Vorschau Cyberpunk 2077: So spielt sich das neue Abenteuer der Witcher-Macher

von Micky Auer (13. Juni 2018)

Seit dem ersten Teaser zu Cyberpunk 2077 lechzen die Fans nach mehr Informationen. Jetzt, auf der E3 2018, ist es endlich soweit. Wir durften als eine der ersten Redaktionen die Demo in Augenschein nehmen. Hier sind unsere Eindrücke.

Nach dem ersten richtigen Trailer, der ein erstaunlich buntes Bild der Cyberpunk-Welt präsentiert, waren wir gespannt darauf, was uns spielerisch erwartet. Beim großen Presse-Termin wurden uns etwa 50 Minuten von Cyberpunk 2077 vorgeführt. Gespielt wurde eine Mission, die auch gleichzeitig vermittelt, wie verzweigt das Missionssystem ist und wie viele verschiedene Optionen euch dabei zur Verfügung stehen.

Willkommen in Night City, der gefährlichsten Stadt der Welt

Ähnlich wie im "Pen and Paper"-Rollenspiel-Universum von Shadowrun regiert in Cyberpunk 2077 eine Handvoll Mega-Corporations die Welt. Und zwar jeden Aspekt des Lebens: Wirtschaft, Politik, Technik, Medien - es gibt kein Entrinnen. Die Welt der Zukunft ist fest im Griff gigantischer Konzerne, und somit auch das Leben der Bevölkerung. Es gibt zwar mehrere Fraktionen, jedoch sind die Megacorps mit Abstand die mächtigsten.

Unser Fazit zum Gameplay von der E3 2018:

Hauptfigur im Geschehen ist V, ein "Urban Mercenary", ein Söldner sozusagen, der sich dazu entschieden hat, frei von allen Regeln zu leben und nur seinen eigenen Gesetzen zu folgen. Mit "eigene Gesetze" sind die Entscheidungen gemeint, die ihr als Spieler trefft. Womit der Aspekt der Entscheidungsvielfalt schon mal gut begründet ist.

Schon zu Beginn zeigt sich, dass ihr die Möglichkeit habt, eure Hauptfigur umfangreich anzupassen. V muss übrigens nicht zwingend ein Mann sein, ihr könnt euch auch für einen weiblichen Urban Mercenary entscheiden, wie es in der Demo dann auch der Fall war. Darüberhinaus gibt es unzählige Möglichkeiten, das Aussehen der Spielfigur nach euren Wünschen anzupassen. Es gibt übrigens keine spielerischen Klassen. Die Charakterentwicklung soll ohne Korsett erfolgen.

Würdet ihr diesen Mann beim Essen stören?Würdet ihr diesen Mann beim Essen stören?

Ihr bestreitet das Abenteuer aus der "First Person"-Perspektive, außer wenn ihr euch am Steuer eines Fahrzeugs befindet. V hat Zugriff auf verschiedene Fahrzeuge. Drive By und Schießereien aus dem fahrenden Auto heraus sind möglich, ähnlich wie in GTA 5.

Schon nach den ersten Schritten entsteht der Eindruck, dass das Spiel selbst wesentlich düsterer wirkt als die bunte, neondigitale Welt, wie sie im Trailer zu sehen ist. Die Umgebung in der Demo ist ein völlig heruntergekommener Gebäudekomplex, die Wände sind überall mit Graffiti beschmiert, Müll stapelt sich in allen Ecken, die Räumlichkeiten sind dreckig und verfallen.

Lasst euch nicht täuschen: So bunt wie im Trailer ist die Welt von Cyberpunk längst nicht immer:

Anders als zum Beispiel in Deus Ex - Mankind Divided sind Cyber-Implantate in dieser Spielwelt nicht von der Gesellschaft geächtet. Jeder hat welche, sie sind quasi die Tattoos der Zukunft und gehören zum Leben wie heutzutage ein Smartphone.

Es dauert nicht lange und wir erleben die erste Schießerei. Dabei zeigt sich, dass die Wände der Umgebung teilweise zerstörbar sind. Und schon kurz darauf stolpern wir in ein Horror-Szenario, das man sonst nur aus Urban Legends kennt: In einer Badewanne voller Eis liegt der scheinbar leblose Körper einer Frau. Ihr verlaufenes Makeup bietet einen gruseligen Anblick. Ein Kabel aus Vs Hand stellt eine Verbindung in den Kopf der Frau dar. Es stellt sich heraus, dass sie noch am Leben ist, jedoch hat ein Virus ihren Locator zerstört. Nach einer Notfall-Reparatur wird Hilfe gerufen. Ein Trauma-Team tritt auf den Plan. Das ist nicht irgendeine herkömmliche Rettungsmannschaft, sondern ein exklusives Notarzt-Team für reiche Leute.

