Diversität: Eine subtile E3-Botschaft an die "Gamer"

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (13. Juni 2018)

Auf der E3 geht es um Spiele. Das ist eine Aussage, die einfach und komplex zugleich ist. Denn zu den Spielen gehört eine Industrie, gehören sogenannte "Gamer". Und damit auch die Problematik von Diversität, Repräsentation und Ausgrenzung, die leider noch immer Bestandteil davon sind. Doch auf dieser E3 gab es einige mehr oder weniger subtile Botschaften an die "Gamer".

Aufregung! Ein Kuss zwischen zwei Frauen!

Die Pressekonferenz von Sony beginnt mit einem langen, ernsthaft inszenierten Kuss zwischen zwei Frauen. Bei Electronic Arts betont der CEO Andrew Wilson, dass Gaming ohne Bullying und Ausgrenzung existieren müsse, das Unternehmen daher eine Million Euro an drei Unternehmen gespendet habe, die sich dafür einsetzen: He for She, National Bullying Prevention Center und Ditch The Label. Bethesda betont derweil immer wieder, dass es ihr Ziel ist, die Spieler auf so vielen Plattformen wie möglich gegen Nazis kämpfen zu lassen und präsentieren dann ihr neues Spiel Wolfenstein - Youngblood, das zwei Protagonistinnen haben wird.

Das sollte eigentlich absolute Normalität sein - ist es aber nicht. Auf einer Videospiel-Messe wie der E3 ist es schon eine Besonderheit, wenn zwischen lauten Werbebotschaften und ganz viel Hype auch Raum geschaffen wird für ein paar - "Gamer" hassen diese Worte - politische Botschaften.

Euch mag aufgefallen sein, dass ich Gamer in Anführungszeichen setze. Denn damit meine ich nicht alle Menschen, die Videospiele spielen. Davon gibt es sehr viele, für die meisten ist es ein Hobby von vielen. Nein, mit "Gamer" meine ich jene, die sich selbst als signifikanten Teil einer Gemeinde sehen, als Torwächter, die darüber entscheiden dürfen, wer spielen darf und wer nicht. Wer in Videospielen repräsentiert werden darf und wer nicht. Solche also, die sich darüber aufregen, wenn in einem Fifa eine Person of Color durch die Kampagne führt. Oder Tracer aus Overwatch eine Sexualität bekommt, die nicht auf Männer gerichtet ist. Oder die sich eigentlich immer darüber aufregen, wenn Frauen in einem Videospiel eine gewichtige Rolle bekommen, die sich nicht nur auf das zu rettende Objekt beschränkt - wie zuletzt in Battlefield 5. Jene "Gamer" also, die "ihr Medium" männlich, heterosexuell und weiß halten wollen.

Die "Gamer" also, die jene Menschen bedrohen und belästigen, die sich für mehr Diversität in Videospielen einsetzen. Die Frauen in Online-Games belästigen. Oder jede Problematik in und um Videospiele als unwichtig deklarieren, solang es nicht sie selbst betrifft. Es ist sicherlich eine Minderheit. Aber eine, die sehr laut ist. Phil Spencer, Chef der Xbox-Sparte bei Microsoft, sprach auf der Pressekonferenz dieser E3 davon, dass Videospiele Gemeinschaft über Alter, Geschlecht oder Ethnie hinweg fördere. Das ist für mich leider kein Ist-Zustand. Es ist ein Zustand, den wir hoffentlich irgendwann erreichen werden. Der aber auch nur dann erreicht werden kann, wenn "Gamer" nicht auf jeder Messe als quasi religiöse Gemeinschaft zelebriert würden.

Es ist klar, dass die E3 vor allem eine Messe ist, auf denen Firmen ihre Produke anpreisen wollen. Auf so einer Messe ist auch das Anpreisen von Diversität nurmehr eine weitere Werbebotschaft. Aber eben doch eine, die tatsächlich das Leben von den Spielern berührt, die noch immer keinen leichten Stand in ihrem Hobby haben. Weil sie vermeintlich "anders" sind. Und alle anderen eigentlich nicht stören sollten.

Hoffen wir also zusammen, dass diese subtilen Botschaften irgendwann keine Botschaften mehr sein werden, sondern nur selbstverständliche Sätze. Was haltet ihr denn von dem Thema? Schreibt es uns doch in die Kommentare.

Tags: E3 2018  

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