Wie das klingt: Die Musik der E3-Trailer - eine Stilkritik

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (15. Juni 2018)

Die E3 ist ziemlich laut. Die Werbebotschaften sind es, die Spieler sind es. Aber auch die Musik. Aus jedem Trailer schallt sie euch entgegen, die vermeintlich passende Untermalung dessen, was man da sieht. Doch nicht immer funktioniert das wirklich. Eine Stilkritik.

Bevor wir beginnen, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich hier freilich um meine Meinung handelt und nicht um allgemeingültige Aussagen. Wenn euch die Musik also gefällt, die ich eher mühsam finde: umso besser. Dann freue ich mich für euch. Und jetzt los:

Musik mit direktem Bezug

Anfangen möchte ich mit einem echt guten Beispiel. Es handelt sich um Fallout 76. Dieses spielt in einem zukünfitgen West Virginia. Nun mag man es offensichtlich nennen, das Geschehen mit einem Lied zu untermalen, in dem es um West Viriginia geht. Aber es funktioniert eben auch. Die Musik ist damit nicht beliebig. Es ist nicht irgendein Lied, es gibt eine direkte Verbindung zu dem Spiel, greift ein Element auf und überträgt es auf die Musik. Damit wird die Atmosphäre unterstrichen, aber auch dem Ganzen noch eine weitere Ebene hinzugefügt. Gut gemacht, Bethesda:

So generisch

Kommen wir zu einem etwas weniger gelungenen Beispiel. Just Cause 4. Kritiker mögen sagen, dass das Spiel selbst schon nicht das Speziellste ist. Vielleicht sogar ein wenig generisch. Die Musik im Trailer ist es aber auf jeden Fall. Es ist die Farbe Beige, nur als Musik. Unspezifisch, austauschbar, langweilig. Die Musik sagt nichts über das Spiel aus. Außer: ich existiere. Als befänden wir uns auf einer Elektro-Party auf Mallorca. Im Jahr 2009.

Die Musik erzählt eine eigene Geschichte

Gut, ich gebe es direkt zu: an dieser Stelle spricht jetzt ein Fan. Ein Fan von Sufjan Stevens. Von dem hört ihr am Anfang des Trailers zu Die Fantastischen Abenteuer von Captain Spirit ein sehr schönes Lied. Doch schreibe ich das hier nicht nur als Fanboy, sondern das Lied ist auch sehr gut ausgesucht. In diesem geht es um die Kindheit, um Erinnerungen an due Mutter. Es geht um Trauer, um Resignation: "But every road leads to an end". Auch wenn man noch nicht sehr viel vom Spiel weiß, so scheint es, als würde die Musik des Trailers bereits erste Hinweise auf die Geschichte geben. Und dabei erzählt sie eine eigene Geschichte:

Irgendwas müssen wir halt singen

Devil May Cry 5 wird sicherlich ein total kitschiges, ein total affektiertes Spiel. Das will und soll es ja auch sein. Bei der Musik für den Trailer hat sich Capcom dann aber für das langweiligste Mittel überhaupt entschieden: irgendein Brei aus Techno und Rock. Dazu eine Frau, die irgendwas Unbedeutendes singt - weil Gesang halt irgendwie dazu gehört. Anders als bei Captain Spirit und Fallout 76 herrscht hier also auch wieder die Beliebigkeit. Dabei böte gerade die "Devil May Cry"-Reihe eine gute Möglichkeit, zu übertreiben und sogar auf die Spitze zu treiben.

Zurückhaltend und doch eindrücklich

Nicht umsonst begann Sony die Pressekonferenz mit einem minutenlagen Gitarren-Solo auf der Bühne. Gespielt wurde der Titelsong von The Last of Us 2, der vor allem eines ist: unaufdringlich. Wie erfrischend! Ein Videospiel-Soundtrack, der nicht direkt "in die Fresse" ist. Der sogar eine eher subtile Melodie hat. Eine, deren Windungen und Transformationen sich erst nach mehrmaligem Hören auftut.

Das übertrug sich dann auch auf den Trailer selbst. Zunächste hört ihr Musik, die zur Spielwelt selbst gehört, es ist die Musik, die im Festzelt gespielt wird. Beim Gameplay dann ist die Musik nur noch da, um zu unterstreichen. Sie fasst das musikalisch Zusammen, was ihr gerade erlebt. Dabei drängt sie sich nicht auf. Meiner Meinung nach ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Musik auch auf einer Pressekonferenz intelligent eingesetzt werden kann.

Irgendwas mit Gitarren

Kommen wir zum letzten Negativ-Beispiel. Als dieser Trailer im Rahmen der Nintendo Direct abgespielt wurde, habe ich mich längere Zeit gefragt, um welches Spiel es sich wohl handeln könnte. Sofort war mir jedenfalls klar, dass diese Musik aus dem Ordner "was Derbes mit Gitarren" kam. Es ist ein weiteres, wunderbares Beispiel dafür, wie man Musik nutzen kann, um zu kleistern. Wie eine breiige Klangkulisse genutzt werden kann um nur eines auszusagen: Gitarren! Laut! Wenn ihr euch diese Musik ohne Video anhören würdet, was würde sie euch sagen?

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

Tags: E3 2018  

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