Detroit - Become Human
Videospiele: Erinnert euch bitte öfter daran, dass ihr Spiele seid (Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (Mittwoch, 20.06.2018 - 14:58 Uhr)

Die E3 ist rum und wir haben ganz oft gehört, dass die neu angekündigten Spiele die "größten, gewaltigsten, monumentalsten, immersivsten, [hier inhaltsleeren Begriff einfügen] bisher" sein werden. Es sind Begriffe, die nichts über Spiele aussagen. Die aber gleichzeitig missachten, dass es Spiele sind.

So fanden wir die E3 2018. Neue Ideen wo?

Kürzlich habe ich Detroit - Become Human gespielt. Beinahe hätte ich jetzt "geschaut" geschrieben. Denn ja, es gibt Stellen, in denen das Spiel mich als Spieler einfach ignoriert hat. Oder mir höchstens noch die Aufgabe deligierte, im richtigen Moment einen Knopf zu drücken. Das Spiel hat mir sehr gut gefallen. Ich fand die Geschichte interessant. Es gab einige Stellen, an denen ich wirklich mitgenommen wurde. Es waren die Stellen, an denen sich das Spiel daran erinnerte, ein Spiel zu sein.

Oft werden Problematiken wie Repräsentation oder Diskriminierungen in Videospielen mit der Floskel "es ist doch nur ein Spiel" abgetan. Als sei dieses Medium so wenig ernst zu nehmen, dass selbst größte Missstände mit einem "was erwartet ihr denn?" vom Tisch gewischt werden könnten. Ich sehe es genau andersrum: Videospiele bieten einzigartige Möglichkeiten des Erfahrens, des Nacherlebens. Es sollten andere Maßstäbe an dieses Medium gelegt werden als etwa an einen Film. Aber diese Maßstäbe sollten nicht geringer sein.

Was wir zuerst erfahren: Wie groß das Spiel wirdWas wir zuerst erfahren: Wie groß das Spiel wird

Für mich ist ein Videospiel dann richtig gut, wenn ich das Gefühl habe, dass ich gerade etwas erlebe, das mir kein anderes Medium bieten könnte. Dass meine Entscheidungen, mein Steuern, wirklich beeinflussen, was ich da erlebe. Ich dadurch Menschen, Geschichten, Erfahrungen näher komme - aber ganz anders, als wenn ich etwa ein Buch lesen würde. Darum ist der Satz "es ist doch nur ein Videospiel" so absurd. Denn dieses Nur ist falsch.

Gerade diesen Aspekt der Interaktion, der einzigartigen Möglichkeiten von Videospielen, werden immer wieder von den großen Studios selbst vergessen. Blicken wir zurück auf die die E3. Darauf, dass die neuen Spiele noch größer sein sollen. Dass fast jeder Satz, der ein Videospiel beschrieb die Konstrunktion "The most ... yet" hatte. Nie aber wurde gesagt, dass der neue Titel so sehr "Spiel" sein wird, wie noch nie zuvor. Dass es den Entwicklern wirklich darum geht, die einzigartigen Möglichkeiten des Mediums auszuloten. Mechaniken voranzubringen, die das Erleben von Spielen noch intensiver machen. Stattdessen wissen wir direkt, dass irgendeine "Offene Welt" vier Mal größer sein wird als die offene Welt davor.

Ich würde mir wünschen, dass sich Videospiele öfter daran erinnern, Spiele zu sein. Und damit nicht geringer als andere Medien, als andere Kulturerzeugnisse. Sondern anders. Dann müssen sie auch nicht mehr den Hollywood-Filmen hinterherhecheln und immer größer, lauter und teurer werden. Nein, dann würden sie sich an die Spieler vor den Bildschirmen erinnern. Und dass ohne sie gar nichts laufen würde.

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