Vorschau Beyond Good and Evil 2: Sklaven, Piraten und ein riesiges Universum

von Micky Auer (14. Juni 2018)

Vor satten 15 Jahren erschien Beyond Good and Evil für die PS2. Seitdem wünschen sich Fans eine Fortsetzung. Nach einem ersten Teaser von 2008 (!) kommt Ubisoft nun endlich in die Gänge: Wir durften uns den aktuellen Stand der Dinge auf der E3 ansehen.

Ihr dachtet, 15 Jahre Wartezeit ist schlimm? Tja, seit froh, dass ihr nicht bis zum 24. Jahrhundert auf Beyond Good and Evil 2 warten müsst, denn in dieser Epoche ist die neue Geschichte angesetzt. Was ist in all der Zeit geschehen?

Die Menschheit hat es mal wieder beinahe geschafft, ihren eigenen Untergang herbeizuführen. Zumindest sind alle Menschen unfruchtbar geworden. Um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, wurde fleißig geklont was das Zeug hält. Dabei blieb es aber nicht: Experimentierfreudige Wissenschaftler mussten unbedingt ausprobieren, ob auch Hybriden aus Menschen und Tieren machbar wären. Überraschung: Es hat funktioniert.

Aber denkt nicht, dass diese neu geschaffene Rasse vollwertig in die Gesellschaft integriert wird. Die Menschen wären nicht Menschen, hätten sie nicht gleich die schlimmste Herangehensweise gewählt. Die Hybride sind Sklaven und werden zu den gefährlichsten Arbeiten abgestellt. So auch zum Beispiel auf dem Planeten Soma, auf dem sich auch die aus den Trailern bekannte Stadt Ganesha City befindet.

Eine riesige Statue von Ganesha ziert die gleichnamige Stadt.Eine riesige Statue von Ganesha ziert die gleichnamige Stadt.

Der Name ist schon mal bewusst sarkastisch gewählt. Denn Ganesha ist ein hinduistischer Gott in Gestalt eines Menschen mit dem Kopf eines Elefanten. Er steht für die die Überwindung von Hindernissen, und sein Name wird vor jeder glückverheißenden Arbeit angerufen. Ein echter Hohn für eine Stadt, in der künstlich gezüchtete Wesen Sklavenarbeit verrichten müssen.

Eine Welt voller Gefahren

Nur eine Hälfte des Planeten Soma ist bewohnbar, die andere Seite ist einem nahezu ständigen Meteoriten-Bombardement ausgesetzt. Die Hybriden werden dazu gezwungen, Rohstoffe abzubauen, was sich als extrem gefährlich erweist, die Hälfte der Hybriden-Population verliert nämlich dabei ihr Leben. Damit sie trotzdem motiviert sind, ihrer Arbeit nachzugehen, haben sich ihre Herren und Meister einen Mythos ausgedacht, der vermutlich Erlösung und Glückseligkeit verspricht.

In den unteren Bereichen der Stadt leben die Sklaven und die Armen.In den unteren Bereichen der Stadt leben die Sklaven und die Armen.

Aber längst nicht alle Hybriden sind bereit, diese Geschichte zu schlucken. Viele von ihnen versuchen ihrem Dasein zu entfliehen und werden zu Weltraum-Piraten. Das ist zwar auch nicht gerade ungefährlich, aber zumindest haben sie selbst die Kontrolle über ihr Leben und sind keine Sklaven mehr.

Der durch die Hybriden erweiterte Genpool spiegelt sich auch in spielerischer Hinsicht wieder. So gibt es eine große Auswahl an spielbaren Figuren unterschiedlicher genetischer Herkunft. Dabei fällt jedoch auf, dass es sich meist um variierende Versionen des gleichen Charakter-Modells handelt. Allerdings dürft ihr eure Figur auch selbst konfigurieren, egal, ob ihr ihr euch für einen Affenmenschen oder ein Schwein entscheidet.

Schaut euch mal den neuesten Trailer zu Beyond Good and Evil 2 von der E3 an:

Die Entwickler betonen, dass es ihr Ansinnen ist, eine ausufernde "Space Opera" zu erschaffen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass ihr gleich in die Rolle eines "Space Pirates"-Kapitän schlüpft, der das Kommando über ein großes Mutterschiff hat und sich im Laufe des Spiels seine Crew zusammensuchen soll.