Die Vorbereitung für den großen Auftritt

Cyberpunk 2077 ist - wie auch schon The Witcher 3 - Wild Hunt vom gleichen Entwickler - eine ausgesprochen erwachsene Erfahrung, in der es unzählige Möglichkeiten gibt, nicht nur mit der Spielwelt, sondern auch mit den darin lebenden Menschen zu interagieren.

Wer Kohle hat, lebt fern von der Gewalt auf den Straßen im dekadenten Luxus.Wer Kohle hat, lebt fern von der Gewalt auf den Straßen im dekadenten Luxus.

Da die Welt unter der Herrschaft von Konzernen steht, haben die dafür gesorgt, ihre eigene Währung zu etablieren. So bezahlt ihr mit Eurodollars, umgangssprachlich "Eddies" genannt. Investieren könnt ihr die zum Beispiel bei Willson, der euch Waffen verkauft und diese auch upgraden kann.

Night City, die Stadt, in der das Abenteuer stattfindet, ist in sechs große Distrikte aufgeteilt. Die Metropole gilt als Verbrechenshochburg und gewaltreichste Stadt des Landes. Was positiv auffällt: Es gibt keine Lade-Screens. Zumindest nicht in dem Abschnitt, den wir sehen konnten. Dabei wirkt die Welt jedoch äußerst belebt. Überall tummeln sich Menschen, Dampf steigt aus den Gullis auf den Straßen, Autos rasen vorbei, überall hängen Screens und ihr seht den einen oder anderen Ort, an dem ein Verbrechen verübt wurde.

Du hast nichts gesehen und nichts gehört: In Night City regieren Gewalt und Verbrechen.Du hast nichts gesehen und nichts gehört: In Night City regieren Gewalt und Verbrechen.

Einer der besonders wichtigen Player in der Stadt ist Dexter, extra-üppig in Szene gesetzt, was schon an seiner goldenen Armprothese erkennbar ist. Vs Kumpel Jackie macht sie auf einen Job aufmerksam, für den Dexter Leute sucht. Das wird dann im Endeffekt Vs erste richtige Mission, die wir bezeugen können.

V trifft sich mit Dexter in dessen Luxuskarre, um die Details zu besprechen. Zuvor will Dexter sie aber testen. Dafür soll V einen hochgezüchteten Kampfroboter klauen. Den Plan für die Aktion erhält V auf einer "Shard", einem Speicherstick, den sie sich direkt in den Kopf steckt, um dann die Details des Auftrags wie ein Hologramm vor sich zu sehen.

Der Auftrag kann auf verschiedene Arten gelöst werden. Entweder mit roher Gewalt, mit List oder mit dem nötigen Kleingeld - denn V muss den Robotoer ja nur besorgen, nicht zwingend stehlen. Also könnte sie ihn auch einfach kaufen. Aber erstmal geht's ab zum Ripperdoc. Eine wichtige Figur in Cyberpunk, denn hier könnt ihr Vs Cyberfähigkeiten verbessern.

Der Ripperdoc kümmert sich um eure Cyber-Implantate.Der Ripperdoc kümmert sich um eure Cyber-Implantate.

V entscheidet sich erstmal für einen "Kiroshi Optical Scanner" für die Augen und einen "Subdermal Weapons Grip" für die Waffenhand. Dabei kommt es zu einer recht abgefahrenen Szene: Während V den Scanner eingebaut bekommt, sieht sie sich selbst durch den Scanner von außen auf dem OP-Stuhl sitzen. Uns fällt auf, dass alles äußerst stimmig und detailverliebt in Szene gesetzt wird. Der gute Doc hat zum Beispiel an Zeige- und Mittelfinger OP-Implantate, mit denen er fleißig am Auge rumschraubt.

Nach getaner Arbeit ermöglicht der Scanner die Analyse von Personen und Gegenständen und verfügt über eine Zoom-Funktion. Der Grip hingegen zeigt V, wie viel Munition ihr noch zur Verfügung steht und sorgt in Feuergefechten für extra Schaden. Implantate bieten neue Fähigkeiten und Upgrades, nicht alle davon müssen legal sein ...

Die Cyber-Fähigkeiten im Einsatz

Frisch ausgerüstet kommt es zum Treffen mit Meredith, Repräsentantin einer Mega-Corporation. Stilecht findet das Treffen in einer Nebenstraße statt. Dort kann V gleich ihre neu gewonnenen Fähigkeiten ausprobieren. Aus sicherer Entfernung scannt sie das wartende Auto und schaut sich die Stats der Charaktere an. Schnell wird klar: mit denen sollte sie sich nicht anlegen. Sie sind eindeutig zu stark.

Die unterkühlt wirkende Business-Lady ist vermutlich ähnlich verbrecherisch wie ein Straßenräuber. Nur halt auf ihre Art.Die unterkühlt wirkende Business-Lady ist vermutlich ähnlich verbrecherisch wie ein Straßenräuber. Nur halt auf ihre Art.

