazu kommt die Möglichkeit, viele Situationen mit Taktik und kühlem Kopf zu lösen, ohne gleich zur Waffe greifen zu müssen. Ob die Intensität der Erzählung insgesamt sich jedoch zu sehr in den einzelnen Missionen verliert oder ob sie konstant aufrecht erhalten bleibt, kann ich zu diesem Zeitpunkt und nach dem kurzen Ausschnitt, den ich gespielt habe, nicht beurteilen. Was ich jedoch bisher gesehen habe, wird der Marke "Metro" gerecht und fühlt sich neu genug an, um sich überraschen zu lassen, gleichzeitig jedoch vertraut genug, um sich sofort in der Welt von Metro wiederzufinden.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

Tags: Horror   Science-Fiction   E3 2018  

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