Alles schön und gut, aber fehlt da nicht eine wichtige Zutat, die die Fans untrennbar mit dem Namen Beyond Good and Evil verbinden? Richtig: Jade, die Heldin aus dem ersten Teil. Keine Sorge, sie ist wieder mit von der Partie, jedoch hat die ehemalige Journalistin nun einen neuen Beruf. Sie ist ein Hunter, und deren Aufgabe ist es, Jagd auf Piraten zu machen. Und wie lautet nochmal die Rolle, in die ihr selbst schlüpft? Das gibt Ärger ... Selbst spielen könnt ihr Jade jedoch nicht.

Völlige Unabhängigkeit im Koop

Beim Termin wurde uns eine Demo für zwei Spieler vorgeführt. Die sollte vor allem dazu dienen, das Kampfsystem und die riesige Spielwelt zu präsentieren. Eine tatsächliche Mission gab es noch nicht zu sehen. Den Entwicklern war es zu diesem Zeitpunkt wichtig, das Prinzip der Augments zu demonstrieren.

Eure Spielfigur kann durch Augmentierungen verbessert werden.Eure Spielfigur kann durch Augmentierungen verbessert werden.

Als Space Pirate verfügt ihr über eine Schusswaffe, ein Schwert, einen Schild und ein Jet-Pack. Diese Ausrüstung kann mit Augmentierungen versehen werden - das soll sich auch ständig steigern, sodass ihr mit fortschreitendem Spielverlauf immer mehr Augmentierungen auf eurer Ausrüstung habt. Als Beispiele seien hier eine Zeitlupenfunktion, Unsichtbarkeit und eine Art Täuschungsmanöver genannt. Es gibt auch auch Support-Funktionen für die Mitspieler.

Ihr sollt durch die vielen Möglichkeiten zum Experimentieren angeregt werden. Aber Vorsicht! Manche Augmentierungen unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind. So könnt ihr euch selbst schaden, wenn ihr euch zum Beispiel versehentlich in den Fuß schießt, während "Sticky-Augment" aktiv ist. Resultat: Ihr kommt nicht mehr vom Fleck. Das gilt auch für den Rest des Kampfgeschehens, denn es gibt Friendly Fire. Manchmal ist es aber sogar sinnvoll, auf eure Mitspieler zu zielen. So könnt ihr zum Beispiel in besonders unübersichtlichen Situationen Freund und Feind einfrieren, um euch den Überblick zu verschaffen und gezielt auf die Feinde loszugehen.

In der Demo sahen wir eine Rückschlag-Pistole im Einsatz. Ein Treffer schleudert den Gegner mit Wucht nach hinten. Dann gab es noch einen Schuss, der Feinde verlangsamt und eine Art Zeitlupenblase, in der sich alles langsamer bewegt, vermutlich dank eines Slowmo-Augments auf Schild oder Schwert. Das dynamische Kampfsystem ist an das des ersten Teils angelehnt, jedoch soll es wesentlich mehr Möglichkeiten und Abwechslung bieten. Die Augmentierungen sollen es euch ermöglichen, euren eigenen Spielstil zu definieren. Außerdem lässt sich sogar die Bewaffnung eures Raumschiffs durch Augmentierungen verstärken.

Was ist cooler als ein Piraten-Kapitän? Ganz einfach: ein Weltraumpiraten-Kapitän mit eigenem Raumschiff!Was ist cooler als ein Piraten-Kapitän? Ganz einfach: ein Weltraumpiraten-Kapitän mit eigenem Raumschiff!

Eigene Raumschiffe könnt ihr natürlich umfangreich selbst gestalten und mit allerlei nützlichem wie auch rein kosmetischem Schnickschnack ausstatten. Als Bewaffnung für die Schiffe gibt es unter anderem Maschinengewehre, und Raketen. Augmentierungen können auch hier auf die Waffen angewendet werden. So erhaltet ihr zum Beispiel eine Slow-Mo-Rakete.

Die wichtigsten Spielelemente

Beyond Good and Evil 2 wirkt stellenweise erstaunlich düster. Menschen werden von großen Konzernen wie Ressourcen behandelt, um wiederum die noch viel weiter unten in der Gesellschaftsordnung stehenden Hybriden zu erschaffen. Während der Demo sehen wir in einem Labor unter der Stadt ganze Müllcontainer voller menschlicher Körperteile. Das ist überraschend harter Stoff.

Ganesha City ist nur für die Reichen ein schöner Ort. Der Rest der Bevölkerung lebt in den dreckigen Slums.Ganesha City ist nur für die Reichen ein schöner Ort. Der Rest der Bevölkerung lebt in den dreckigen Slums.

Einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände ist das Spyglass. Dieses verschafft euch viele Informationen über Gegner, Gegenstände und sogar die Stadt, in der ihr euch bewegt. Untersucht ihr damit eure Feinde, könnt ihr sehen, über welche Augmentierungen sie verfügen und sogar zu welcher der fiesen Corporations sie gehören und welche Jobs sie ausüben. Das ist insofern wichtig, da ihr ja auch eine Crew zusammenstellen sollt. Deren Mitglieder sollten natürlich die richtigen Fachgebiete beherrschen. Selbst Gebäude können entsprechend gescannt werden, um wichtige taktische Informationen zu erhalten.

Ein wichtiges Spielelement ist natürlich der Koop-Modus. Der gewährt erstaunliche Freiheiten, denn beide Spieler können sich völlig unabhängig voneinander im Spiel bewegen - und zwar im kompletten Universum! Zur schnelleren Fortbewegung könnt ihr alles nutzen, was auch im Spiel zu sehen ist, meistens handelt es sich dabei um fliegende Vehikel: Space Trucks, Gleiter, Schwebe-Mopeds ... all das dürft ihr ausprobieren.

Von Tunneln unter der Stadt bis zu den Schlachten ins All könnt ihr nathlos reisen.Von Tunneln unter der Stadt bis zu den Schlachten ins All könnt ihr nathlos reisen.

Bei einem Demo-Flug über die gesamte Stadt können wir sehen, wie viele lebendige Details ständig vorhanden sind. Ein Blick nach unten zeigt zum Beispiel den nie ruhenden Verkehr in den Straßen, während wir einen wirklich unterbrechungsfreien Flug vom Boden bis ins Weltall absolvieren. Technisch durchaus beeindruckend!

Die Demo umfasste quasi einen Trip von einem geheimen Labor unter den Straßen der Stadt, durch die Häuserschluchten der City bis auf die Dächer und von dort direkt zu den Sternen. - Das alles binnen weniger Minuten. Und erstmal im Weltall angekommen, könnt ihr von dort aus mit dem Spyglass Infos über die Stadt sammeln, während ihr aus dem All auf sie herunterblickt.

Ubisoft geht für das Spiel eine Kooperation mit der Firma hitRECord ein, die unter anderem vom Schauspieler Gordon Joseph-Levitt gegründet wurde:

Ein Blick aus dem All auf den Planeten Soma offenbart jedoch noch mehr. Zum Beispiel kilometerlange Linien am Boden, die sich zu Bildern formen. Ähnlich wie die Nazca-Linien in Peru. Das soll die Spieler neugierig machen und zum Erkunden des Planeten animieren. Bei uns hat es jedenfalls funktioniert!

Das Planetensystem, in dem das Abenteuer stattfinden soll, ist aus entwicklungstechnischer Sicht ebenfalls ein Hybrid. Denn teils ist es prozedural generiert, teils haben die Designer direkt Hand angelegt, damit die Umgebung abwechslungsreich wirkt, aber auch nicht aussieht, als wäre sie rein zufällig zusammengewürfelt worden. Alle Schauplätze sollen ihre eigenen Atmosphäre haben und auf einem "richtigen" Level-Design aufbauen.

Fazit:

Alles in allem fühlt sich Beyond Good and Evil 2 bis jetzt wie ein besseres No Man's Sky an. Das gilt auch für die regelrecht monströsen Ausmaße der Spielwelt. Es wird für die Entwickler eine große Herausforderung sein, diese Welt mit abwechslungsreichen Missionen und einer spannenden Handlung zu füllen. Wenn das gelingt, hat das Spiel das Potenzial, ein richtiger Kracher zu werden.

Gleichzeitig klingen die Ideen für das Projekt aber auch äußerst ambitioniert und nicht minder gewagt. Es kann noch sehr viel schief gehen. Release-Termin gibt es noch keinen, daher bleibt dem Team vorerst sicher noch genug Zeit, um jeden Aspekt genau auszufeilen. Allerdings auch nicht unbegrenzt viel Zeit, denn die aktuelle Konsolengeneration neigt sich bald dem Ende zu. Ob das Spiel also neben PC auch für PS4 und Xbox One noch rechtzeitig erscheint, ist eine offene Frage. Ein Eindruck lässt sich aber kaum vermeiden: Mit dem ursprünglichen Beyond Good and Evil hat der zweite Teil nicht mehr viel zu tun.

Tags: Science-Fiction   E3 2018  

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