Das Gespräch mit Meredith verläuft nicht gut. V wird überwältigt und gehackt. Hier gibt es nun verschiedene Optionen, wie ihr darauf reagieren wollt. Der Scan zuvor hat ja bereits ergeben, dass die Gegner zu stark sind. Ein Angriff wäre nicht ratsam. Stattdessen macht V ein Angebot: Während der Mission will sie für Meredith Informationen über Leute beschaffen, mit denen sie noch eine Rechnung offen hat. Dafür gibt es Geld auf einer Chip-Karte, mit der dann der Roboter gekauft werden kann. Noch immer besteht die Möglichkeit, sich den Roboter gewaltsam anzueignen, nach wie vor wäre aber dringend davon abzuraten.

Warum, das zeigt sich gleich. Den Roboter gibt es bei der Maelstrom Gang (bitte nagelt uns nicht auf die Schreibweise fest - es gibt noch keine schriftliche Info dazu). Die Mitglieder der Bande sind superkrass mit Implantaten versehen und wirken schon wie richtig fiese Cyborgs. Außerdem haben sie Zugriff auf geklaute Militärtechnologie und verschanzen sich in einer ehemaligen Fleischfabrik: Alle Klischees erfüllt, und zwar richtig gekonnt!

Bewaffnete Cyborgs im Taxi auf dem Weg zur Arbeit - eine Alltagsszene in Cyberpunk.Bewaffnete Cyborgs im Taxi auf dem Weg zur Arbeit - eine Alltagsszene in Cyberpunk.

Dennoch geht bei dem Deal etwas schief. Denn Meredith hat auf der Chip-Karte, die sie V überreicht hat, einen Virus installiert, der bei der Gang wichtige Systeme lahmlegt. Es kommt also doch zur bewaffneten Auseinandersetzung, in der V noch viele weitere Fähigkeiten einsetzen kann.

Mit einem Inspektionssystem kann sie sich Loot genauer unter die Lupe nehmen. Durch "Engineering" lassen sich zum Beispiel digital gesicherte Türen hacken und öffnen. Ein weiterer Skill sorgt dafür, dass V Gegner hinter der Deckung erkennen kann. In Verbindung mit der Tech-Shotgun eine tödliche Kombination, da diese Waffe glatt durch Wände hindurch ballert.

Skills in Kombination mit den richtigen Waffen führen mitunter zu durchschlagenden Ergebnissen.Skills in Kombination mit den richtigen Waffen führen mitunter zu durchschlagenden Ergebnissen.

Weitere Skills ermöglichen den Einsatz besonders starker Waffen mit besonderen Eigenschaften, wie zum Beispiel "Tech-Weapons" oder "Smart Weapons", die über Zielsuchfunktionen verfügen. Da alles in der Welt von Cyberpunk vernetzt ist, sind Hacker-Fähigkeiten von größter Wichtigkeit! So könnt ihr überall Viren verteilen, um zum Beispiel Gegner die Fähigkeit zu nehmen, auf euch zu schießen. Fortgeschrittene Fähigkeiten verwandeln V in einen wahren Cyber-Ninja: Wallruns und Messer in den Armen werden dem Cyber-Konzept mehr als gerecht.

Letzten Endes wartet noch ein Boss auf V. Der verfügt über ein starkes Exoskellet und ist nur schwer zu beschädigen. Dank der neuen Implantate kann der Gegner aber gescannt werden und so findet sich ein Schwachpunkt in seiner Verteidigung. In klassischer Bullet-Time kann die Schwachstelle ausgenutzt werden und so geht auch dieser Boss bald in die Knie. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen ...

Fazit

Night City ist eine lebendige und detailliert gestaltete Spielwelt. Wie bereits erwähnt, ist der Grafikstil nicht ständig so bunt wie im Trailer, düstere Szenarien und heruntergekommene Gebeäudekomplexe vermitteln eher den Stil, der im allerersten Teaser präsentiert wurde.

Diese Detailverliebtheit setzt sich in den vielfältigen Optionen und daraus resultierenden Konsequenzen fort. Es scheint, als hättet ihr noch viel mehr Möglichkeiten den Verlauf eures Abenteuers selbst zu gestalten als zum Beispiel in The Witcher 3.

Grafisch ist das Gesehene zwar in Ordnung, spielt jedoch noch nicht in der obersten Liga mit. So wirken zum Beispiel Rauch, Partikelfeffekte und Oberflächentexturen teils noch nicht so perfekt, wie man es von einer Produktion dieser Größenordnung erwarten könnte. Allerdings muss betont werden, dass dies der Atmosphäre keinen Abbruch tut. Und die ist nun mal besonders wichtig in Cyberpunk 2077.

Tags: Science-Fiction   E3 2018  

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